Besinnliches von Frank Bottenberg: "Frühlingsjubel? – hmm…"

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Frank Bottenberg, Holthauser Pfarrer der Ev. St.-Georgs-Gemeinde in Hattingen
Hattingen: Johanneskirche |

Wenn es jetzt draußen frühlings- und blütenmäßig so richtig knallt, sind kirchenjährlich gesehen die nachösterlichen Jubel-Sonntage dran. Aber das mit dem Jubeln will 2015 nicht so ganz hinhauen – auch wenn blühende Bäume in diesem Jahr genauso schön anzusehen sind wie sonst – direkt hier nebenan steht eines dieser Exemplare!

Aber dann war am vergangenen Freitag dieser Trauerakt in Köln, wo wir alle zurück an die Seite der Trauernden geholt wurden! Und tags drauf die Katastrophe im Mittelmeer!
Fassungslos bin ich bei beiden Ereignissen. Aber je anders. In dem einen Fall, weil es so bei uns noch nicht vorkam und die wirklichen Motive letztlich nicht rekonstruierbar sind.
In dem anderen Fall, weil es längst nicht zum ersten Mal vorkam und weil die Ursachen glasklar rekonstruierbar sind! Wir wissen längst, was da geschieht, wenn ungeeignete Boote übervoll gepackt werden und Menschen dennoch bereit sind, die Risiken solch einer Höllentour in Kauf zu nehmen, weil es für sie der einzig verbliebene Hoffnungsschimmer ist.

Fairness im Blick auf weltweites Miteinander

Einfach die Boote zerstören? Den Schleppern das kriminelle Handwerk legen? Und ansonsten die Grenzen dicht halten – weil: „Da mischen sich ja immer auch andere drunter, die gar nicht um ihr Leben fürchten müssen“ und „Wir wollen nicht noch Anreize bieten zu kommen“?
Wie zynisch wollen wir eigentlich sein in Deutschland, in Europa? In anderen Zusammenhängen reden wir weit früher von „unterlassener Hilfeleistung“ – da brauche ich nicht mal biblische Geschichten wie etwa die vom „Barmherzigen Samariter“ zu bemühen!
Nur eins ist klar – und wir haben ja derzeit in Hattingen die „Weltwoche“, um drüber nachzudenken, wie Fairness im Blick auf weltweites Miteinander aussehen kann und wie wir besser dahin kommen: Es beginnt nicht mit Forderungen! Sondern mit der Bereitschaft, auch selber Einschränkungen in Kauf zu nehmen, damit an Leib und Leben Bedrohte Unterschlupf finden können. Auch dann, wenn es mehr werden! Und sie in meinem Stadtteil wohnen werden!
Jubeln steht nicht an, aber ich bin froh, dass nicht erst jetzt im Frühling neue Triebe in Hattingen gewachsen sind, dass Menschen sagen: „Wir wollen nicht nur zusehen, wir wollen was tun“.
Und ich bin sicher, es reihen sich Leute ein, um in diesen Tagen in Kirchen und anderswo eine Kerze anzuzünden oder in Gottesdiensten am Wochenende mit zu beten für die von den Katastrophen im Mittelmeer Betroffenen und für die vielen anderen, die sonstwo als Flüchtlinge unterwegs sind und noch nicht den Ort gefunden haben, an dem sie unterkommen können.
Jeder blühende Zweig ist ein Zeichen von Leben; mir als Christ Erinnerung an Ostern, die mir sagt: Sterben und Ertrinken von Flüchtenden darf niemals hingenommen werden, wenn es verhinderbar ist.
Das ist es.

Frank Bottenberg,
Holthauser Pfarrer der
Ev. St.-Georgs-Gemeinde
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