Besinnliches von Anna Püllen: "Gott sei Dank"

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Anna Püllen, Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Welper-Blankenstein
Mein Vater, der ganz ländlich auf einem Hof aufgewachsen ist, war schon als Kind ein aufmerksamer Beobachter: „Warum ist das Kaffee-Trinken die einzige Mahlzeit, vor der wir nicht beten?“, wollte er einmal wissen. Nach reiflicher Überlegung erfuhr er: „ Die Kartoffeln, der Kohl und was wir sonst noch essen, das hat Gott alles wachsen und reifen lassen. Aber der Kaffee ist ja gekauft – den haben wir selbst bezahlt.“
So gesehen gäbe es heute für die meisten Leute gar keinen Grund mehr, Gott zu danken. Denn was wir essen, ist alles selbst gekauft.
Nur wenn man – wie kommenden Sonntag – an Erntedank in die Kirche geht, wird man darauf gestoßen, dass auch unser Essen nicht im Supermarkt wächst.
Wenn ich nicht abgelenkt bin, bete ich vor den meisten Mahlzeiten und sage Gott kurz danke, sogar vor Kaffee und Kuchen. Und an manchen Tagen, gerade an denen, die blöd waren, liege ich abends im Bett und zähle mir auf, was heute alles gut war: Das leckere Abendessen mit meinem Mann, dass ich das falsche gekaufte Medikament umgetauscht gekriegt habe, dass ich nach langer Zeit endlich mal mit einer bestimmten Freundin telefonieren konnte. Und dann merke ich, wieviel ich bekommen habe – Dinge, die ich selbst gekauft habe und Dinge, die man gar nicht kaufen kann…
Und dann denke ich mir: „Gott sei Dank!“
Ihre
Anna Püllen,
Pfarrerin in der
Ev. Kirchengemeinde
Welper-Blankenstein
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2 Kommentare
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 05.10.2013 | 09:53  
9.161
Renate Sültz aus Lünen | 05.10.2013 | 19:59  
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