Förderschule St. Georg: Hier wird mein Kind wert geschätzt

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Die Hattinger Kulturdezernentin Beate Schiffer erklärte auf dem „Tag der offenen Tür“ der Förderschule St. Georg, man wolle die Schule „so lange wie möglich“ erhalten. Im Hintergrund Lehrer Ingo Rodowsky und Schulleiter Bernd Leven.Foto: Pielorz
Die Städtische Förderschule St. Georg, gerade umgezogen in die Lessingstraße, feierte ihr Schulweihnachtsfest mit einem „Tag der offenen Tür“. Die starke Präsenz von Verwaltung und Politik machte deutlich: Wir wollen diese Schule erhalten.

Das nämlich ist nicht selbstverständlich, gibt es doch im Zuge der Diskussion um Inklusion eine veränderte Gesetzgebung des Landes, wonach Mindestgrößen der Schulen reduziert und Ausnahmeregelungen gestrichen wurden. Ohne eine kreative Lösung des Schulträgers würde dies das Aus für die Förderschule im Jahre 2015 bedeuten, wie der STADTSPIEGEL berichtete. Dabei sind längst nicht alle Eltern von der Inklusion begeistert.
Hinter dem Begriff verbirgt sich, verkürzt, der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap. Denkt man dies konsequent durch, so würden Förderschulen überflüssig, weil alle Kinder in Regelschulen unterrichtet werden.
Dass Inklusion aber nicht bei allen funktioniert, bestätigen Bildungswissenschaftler. Professor Klaus Klemm aus Essen geht davon aus, dass 20 Prozent aller Schüler mit Förderungsbedarf nicht an Regelschulen unterrichtet werden können.
Das sehen auch betroffene Eltern so. Die Mutter von Maurice (9), Schüler an der Förderschule St. Georg, berichtet von der Schulkarriere ihres Sohnes: „Er kam im April 2012 hierher. Vorher hatte er die Regel-Grundschule besucht. Er konnte sich nicht konzentrieren, hat schon einen Teil der ersten Klasse wiederholt. Er war mit 31 Kindern in der Klasse, wurde gemobbt und hat sich schließlich eine Schere an den Hals gesetzt. Das wurde als Selbstmordversuch gewertet und er kam für drei Monate in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er war nie aggressiv, aber er braucht viel Aufmerksamkeit. Hier ist er mit zwölf Kindern in einer Klasse und individuelle Förderung steht nicht nur auf dem Papier. Seit er hier ist, kann er sich besser konzentrieren. Er lernt besser und fühlt sich angenommen.“
Die gelebte Wertigkeit der Schüler bestätigt auch die Mutter von Marvin (11), der seit Mai 2012 hier Schüler ist. Vorher besuchte er die Hauptschule in Niedersprockhövel, hatte dort auch eine Integrationskraft. „Genützt hat ihm das nicht. 28 Schüler in der Klasse sind für das schüchterne Kind zuviel. Er hat Probleme mit dem Lesen und Schreiben, hatte kein Selbstbewusstein und kam in der Klasse nicht an. Hier ist er total verändert, wurde sogar Klassensprecher. Um hier zur Schule zu gehen, fährt er von Sprockhövel aus mit dem Bus. Seine Leistungen sind gut, vorher hatte er Angst vor Arbeiten.“
Zwei Kinder an der Schule hat die Mama von Fabian (10) und Timo (6). Auch Fabian war zunächst an einer Regelschule. Schon im Kindergartenalter fiel er auf. Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit, beim Lesen und Schreiben – in der zweiten Klasse wechselte er zur Förderschule. „Ich habe die Entscheidung nie bereut. Für Timo kam gar nichts anderes in Frage. Er leidet an einer Sprachdyspraxie, also an einer sprachlichen Behinderung. Beide Kinder fühlen sich hier sehr wohl. Für Timo wollte ich nie eine Regelschule. Fabian wurde hier soweit gestärkt und gefördert, dass er nach der vierten Klasse eine Regelschule besuchen wird.“
Alle Eltern sind sich einig: Die Förderschule hat ihren festen Platz im Schulsystem, nicht nur so lange wie möglich, sondern grundsätzlich.
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Dr. Anja Pielorz aus Hattingen | 10.12.2013 | 14:32  
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