Thema Pflege: Wir werden älter, aber die Pflege liegt am Boden

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Ein großes Problem im Alter ist die Einsamkeit. „Deshalb ist es wichtig, im Netzwerk zu erkennen“, was wir für einen Menschen tun können. Egal, ob zuhause oder im Heim – es gibt immer Möglichkeiten“, so Tanja Meis Werkfoto: IVH
 
Tanja Meis von der Stadt Hattingen
 

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Deutschland hat eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit. Die Altersverteilung hat gravierende Ausmaße auf Pflegekräfte und Pflegebedürftige. Während die einen weniger werden, steigen die Zahlen bei den Pflegebedürftigen stark an.

Nach einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes wird es 2,83 Millionen Pflegebedürftige im Jahr 2020 geben. Doch schon heute gibt es einen Pflegenotstand. Um der Meinung Ausdruck zu verleihen, die Situation für Pflegekräfte habe sich in den letzten zehn Jahren erheblich verschärft, machen seit Oktober 2013 deutschlandweit jeden Monat Flashmobs bzw. Smartmobs zum Thema „Pflege am Boden“ auf den Pflegenotstand aufmerksam. Pflege am Boden ist ein von Parteien, Gewerkschaften und Berufsverbänden unabhängiger Zusammenschluss von Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten oder Pflegenden Angehörigen und Menschen, denen die Pflege am Herzen liegt. Jeden Monat gibt es Aktionen und immer mehr Städte machen mit.
Um mitzumachen, muss man sich nur für zehn Minuten auf den Boden legen. Noch ist der Ennepe-Ruhr-Kreis sparsam vertreten und Hattingen und Sprockhövel haben noch nicht mitgemacht. Aber am nächsten Termin, Samstag, 8. November, ist Witten dabei. Von 11.30 bis 12.15 Uhr findet die Aktion auf dem Rathausplatz statt. Infos zu der Aktion gibt es auch im Netz unter „www.pflege-am-boden.de“

Pflege liegt am Boden

Was es in Hattingen allerdings gibt, ist ein umfassendes Netzwerk verschiedenster Beratungsangebote. In jeder Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises gibt es eine Anlaufstelle für Fragen zum Thema Pflege. In Hattingen ist das Seniorenbüro in der Hüttenstraße zuständig, in Sprockhövel die gleiche Einrichtung im Rathaus.
Hilfe gibt es dort bei:
Vermittlungs-/Lotsendienste im Hinblick auf spezielle - auch ehrenamtliche - Hilfe und Unterstützungsangebote (z.B. Informationsdienste für Senioren, Wohnberatung, Ämter)
neutrale Informationen über die Leistungen nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI)
Infos über mögliche Leistungen und spezielle Beratungsangebote im sozialen Bereich
Infos über die örtlichen Anbieter, falls erforderlich darüber hinaus, und deren Leistungsangebote im pflegerischen, sozialen und psycho-sozialen Bereich
Einzelfallberatung über die erforderlichen ambulanten, teilstationären, vollstationären und komplementären Hilfen
Beratung und Information zur Finanzierung von notwendigen Hilfen, z. B. nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) und Unterstützung bei der Antragstellung
Koordination einer oder mehrerer Hilfen und auf Wunsch erste Kontaktaufnahme/Kontakt mit den zuständigen Anbietern
Hilfestellung/Unterstützung bei der Suche nach freien Plätzen in allen Pflegebereichen.
Doch mit welchen Fragen und Wünschen wird Tanja Meis von der Pflegeberatung besonders häufig konfrontiert? Welche Ängste haben die Menschen und kommen sie erst, wenn der Pflegefall bereits eingetreten ist? „Viele Menschen kommen wirklich erst zu uns, wenn Not am Mann ist“, erklärt Tanja Meis. „Oft sind es die Betroffenen selbst, manchmal aber auch deren Angehörige oder Nachbarn, manchmal auch Ärzte oder der Sozialdienst des Krankenhauses. Es geht dann um Fragen der Hilfe bei der Hauswirtschaft, der Freizeitgestaltung oder wie ich einen Pflegegeldantrag stelle. Manchmal müssen wir auch einen Widerspruch formulieren, wenn der Antrag bereits gestellt und abgelehnt wurde. Alle unsere Beratungen sind kostenlos.“
2011 wurde auch ein Beratungsangebot zu bestimmten Zeiten in Apotheken vor Ort entwickelt. Das Angebot gibt es heute noch, aber einen konkreten Termin nicht. „Oft haben wir das zum Beispiel in Welper mit den Zeiten des Wochenmarktes verbunden. Da gab es viele Menschen, die den Weg in die Apotheke gefunden haben. Deshalb machen wir das zu bestimmten Zeiten auch wieder“.

