Elterntreff: Mein Kind ist besonders

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Hattingen: Altes Rathaus |

Im Treff „Hattingen hat interessierte Eltern“ ging es diesmal um das Thema Entwicklungsstörungen bei Kindern. Das „Hattinger Bündnis für Familie“ hat in Kooperation mit der Volkshochschule den Chefarzt des Kinderhauses der Helios Reha-Klinik Hattingen, Dr. Ulf Hustedt, und die Heilpädagogin der Klinik, Sarah Hamerla, eingeladen.

Seit mehr als zwanzig Jahren bietet die Helios Klinik Hattingen eine Rehabilitation für Kinder und Jugendliche mit neurologischen und neurochirurgischen Erkrankungen an. In der Klinik werden vor allem Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutungen, Zerebralparesen (Bewegungsstörung durch frühkindliche Hirnschädigung), Epilepsien sowie Erkrankungen des Nervensystems und neuromuskuläre Erkrankungen behandelt. Ulf Hustedt hat viele Jahre in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) gearbeitet. Der Schwerpunkt des Facharztes für Kinder- und Jugendmedizin ist die Neuropädiatrie (Störungen und Erkrankungen des Nervensystems bei Kindern).
Die kindliche Entwicklung vollzieht sich in sechs verschiedenen Bereichen: Körper- und Handmotorik, Wahrnehmung, kognitive, sprachliche und sozial-emotionale Entwicklung. Fachleute sind bemüht, bei Abweichungen und Störungen den Ursprung dafür zu erkennen. Dabei gibt es Grenzsteine in der Entwicklung. Heilpädagogin Sarah Hamerla erklärt: „Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Sie entwickeln sich auch unterschiedlich schnell in den einzelnen Bereichen. Es kann durchaus sein, dass ein Kind in der Wahrnehmung weit oder altersgerecht entwickelt ist, in anderen Bereichen aber noch nicht so weit ist. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Die Grenzsteine dienen als Orientierungshilfe dafür, was die Mehrheit der Kinder bereits erreicht hat. Zum Beispiel gehört zum Grenzstein für 72 Monate der Einbandstand für fünf Sekunden, die koordinierte Stiftführung in der Handmotorik und bestimmte Elemente in der Sprache und den Kognitionen. Ein Kind muss nicht alle Kriterien erfüllen, aber einen Teil davon. Ein anderes Kind wird andere Kriterien erfüllen, sollte aber ebenfalls entsprechende Grenzsteine erreichen.“

Verschiedene Testverfahren

Die Entwicklungsdiagnostik führt verschiedene Testverfahren durch, um herauszufinden, ob eine Störung vorliegt. „Es handelt sich dabei um standardisierte Tests mit bestimmten Gütekriterien, die erfüllt werden müssen. Dabei ist es als Heilpädagoge sehr wichtig, zu wissen, wie man fragen muss. Die Frage darf das Kind nicht in seiner Antwort beeinflussen. Für Sechsjährige dauert ein solcher Test 45 Minuten. Die Eltern dürfen dabei sein, aber keinen Blickkontakt zum Kind haben. Abgefragt werden Inhalte aus allen sechs Bereichen.“
So gibt es zum Beispiel ein geometrisches Puzzle, welches das Kind erneut zusammenlegen soll. Es gibt Bilderkarten, die eine Geschichte erzählen, wenn sie in der richtigen Reihenfolge liegen. Oder es gilt, Fragen zu beantworten, beispielsweise die, warum man nicht über eine rote Ampel gehen darf. „Ich möchte dann hören, ob das Kind die Zusammenhänge mit der Gefahr erkennen kann. Ich will nicht die Antwort haben, dass die Mutter es verboten hat. Und ich darf dann auch nicht erneut nachfragen, warum die Mutter es verboten hat. Das Kind muss selbständig erkennen, dass die rote Ampel eine Gefahr darstellt.“
Wenn alle Ergebnisse eines solchen Tests vorliegen, geht es in die Auswertung und es entsteht eine Testkurve. „In der Regel haben wir bei einem Kind gute und weniger gute Bereiche. Der Test folgt einer Ampelauswertung. Das bedeutet, der grüne Bereich ist grundsätzlich in Ordnung, der gelbe Bereich ist risikoreich und der rote Bereich ein Problem. Vor diesem Hintergrund setzen dann die Diagnostik und die Therapie an.
„Erste Instanz für Eltern sollte immer der Kinderarzt sein, bei dem auch in der Regel die Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden“, erklärt Chefarzt Ulf Hustedt. Er überweist an den Kinderneurologen oder an das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ). „Ich selbst bin zur ambulanten Behandlung von neuropädiatrischen Erkrankungen durch die Kassenärztliche Vereinigung ermächtigt. Für eine Vorstellung in der ambulanten Sprechstunde benötige ich nur die Überweisung von einem Facharzt. Das kann ein Kinderarzt sein, aber auch ein Orthopäde oder Neurologe.“ Die Sozialpädiatrischen Zentren befinden sich in vielen größeren Städten, im Hattinger Umkreis sind dies beispielsweise Essen und Dortmund. Zur weiteren Abklärung gibt es natürlich auch noch Kinderkliniken, die Uni-Klinik und das Zentrum für seltene Erkrankungen.
„Zunächst einmal gilt es herauszufinden, ob nur eine Verzögerung oder eine Störung in der Entwicklung vorliegt. Dafür haben wir die Testverfahren, die uns helfen, eine Diagnose zu stellen. Danach können wir verschiedene Therapien ansetzen, zum Beispiel Physio- oder Ergotherapie, Logopädie, Montessorie-Therapie oder andere Möglichkeiten.“
Wichtig ist für die Experten vor allem eines: „Zum einen sollten Eltern nicht in Panik verfallen, wenn ihr Kind nicht auf den Alterspunkt bezogen alle Entwicklungsschritte schon vollzogen hat. Auf der anderen Seite muss man natürlich hinschauen und gegebenenfalls Fragen abklären lassen. In der Regel ist man bei einem Kinderarzt in guten Händen.“
Kontakt: Neuropädiatrische Ambulanz der Helios Klinik Hattingen, Telefon 02324/966-812. Zur Vereinbarung eines Ambulanztermines kann man auch die E-Mail von Kerstin Mauß nutzen (kerstin.mauss@helios-kliniken.de). Für medizinische Fragestellungen kann man sich per E-Mail an Dt. Ulf Hustedt wenden, ulf.hustedt@helios-kliniken.de

Nächster Termin: Mittwoch, 19. April, 19 Uhr, Altes Rathaus, Thema Rechenschwäche
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