Ziviler Ungehorsam: eine kleine Replik auf des Bürgermeisters Worte zur Hattinger Asylpolitik

Anzeige
  "Es gibt keine Alternative, wir können und wollen die Menschen, die hier Schutz und Hilfe suchen, nicht zurück schicken oder obdachlos auf der Straße sitzen lassen. Ich sehe es als Pflicht und Selbstverständlichkeit an, Menschen, darunter auch viele Kinder, die Schutz vor Gewalt und Terror suchen, zu helfen und ihnen zumindest ein Dach über dem Kopf zu bieten. Das können und müssen wir auch den Kindern vermitteln.“

Diese für Verständnis werbenden Worte unseres Bürgermeisters erzeugen in mir einen Nachhall der Art, dass ich hin- und her gerissen bin zwischen Zustimmung und Widerspruch!

Wer möchte schon dastehen, als ein Mensch, der anderen Menschen in Not die gebotene Hilfe verweigert? Der Hinweis auf die "vielen Kinder" findet sich in nahezu allen Beiträgen zur Flüchtlingskrise und erledigt sein Übriges, denn gerade Kinder oder Bilder von Kindern öffnen das Herz und das Portrmonnaie, wie jeder, der etwas von Anderen möchte -sei es Geld oder Zustimmung - sehr genau weiß!

Dass aber nicht Kinder, sondern sehr viele junge Männer die weitaus größte Gruppe der einreisenden Schutzsuchenden ausmacht, wird in dieser für Verständnis werbenden Erklärung nicht mitgeteilt!

"Gewalt und Terror" sind weitere Begriffe, die uns stets im Zusammenhang mit den hier ankommenden Asylbewerbern begegnen und seit einigen Tagen wissen unsere französischen Nachbarn zum zweiten Mal in diesem Jahr, wie sich das anfühlt.

Nun wird ja dazu angehalten, Gewalt und Terror nicht mit der Flüchtlingskrise in Verbindung zu bringen, weil ja die Schutzsuchenden genau davor fliehen. Leider lässt sich das aber nicht vermeiden, denn wie sich heraus gestellt hat, sind zwei Terroristen als Asylsuchende bei der Einreise in Griechenland registriert worden.
Deutschland ist weiterhin nicht in der Lage, die "Einreisenden" zu registrieren oder bestehende europäische Abkommen durchzusetzen und die Basis, also wir alle nehmen das weiterhin gelassen hin?
Protest kann einen in arge Bedrängnis bringen und jeder der es in diesen Tagen wagt, öffentlich zu kritisieren, was andere Europäer dazu bringt, uns Deutsche als verwirrt zu betrachten, kann ein Lied davon singen!

Was bedeuten diese Erkenntnisse also für Hattingen?

Herr Glaser vertritt in erster Linie die Interessen der Hattinger Bürger und in dieser Funktion, möchte ich von ihm nicht nur ein Abnicken und Zustimmen zu der derzeitigen Flüchtlingspolitik vernehmen!

Es gibt derzeit kaum ein Treffen unter Freunden, Familien oder in Vereinen, welches nicht irgendwann bei diesem Thema landet. Die Stimmung hat sich nicht nur in den Medien "gesetzt", sie ist auch bei vielen Hattingern nicht so, wie es uns durch entsprechende Beiträge vermittelt wird.
Das immer noch so viele Menschen sich für Asylbewerber einsetzen, bedeutet nicht, dass sie damit einverstanden sind, dass es nun jahrelang in diesem Modus weitergeht! Es zeigt "nur", dass diese Hattinger hilfsbereite Menschen sind, die eine einmal übernommene Aufgabe nicht gleich seinlassen, weil sich die Vorzeichen geändert haben!

"Keine Alternativen" ?

In den östlichen Bundesländern stehen Flüchtlingsunterkünfte leer! Ja ich weiß, der Königssteiner Schlüssel legt fest, welches Bundesland wie viele Asylbewerber aufnehmen muss.

Aber erfordern solche Zeiten nicht ein wenig mehr Pragmatismus? Und wenn sich Asylbewerber einfach über Zuteilungen hinwegsetzen und die Ihnen angebotenen Unterkünfte ablehnen, ist es da nicht an uns, diesem Verhalten durch pragmatische Lösungen Einhalt zu gebieten?

Was also hindert unseren Bürgermeister zu sagen: wir haben keine Möglichkeiten mehr, in der Bevölkerung regt sich immer mehr Unwillen, zwar noch verhalten, aber spürbar?
Verteilt die Asylbewerber nach den gegebenen Möglichkeiten und später können wir dann die Zahlen und Kosten auf dem Papier hin und her schieben, denn wer möchte Menschen in Not, darunter vielen Kinder, nicht helfen, nur weil der Verteilungsschlüssel nicht passt???

Lasst die Busse erst gar nicht hier anrollen, sondern leitet sie dorthin, wo noch Plätze, reale Plätze!, vorhanden sind!!!!

