Hattingen boomt in der Außenwahrnehmung

Bürgermeister Dirk Glaser (links) und Wirtschaftsförderer Martin Serres vor einem „Kumpel“ aus vergangenen Zeiten, einer Ausstellung im Rathaus Foto: Pielorz
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Wirtschaftsförderer Martin Serres zieht wie in jedem Jahr eine Bilanz des letzten Jahres. Mit dabei ist auch Hattingens neuer Bürgermeister Dirk Glaser.

„ Die Stadt musste einen großen Strukturwandel bewältigen und ist heute wieder gut aufgestellt“, so Martin Serres. Dabei sei der Strukturwandel allerdings noch nicht abgeschlossen. Das ehemalige Hüttengelände ist nahezu voll vermarktet. Nur noch neun Hektar stehen dort zur Verfügung. „Wir haben uns dem Flächenpool NRW angeschlossen mit dem Ziel, Flächen zu vermarkten, die auch problematischer sind“, so Serres.
Kernpunkt sei die Ausweisung neuer Flächen. „Der Flächennutzungsplan wird neu aufgelegt. Doch dieser wird wohl erst 2017 fertig und ist eine Perspektive für die nächsten Jahre. Die Politik hat 2012 Potentialflächen für Gewerbe beschlossen und für die Wirtschaftsförderung ist das sehr wichtig.“
Neues entsteht bereits auf dem ehemaligen Rewe-Gelände. „Zwei Eigentümer möchten hier neben einem Hostel weitere Freizeit- und Dienstleistungsangebote ansiedeln. Die Gebäude werden entkernt und umgebaut, aber nicht abgerissen. Vielleicht wäre es vor Jahren auch keine schlechte Option gewesen, sich als Stadt die Fläsche zu sichern. Jetzt hoffen wir, dass dort Gutes entsteht.“
Auch mit dem O&K-Gelände hatte die Stadt Pläne. „Diese müssen wir zur Zeit zurückstellen, weil wir zumindest in einem Teilbereich Flüchtlingsunterkünfte darstellen müssen. Da bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten.“
Neben der Nutzbarmachung der Altflächen benötige man dringend weitere Ansiedlungsoptionen. „Schon heute können wir die Nachfrage nicht mehr passgenau bedienen. Die Grundsatzentscheidung zur Entwicklung weiterer Flächen, beispielsweise im Entwicklungsbereich Holthausen-West, ist für die Zukunft ein wichtiger Standortfaktor.“
Deshalb müsse man auch die Entwicklung der Gewerbesteuer aufmerksam beobachten. „Hattingen liegt mit der Anhebung auf 510 Prozentpunkte nicht nur im Vergleich zu den relevanten Nachbarstädten, sondern auch im Landesvergleich in der Spitzengruppe. Natürlich ist die Gewerbesteuer nicht das einzige Kriterium, welches ein Unternehmen vor die Frage des Gehen oder Bleiben stellt. Aber sie ist wichtig im Hinblick auf Investitionen, die ein Unternehmen tätigt. Als Stärkungspaktgemeinde können wir die Steuersätze nicht frei bestimmen wie es angeraten wäre“. Allerdings ist das schwankende Gewerbesteueraufkommen auch keine verlässliche Größe.
Positiv bewerten sowohl der Wirtschaftsförderer als auch der Bürgermeister die relativ niedrige Arbeitslosenquote, die mit 6,9 Prozent unter dem Landeswert liege.
Positiv sieht Serres auch viele Investitionen von Firmen, die dadurch uneingeschränkt zum Standort Hattingen stehen. „Das ist beispielsweise bei Halbach & Braun so, aber auch beim Schmiedestückvertrieb Feuerstein. Ich freue mich auch über den Bau des Gebäudes der TÜV Holding auf dem ehemaligen Hüttengelände. Dort werden Seminare und Schulungen stattfinden. Dazu kommen Menschen nach Hattingen, die unsere Stadt vorher vielleicht gar nicht kannten. Das ist auch positiv für Handel und Gastronomie. Und auch für diejenigen, die Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Deshalb wünsche ich mir nach wie vor noch ein Hotel in dern Innenstadt.“
Erfreut ist Serres auch über die Rückkehr der Air Products Verwaltung aus Bochum. Das Unternehmen ist Mieter in ihrer ehemaligen Büroimmobilie. Die neuen Eigentümer, die IT-Firma „Integration Matters“, sind ebenfalls schon eingezogen.
„Negativ ist selbstverständlich die Schließung von Qint zu sehen, über die der STADTSPIEGEL auch berichtet hat. Besonders erfreulich ist aber das Verbleiben von O&K in Hattingen, die immerhin neben Köppern mit 160 Mitarbeitern der fast größte industrielle Arbeitnehmer in Hattingen sind.
Zwar habe die Stadt wegen der Monostruktur zu Zeiten der Henrichshütte weniger Familienbetriebe als z.B. die Nachbarstadt Sprockhövel, aber Hattingen sei eine Stadt für Unternehmer. „Die Identifikation mit dem Standort zu fördern und nicht nach der Arbeit einfach nach Hause in eine andere Stadt zu fahren, das ist auch eine Aufgabe der Wirtschaftsförderung. Wir haben mit der Einbettung der Stadt in die Natur einen tollen Tourismusfaktor. Die Übernachtungen steigen, die Tagesgäste entwickeln sich gut. Hattingen wird extern immer mehr wahrgenommen. Das hat doch auch der Weihnachtsmarkt gezeigt, der gerade erst vorbei ist.“
Die Objekte an der Bredenscheider Straße sind ebenfalls verkauft. Vom „Graffitihaus an der Friedrichstraße“ bis hin über den alten Standort von Bücherei und Musikschule bis fast zu Opel Brinkmann. „Hier werden gerade baurechtliche Fragen geklärt. Es dauert etwas, aber es läuft“, so Serres.
Überall, so der Wirtschaftsförderer entstehe Neues. „In der Augustastraße wird es ein Ärztezentrum geben und Leerstände sind in der Innenstadt kein Thema. Neben bezahlbarem Wohnraum brauchen wir auch Häuser und Wohnungen der gehobenen Klasse. Unternehmer wünschen sich, in Hattingen wohnen zu können und nicht nur ihren Betrieb hier zu haben.“
Sein Traum? „Den alten Busbahnhof und den Bunker zu einem Hotelstandort wachsen zu sehen.“

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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