Schulstory-Wettbewerb: Der Anschlag

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Er hatte schon seit Tagen alles vorbereitet und wartete nur noch auf das Zeichen.

An desem Morgen sah er es und nun gab es kein Zurück mehr. War er froh? Hatte er Angst? Fühlte er sich erleichtert oder gespannt?
Er konnte nichts fühlen.
Absolut nichts.
Es war, als wäre jedes Gefühl in ihm zu Eis erstarrt und er hatte nicht mal eine Erinnerung, wie er tickte, als er noch so war wie die anderen: unbeschwert und ohne diese Aufgabe, die er nun ganz allein zu bewältigen hatte und die er nicht mehr ablehnen konnte. Zu spät, es gab kein Zurück.

Seinen Freunden hatte er in den letzten Wochen immer andere Lügen erzählt, damit sie ihn in Ruhe ließen. Fußball und die anschließenden Bierkisten-Partys, die Grillabende an der Ruhr oder die Wochenenden, an denen sie sich zum Zocken trafen...all das war ihm nicht mehr wichtig, da ihm nun klar war, dass jeder Mensch im Leben eine Aufgabe hatte, die so wichtig war, dass er dafür alles andere zu vergessen hatte.
Seitdem er Kontakt aufgenommen hatte, war sein Leben nur noch Fassade und er musste sich zusammenreißen, damit niemand merkte, womit er sich heimlich in seiner Freizeit beschäftigte.
Die anderen hätten niemals verstanden, dass er nun nicht mehr so sein wollte wie sie: angepasst an falsche Werte und Ideale.
Die alte Garage, die ihm seine Eltern zum Tüffteln und für die Bierkisten-Partys überlassen hatten, war ideal für seine Zwecke und so hatte er alle Komponenten besorgen können, ohne dass jemand doofe Fragen stellte.

Die Anleitung kam via Post. Das hatte ihn gewundert, nachdem alle anderen Kontakte über das Internet abliefen, aber irgendwie schien das sicherer zu sein, denn aus welchem anderen Grund, sollten die so handeln?
Natürlich mussten die vorsichtig sein.
Zu Anfang war er nicht überzeugt. Das kam erst so mit der Zeit und nachdem er sich immer mehr einließ und sie hatten so Recht!
Vieles, was sie ihm sagten, dass hatte er so in sich gespürt, aber nicht ausdrücken können und jetzt war auf einmal alles ganz klar!

Er kam sich vor wie Bruce Willis in einem dieser alten Filme und hätte fast etwas gefühlt, aber er war jetzt ein Krieger und was er fühlte war nicht wichtig. Nur das, was er nun bald tun würde, das wäre ein Signal für die anderen und es wäre wichtig.

Der schwere Koffer musste nur noch in die Aula gebracht werden. Auch das würde er hinbekommen und den Rest...er hatte noch ein paar Stunden Zeit, alles so zu platzieren, dass der Knall-Effekt jeden in der Aula erreichen würde, wenn die diesjährige Abi Party stieg.

12 Stunden später gab es einen ohrenbetäubenden Knall in der Aula des örtlichen Gymnasiums. Das anfängliche Entsetzen erfuhr eine weitere Steigerung, als aus der riesigen Torte am Rande der Tanzfläche, die gerade zerborsten war und einen Konfettiregen in der Halle verursacht hatte, eine Tabledance-Stange herausfuhr.
Schon versuchten einige Schüler dieser beängstigenden Situation zu entkommen, aber die Türen ließen sich nicht öffnen.
Die an der Decke hängende riesige Disco-Kugel drehte sich immer schneller und die Lichteffekte passten nicht zu dieser absurden Situation.
Ein altes Lied der Bee Gees ertönte und mit einen Mal stand da Tim Bredow, allgemein hin nur Timmy genannt, einer der echt süßen Jungs der Schule an der Stange und legte eine perfekte Performance hin. Zum Entzücken einiger Mädchen trug er nur eine Art Lendenschurz.
Erleichterung mischte sich in das ungläubiges Erstaunen und vergessen war das anfängliche Entsetzen.

Timmy nahm ein Mikro in die Hand:
„Hey Leute, danke. Bevor ich jetzt gleich mit einer weiteren Überraschung für Euch herausrücke:
Sollte dies einer von Euch überleben: Ich habe Euch und mich gerettet. Allah ist groß“.

Keiner sagte ein Wort. Dann erfolgte die Explosion


Einige Wochen später gaben die Eltern ein Interview, in welchem sie ihr Bedauern und ihre Anteilnahme über den Tod der Opfer zum Ausdruck brachten. Warum ihr Sohn sich und anderen auf diese Weise das Leben genommen hatte, vermochten sie nicht zu erklären. Aufgefallen war ihnen nur, dass er sich immer mehr zurück gezogen hatte, was sie aber für sich mit den Abiturprüfungen in Verbindung gebracht hatten.
Der Staatsschutz, der die örtliche Polizei unterstützte, teilte mit, dass Tim B. mit Personen aus der Salafistenszene Kontakte unterhielt. Weitere Angaben dürften aus ermittlungstechnischen Gründen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erfolgen.

Martina Janßen
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7 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 18.10.2015 | 23:55  
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Martina Janßen aus Hattingen | 19.10.2015 | 00:09  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 19.10.2015 | 00:13  
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Roland Jalowietzki aus Düsseldorf | 19.10.2015 | 20:56  
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Martina Janßen aus Hattingen | 22.10.2015 | 15:52  
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Ingrid Schattberg aus Essen-West | 23.10.2015 | 09:16  
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