Ein weiterer Aspekt, der mich widersprechen lässt, ist der in den Sätzen des Bürgermeisters mitschwingende Gedanke, dass wir auch weiterhin allen, die zu uns kommen möchten, diesen Schutz bieten wollen und können.

Wollen wir Hattinger das wirklich?

Als vor einiger Zeit viele Bürgermeister ihren Unmut und ihren Frust über die derzeitige Situation in den Gemeinden in einem Brief an unsere Kanzlerin äußerten, da hat der Herr Glaser sich nicht beteiligt.
Nun, wir wissen nicht warum und so darf man Vermutungen anstellen.: keine Zeit, keine Lust, wichtiger Fototermin, andere Ansicht....... keine Ahnung?

Die Stadt beabsichtigt Erstaufnahmestelle zu werden, weil dies Planungen vereinfachen soll. Die anderen Gründe sind mir gerade wieder entfallen und das liegt entweder an der Schlüssigkeit der Argumentation, eventuell aber auch an meiner fehlenden Begeisterung für diese Absicht. Mit Sicherheit weiß ich aber, dass 800 Asylbewerber nicht nur eine "Herausforderung" sein werden.

Die Belegung von Turnhallen ist unser geringstes Problem, denn es sind die langfristigen Folgen, die schon in der Vergangenheit für heutige Probleme sorgen!

Diese und all die anderen Asylbewerber, die eventuell für immer zu uns kommen, werden unser Land verändern.....sagen Politiker und Kirchenvertreter.

Und was sagen wir? Prima , will ich doch auch und wollte ich schon immer?

Der Ruf nach einem Einreisestopp wird immer noch ignoriert, obwohl er mittlerweile so laut ist, dass er nicht mehr überhört werden kann.

Wer gibt den Flüchtlingen das Recht, sich über die Souveränität der Staaten hinwegzusetzen, die ihnen Hilfe anbieten? Wenn wir sagen, dass Österreich doch auch ein schönes Land ist, kann es doch nicht sein, dass sie die dortige Hilfe trotzig ablehnen und sich gezielt in Szene setzen, indem sie auf Brücken oder Wegen ausharren!

Ein Bürgermeister muss vorausschauend denken. Er muss abwägen, ob seine Entscheidungen der Stadt und ihren Bürgern nutzen und es ist sicher nicht einfach, immer allen Parteien gerecht zu werden.

Ich fühle mich durch die Haltung eines Bürgermeisters, der sich nicht wehrt, der nicht für seine Bürger und seine Stadt kämpf, nicht gut vertreten.

In Frankreich und auch anderen Ländern gibt es zivilen Ungehorsam gegen die Entscheidungen der Regierungen. Die Bürgermeister wehren sich gegen die Aufnahme von Calais-Flüchtlingen, weil ihnen das Gewaltpotential dieser Flüchtlinge zeigt, dass diese sich nicht so einfach in in ihre beschaulichen Gemeinden integrieren werden.

Bei uns ist schon das Wort für diese Haltung negativ konnotiert. Ungehorsam gegen die Devise "Wir schaffen das"? Nein, das machen wir Deutschen nicht . Wir rennen sehenden Auges in eine Zukunft, deren Zustände sich bereits heute in vielen deutschen, belgischen und französischen Städten zeigt!

Im LK werden ja hin und wieder utopische Wünsche geäußert! Ich habe auch einen:

Die Bürgermeister unserer Republik begeben sich friedlich und lediglich mit Pappschildern bewaffnet auf einen Marsch in Richtung Berlin und zeigen ihren Unmut und ihren Ungehorsam gegen Entscheidungen, die uns alle betreffen und gegen die wir uns nach den einlullenden Reden der Politiker scheinbar nicht wehren können!

Aber wir sind ja nicht in Frankreich.....

Warum ich das jetzt schreibe?
Sollten mir mal Enkelkinder vergönnt sein, dann möchte ich diesen sagen können, dass ich mich mit den wenigen legitimen Mitteln, die mir zur Verfügung standen, gegen die Veränderungen gewehrt habe, die eine verfehlte Asylpolitik und das Abnicken der örtlichen Entscheidungsträger mit sich gebracht haben: also mit meinen Worten!!
4
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
9 Kommentare
2.522
Wolfgang Wevelsiep aus Hattingen | 21.11.2015 | 22:26  
2.522
Wolfgang Wevelsiep aus Hattingen | 22.11.2015 | 17:05  
2.522
Wolfgang Wevelsiep aus Hattingen | 22.11.2015 | 22:38  
1.575
Martina Janßen aus Hattingen | 23.11.2015 | 13:00  
2.522
Wolfgang Wevelsiep aus Hattingen | 24.11.2015 | 00:49  
1.575
Martina Janßen aus Hattingen | 25.11.2015 | 23:18  
86
Peter Koch aus Hattingen | 28.11.2015 | 10:13  
1.575
Martina Janßen aus Hattingen | 28.11.2015 | 10:46  
2.392
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 06.12.2015 | 12:10  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.