Beratung an der Hüttenstraße oder zuhause

In der Regel findet die Beratung aber in den Räumen in der Hüttenstraße statt oder bei den Betroffenen zuhause. Da kann man im häuslichen Umfeld gleich sehen, wo der Schuh drückt und was noch zu tun ist.
„Pflegeberatung bei der Stadt gibt es in Hattingen schon lange. In allen Städten des Kreises gibt es das Projekt seit acht Jahren. Wir beobachten eine Zunahme bei Fragen zu dementiell erkrankten Menschen und bei psychisch Kranken. Deshalb haben wir ein enges Netzwerk aufgebaut, mit dem wir arbeiten. Es heißt ,Arbeitskreis Altenhilfe‘ und dort sind beispielsweise die Pflegedienste, die Heime, die Sozialdienste der Krankenhäuser, die Wohnungsbaugenossenschaften, der Sozialpsychiatrische Dienst, die Seniorenzeithilfe, die Alzheimer-Gesellschaft, die Tagespflegeeinrichtungen und viele andere Institutionen Mitglied. Sie treffen sich alle zwei Monate und tauschen sich aus.“
Zur Zeit, so Meis, habe man auch wenig Probleme, Pflegebedürftige unterzubringen. „Allerdings ist die Zeitnähe manchmal schwierig. Und das könnte sich in Zukunft verstärken.“
Für Tanja Meis ist klar: „Die Pflegeversicherung ist keine Vollkaskoversicherung. Der Einzelne muss mehr Verantwortung für sich übernehmen und sich frühzeitig über die Möglichkeiten informieren.
Mein Traum ist es aber, dass es irgendwann normal wird, auch mit einem dementiellen Menschen in ein Restaurant zu gehen und es einfach okay ist, wenn er sich anders benimmt.“

Zuständig für die Pflegeberatung bei der Stadt:
Die Stadt Hattingen macht eine Pflegeberatung in der Hüttenstraße 43 zu folgenden Öffnungszeiten: Mo und Di 8.30 bis 12 Uhr, Do 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 15.30 Uhr. Außerdem wird eine Beratung auch zuhause durchgeführt

Für die Beratung ist eine vorherige telefonische Terminvereinbarung sinnvoll. Dabei ist die Stadt nach Stadtteilen unterteilt einzelnen Beratern zugeordnet.

Tanja Meis, 02324/204-5520, ist zuständig für die Innenstadt mit Südstadt, Rosenberg, Industriegebiet Am Beul, Heggerfeld, Altstadt, Pannhütte, Blankenstein und Welper.

Jürgen Siepermann, 02324/204-5511, ist zuständig für Niederbonsfeld, Bredenscheid, Elfringhausen, Oberstüter und Holthausen.

Sabine Werner, 02324/204-5519, ist zuständig für Rauendahl, Oberwinzerfeld und Niederwenigern.
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2 Kommentare
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Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen | 28.10.2014 | 18:59  
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Dr. Anja Pielorz aus Hattingen | 29.10.2014 | 08:14  
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