Sich den letzten Weg nach Hattingen sparen

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Friedhelm Pöthmann ist der erste Vorsitzende des "Elfringhauser Sparverein". Foto: Pielorz
 
Eine ruhige Idylle in Elfringhausen, die den Weg nach Hattingen spart. Foto: Pielorz
Hattingen: Felderbachstraße |

Blickt man auf den Friedhof von der Felderbachstraße hinunter, zeigt sich ein harmonisches Bild: Gepflegte Gräber, dahinter Wiese und Wald und über dem Waldrücken ein Windrad. Der private Friedhofsverein, dem dieses Stückchen Erde gehört, wurde unter dem Namen „Elfringhauser Sparverein“ 1896 gegründet und ist im Vereinsregister der Stadt Hattingen die Nummer eins. Doch was hat ein Friedhof mit Sparen zu tun?

„Eigentlich geht es hier gar nicht um Geld, obwohl es doch eine Rolle spielt“, lacht Friedhelm Pöthmann (77), seit 2005 Vorsitzender des ungewöhnlichen Vereines. „Bevor wir hier in Elfringhausen einen Friedhof hatten, mussten die Elfringhauser mit dem Leichnam immer zur Bestattung nach Hattingen. Das ging dann mit Pferd und Wagen für den Leichnam und zu Fuß für den Leichenzug und war sehr mühselig. Oft war man mehr als zwei Stunden unterwegs. Auf dem Rückweg kamen die Elfringhauser an so manchen Kneipen vorbei und das gab dann oft einen Schnaps. War das Ziel wieder erreicht, so hatten so manche Begleiter des letzten Weges dem Verstorbenen mehr als genug Ehre erwiesen und etliche Schnäpse getrunken. Diese unhaltbaren Zustände wurden den Behörden bekannt und so kam es, dass wir in Elfringhausen einen privaten Friedhof bekamen und eben mit damals 18 Mitgliedern den Verein gründeten. Da konnten wir uns den Weg nach Hattingen sparen – und daher kommt auch der Name ,Elfringhauser Sparverein‘. Mit Geld hat das insoweit zu tun, dass der private Friedhof bis heute wesentlich kostengünstiger ist als ein städtischer oder kirchlicher Friedhof.“
Rund neunzig Grabstellen gibt es auf diesem Fleckchen Erde. In der Regel sind dies traditionelle Grabstellen für Erd- und Feuerbestattungen. „Jetzt planen wir das Anlegen eines Friedwaldes. Anfragen für ein Kolumbarium haben wir bisher noch nicht bekommen, wären aber auch dafür offen“, so Pöthmann. Fast alle, die hier beerdigt werden, haben in Elfringhausen gelebt. Oder sie sind weggezogen und hatten den Wunsch, hier die letzte Ruhe zu finden. „Wir haben aber auch Auswärtige. Darunter sind Wanderer, die viele Jahre in der Elfringhauser Schweiz gewandert sind und es hier so schön finden, dass sie auf diesem Friedhof beerdigt werden möchten. Die Konfession spielt dabei keine Rolle, hier darf jeder seine Ruhe finden.“

Privater Friedhof mit rund 90 Gräbern

Ein Regelgrab kostet zwischen 200 und 500 Euro für dreißig Jahre. Und man muss es auch danach nicht wieder kaufen, sondern kann es vererben. Kostenlos. Mit sechs Euro im Jahr Instandhaltungskosten lässt sich auch leben. „Das ist für Rasenmähen“, so Pöthmann.
Die Evangelische Gemeinde Nierenhof baute 1963 neben dem Friedhof eine Kapelle mit Abschiedsräumen. „Früher fand die Trauerfeier im Haus des Verstorbenen statt und von dort gab es dann einen Leichenzug bis nach Hattingen oder eben später bis zu diesem Friedhof“, erklärt Friedhelm Pöthmann. Das hatte mit dem Bau der Kapelle ein Ende.
In diesem Jahr fand die 2001. Beerdigung in der Vereinsgeschichte statt. Ein „Spitzenjahr“ war 2014 mit dreizehn Beerdigungen. In der Grabgestaltung sei man relativ großzügig. Man habe sich in den Wünschen immer geeinigt.
Wer sich für den Verein, der immer Unterstützer sucht, oder eine Grabstelle interessiert, kann Friedhelm Pöthmann kontaktieren unter Telefon 02052/6815 oder per Fax unter 02052/81957.
Übrigens: Als es hier noch eine Schule gab, musste der Lehrer die Verwaltung des Friedhofes als Zusatzaufgabe übernehmen. „Der kann schreiben, der macht das – das hat man früher immer gesagt.“ Etwas mehr als Schreibarbeit ist das dann aber schon, was die Ehrenamtlichen leisten. Und sie wissen: Irgendwann finden auch sie in dieser Idylle ihre letzte Ruhe.
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