Annika Steinau: Das schnellste Mädchen aus NRW

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Annika Steinau, ein sportliches Aushängeschild für Hattingen. Foto: Pielorz
 
Annika Steinau in ihrem Element - beim Rudern. Foto: privat
Hattingen: Ruhr Ufer |

Annika Steinau (17) ist hauptberuflich eigentlich Noch-Schülerin am Gymnasium in Holthausen. Eigentlich, denn mindestens genauso viel Zeit wie für die Schule wichtig ist (sie macht gerade ihr Abitur mit den Leistungskursen Sport und Mathe), verbringt die Hattingerin auf dem Wasser. Sie rudert als Mitglied in der Nationalmannschaft für den RC Witten. Vorgeschlagen ist sie unter anderem auch für den Titel „EN-Bürger-Sportlerin des Jahres“. Noch bis zum 28. Februar kann man unter www.enkreis.de auf einem Stimmzettel sein Kreuzchen machen.

Die sportliche junge Frau, die auch gerne turnt und tanzt, aber dafür kaum noch Zeit findet, liebt das nasse Element. Entdeckt wurde sie noch als Kind auf dem Kemnader See, als sie mit erstaunlicher Geschwindigkeit ein gerade ausgeliehenes Ruderboot ins Wasser ließ und der Bootsverleiher sie dazu animierte, mal bei einem Verein vorbei zu schauen. Das tat sie auch und schloss sich dem RV Blankenstein an. „Da war ich zwölf Jahre alt, als das mit dem Rudern richtig begann“, erinnert sie sich. Mittlerweile rudert sie für den Ruder-Club Witten und verbringt fast die gesamte Freizeit im Verein – hier hat sie auch ihre Freunde gefunden. Tägliches Training ist eigentlich ein Muss, auch im Winter geht es zur Ruhr! Nur wenn es sehr kalt ist, wird das Training auf dem Wasser durch Krafttraining ersetzt.

Scullen oder Riemen?

„Man muss schon viel üben, um mit einem möglichst geringen Kraftaufwand den eigenen Rhythmus im Rudern zu finden“, erklärt sie. Das ist entscheidend, will man anderen davon fahren. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Rudertechniken, das Skullen und das Riemenrudern. „Beim Skullen hat man links und rechts in jeder Hand einen Skull, die Nichtruderer sagen Paddel dazu, und beim Riemenrudern bewegen beide Hände einen Riemen auf einer Seite“, erklärt sie. Sie selbst rudert mit der Skull-Technik, die rückenschonender ist.
Ein Tagesablauf einer Ruderregatta ist nichts für Weicheier: In Krefeld bei der Ruderregatta 2016 beispielsweise hieß es um 5 Uhr morgens „Raus aus den Federn“! Da wurde nämlich vor dem Rennen trainiert auf dem Elfrather See! Der Vorlauf des Rennens startete dann um 9.40 Uhr – Annika Steinau gewann um Längen! Dann drei Stunden Pause vor dem Finale. Da lag die Hattingerin zunächst im Mittelfeld. „Aber ich habe durch den Kommentator gehört, dass ich immer weiter nach vorne gerückt bin. Das hat mich sehr motiviert und ich habe Druck und Schlagkraft erhöht, bin dann zusammen mit meiner Hauptkonkurrentin nach vorne gezogen und habe sie schließlich abgehängt. Meine Zeit lag dann bei 03:53,05 und damit war ich das schnellste Mädchen aus NRW.“ Überhaupt ist die junge Hattingerin durch und durch sportlich: so fährt sie viele Strecken mit dem Fahrrad und das bei jedem Wetter. Der Führerschein steht für die 17jährige zwar auf dem Programm, aber nicht an erster Stelle. „Eigentlich brauche ich kein Auto. Wenn es nicht mit dem Fahrrad geht, dann nutze ich Bus und Bahn.“ Zu Wettkämpfen fahre sie oft mit dem Vereinsbus oder aber die Eltern würden sie begleiten. „Ohne meine Eltern und die Trainer Jacob und Joachim („Goofy“) wäre das sowieso alles nicht möglich“, sagt die überzeugte Vegetarierin.
2016 war für die junge Ruderin insgesamt ein tolles Jahr. Beim Saisonhöhepunkt, dem Start für das deutsche Nationalteam beim Baltic Cup in Hamburg, sicherte sie sich mit ihrem Team die Goldmedaille. Über die Sprintstrecke war der Doppelvierer des Deutschen Ruderverbandes beim Vergleichswettbewerb der Ostseeanrainerstaaten nicht zu schlagen. Viele Siege und vor allem Gold und Bronze bei der Jugendmeisterschaft konnte sie 2016 erzielen. Für 2017 hat sie mehrere Ziele: „Also zunächst mein Abitur natürlich. Und dann wäre ich natürlich gern bei der Junioren-Ruder-Weltmeisterschaft in Litauen dabei.“ Die Junioren A (U19) ist im Rudersport die letzte Altersstufe im Jugendbereich und die einzige, in der Weltmeisterschaften ausgerudert werden. „Aber es werden mehr Teilnehmer mit der Rudertechnik Riemen dabei sein, weil es hier einen Achter gibt. Beim Skullen sind es nicht so viele, da muss ich sehen, ob ich eine Chance habe.“
Eine große Leistung hat sie in diesem noch jungen Jahr schon erreicht: Sie schaffte die Aufnahmeprüfung für das Sportstudium. Schwimmen, Leichatathletik, zwei Mannschaftssportarten – stundenlang wurde die junge Hattingerin in verschiedenen Disziplinen geprüft. „Ich möchte Sport auf Lehramt studieren“, sagt sie. Um Schule und Training optimal in eine Zeitstruktur zu bekommen, wird Annika auch von einer Laufbahnberaterin unterstützt. „Es ist schon ein hoher Zeitaufwand, aber mir macht es Spaß. Ich habe nie daran gedacht, aufzuhören oder weniger zu trainieren. Klar, Partys fallen für mich in der Regel aus, aber Alkohol trinke ich sowieso nicht, um meine sportlichen Leistungen nicht zu gefährden. Freunde habe ich halt über den Verein und die Wettkämpfe in ganz Deutschland.“
Ein Bürojob, nein, das wäre wohl nichts für sie. „Ich bin viel in Bewegung. Ich muss nicht unbedingt mein Hobby zu meinem Beruf machen, aber mein Beruf sollte etwas mit Sport zu tun haben. Ich habe immer Sport gemacht. Mit sechs Jahren bin ich schon achtzig Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen.“
Der Rudersport, so sagt sie, habe ihr auch ein besonderes Gefühl für die Umwelt und den Naturschutz vermittelt. „Ich mag das, allein oder mit der Gruppe in der Natur auf dem Wasser unterwegs sein. Und durch die zahlreichen Trainingseinheiten auf dem Wasser und in anderen Sportarten ist das sehr abwechslungsreich.“
Denkt sie auch einmal an Olympia? Der Männerachter gewann schließlich 2016 in Rio de Janeiro Silber. „Das ist noch sehr lange hin. Die nächsten Olympischen Sommerspiele finden ja erst 2020 statt in Tokio. Daran denke ich zurzeit nicht. Schauen wir erstmal, wie weit ich in diesem Jahr komme.“
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