Frank Hoffmann: Ein halbes Leben als Clown unterwegs

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Clown Zimbo
 
Frank Hoffmann: Clown Zimbo ist seine Paraderolle
Hattingen: Clown Zimbo |

Er hat mal Geographie und Verkehrswesen studiert und den Autoverkehr zählen lassen. Er ist jetzt fünfzig Jahre alt und ganz genau sein halbes Leben ist er in die Rolle eines Clowns geschlüpft. Der Wahl-Hattinger Frank Hoffmann, gern gesehener Künstler auf Weihnachtsmärkten, Maifesten, Gartenschauen und mehr, gibt den Clown seit einer gefühlten halben Ewigkeit.



„Als Student habe ich in einem Verpackungsgeschäft in Bochum gearbeitet. Deren Spezialität war auch das Verpacken großer Objekte, zum Beispiel Autos. Für eine Hochzeit haben wir damals einen Mini für die Braut verpackt und dann sollte noch ein Clown die Hochzeitstorte präsentieren. Das wollte keiner machen und ich habe mich dann breitschlagen lassen. Aus einer kurzen Präsentation wurde ein über zweistündiger Auftritt mit Klavier und Gesang und das war am 12. Mai 1990. So hat alles angefangen“, erzählt Frank Hoffmann. Die ersten Ideen für das Clownsprogramm hat er sich von seiner früheren Grundschullehrerin Frau Hilling aus Herne geholt. „Ich war jung, Student. Ich hatte doch von Clowns keine Ahnung.“ Und von dem, was bei Kindern ankommt, irgendwie auch nicht. Aber er hatte so ein Gefühl im Bauch, was gehen könnte. 1997 zum Beispiel, auf der Bundesgartenschau in Gelsenkirchen. Tägliches Programm, auch und gerade bei Regen. Da hatte der Clown schon seinen Namen – Zimbo.
„Als Student war ich einige Monate in Zimbabwe und die Einwohner nennen sich ‚Zimbos‘. So entstand der Name meiner Clownfigur.“
Die kommt auch in Kliniken gut an und bei den vielen Menschen mit Behinderungen, mit denen der Künstler schon arbeitete. Und ja, der Name steht als Künstlername „Clown Zimbo Hoffini“ auch im Personalausweis und auf der Straße in Hattingen, da ist er für viele Menschen auch einfach „der Zimbo“.

Einfach nur "der Zimbo"

„Mir fällt die Figur leicht. Als Student habe ich schon vor 35 Jahren den Weihnachtsmann und den Nikolaus gegeben, habe eine Zusatzausbildung als Zirkuspädagoge absolviert und das Ganze hat auch viel mit Psychologie zu tun. Kinder muss man lieben, sonst kannst du den Job nicht machen. Es ist zwar schwieriger geworden, Kinder zu begeistern, aber ich packe das in der Regel immer. Ich schminke mich fast immer zuhause, fahre dann mit dem Auto zu Auftritten. Die letzten Handgriffe sind dann die Trillerpfeife, die rote Nase und die Mütze. Und wenn ich dann im Auto vor der roten Ampel stehe, dann spiele ich schon mit den Menschen in den anderen Autos – und sie spielen in der Regel zurück. Oder wenn ich zu Fuß unterwegs bin: Dann treffe ich eine Hochschwangere und gehe in die Knie, spreche in Richtung Bauch und sage ‚Wenn du jetzt raus kommst, dann mache ich dir ein Ballontier.‘ Meistens lacht die werdende Mutter und sagt so etwas wie ‚Aber bitte nicht jetzt.‘ Ganz selten sind die Reaktionen nicht positiv.“
„Der Zimbo“ ist sich in einem sicher: „Ich lebe in der Figur mein kindliches Gemüt aus, das ich als Erwachsener niemals zeigen könnte. Mittlerweile habe ich noch rund zwanzig andere Figuren im Repertoire, aber der Clown ist meine Basis.“
Ganz wichtig ist ihm bei einem Auftritt, niemanden zu blamieren und Kindern Scheu und Angst zu nehmen. „Die Frage ist immer, wie weit kannst du bei deinen Auftritten gehen? Im optimalen Fall suche ich schon vorher im Publikum, mit wem ich meine Späße machen kann. Kinder bestimmen oft selbst, wie nah sie mir kommen. Wenn da jemand weiter weg steht mit verschränkten Armen, den brauche ich nicht zu fragen, ob er Lust zum Mitmachen auf der Bühne hat. Manchmal hat man auch das Pech, dass Kinder einem die Nummer kaputt machen. Zum Beispiel bei der Riesenseifenblase immer den Finger reinstecken. Dann muss man in der Situation gucken, wie man den Auftritt noch retten kann. Aber das ist echt selten. Man arbeitet als Clown oft mit Spitzfindigkeiten. Ich würde nie zu einem Erwachsenen sagen ‚Du Klugscheißer‘, aber ich kann ja fragen ‚ Sag mal, bist du Sternzeichen Klugscheißer oder Lehrer?‘ und dann hat man das Publikum oft schon gewonnen. Es ist irgendwie immer ‚try and error‘, also ‚Ausprobieren‘. Aber meistens liege ich ziemlich gut.“
Der „kleine Clown von nebenan“, das sei er immer gewesen. „Ich würde aber gerne mal mit Bernhard Paul von Circus Roncalli einen Auftritt haben“, sagt er und zitiert Richard David Precht mit seinem Bestseller „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“: „Fra­gen stel­len zu kön­nen, ist eine Fä­hig­keit, die man nie verler­nen sollte. Denn Ler­nen und Ge­nie­ßen sind das Ge­heim­nis ei­nes er­füll­ten Le­bens. Ler­nen ohne Ge­nie­ßen ver­härmt, Ge­nießen ohne Ler­nen ver­blö­det“, so steht es in der Einleitung des Werkes – ein philosophisches Buch mit vielen Fragen und einer Prise Humor. Der Autor ist übrigens vom gleichen Baujahr wie Frank Hoffmann und verdrängte 2010 Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ von dem ersten Platz der Bestseller-Liste.
Frank Hoffmann fühlt sich diesen Weisheiten verbunden in seinem bunten Leben, denn Lernen gehört zu den Grundelementen seiner Figuren und es ist ein Genuss zu erleben, das Publikum in den Bann gezogen zu haben. Manchmal wird er dabei von seinem siebenjährigen Sohn begleitet. Der darf auch schon einmal assistieren.
Seine Clown-Figur hat er in all den Jahren nur wenig verändert. „Mein Publikum wächst ja laufend nach“, lacht er.
Und sein großer Traum? „Im Variete möchte ich gern mal Regiearbeit machen. Das wäre toll.“
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