DLRG; Leben retten auf dem Wasser

Anzeige
Gernot Kubiak, Vorsitzender der DLRG Hattingen-Süd (stehend) und Alexander Schilmann, Betreuer des Jugend-Einsatz-Teams (JET) auf dem gesponserten Quad auf dem Gelände der Rettungswache unterhalb der Isenburg.
Hattingen: DLRG Hattingen-Süd |

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wurde im Juni 1913 gegründet. Damals gab es einen tragischen Hintergrund, denn ein Jahr zuvor stürzten bei dem Bruch der Anlegestelle am Brückenkopf der Seebrücke in Binz 100 Menschen ins Wasser, 17 von ihnen ertranken. Heute gibt es überall im Land an Gewässern den DLRG. In Hattingen wacht zwischen den Wehren Hattingen und Dahlhausen unterhalb der Isenburg von Mai bis September der DLRG Hattingen-Süd.

Der Verein wurde 1970 gegründet und hat heute 280 Mitglieder, darunter siebzig Aktive. Die haben im letzten Jahr ehrenamtlich 8500 Wachstunden geschoben. Drei Boote und drei Fahrzeuge sind im Einsatz. Ein gesponsertes Quad für die engen Wege am Leinpfad gibt es auch.
Der Verein bindet Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren in ein Jugend-Einsatz-Team (JET) ein. Hier kann man Funken lernen, verschiedene Knoten, den Umgang auf dem Boot. Alexander Schilmann (23), Maschinenbau-Student an der Ruhr-Universität Bochum, ist der Betreuer des Teams. „ich bin seit 2004 bei der DLRG. Damals kam ich aus Interesse an der Technik und bin aus einem Schwimmverein hierher gewechselt. Ich war schon bei vielen Lebendrettungen, aber auch bei einer Bergung dabei. Für mich ist das zum einen eine sinnvolle Freizeitgestaltung, aber auch ein Ehrenamt mit Verantwortung“, sagt er. Außerdem habe man eine tolle Gruppe und erlebe ein besonderes Gemeinschaftsgefühl.
Das sieht auch Vorsitzender Gernot Kubiak so. „Bis 16 Jahre sind die Jugendlichen im JET, sie können dann eine Ausbildung zum Fachrettungsdienst machen und sind dann bei Einsätzen auf dem Wasser tätig. Kommt es zu Einsätzen im Rahmen der öffentlichen Gefahrenabwehr muss man aber 18 Jahre alt sein.“ Die DLRG unterstützt auch oft die örtliche Feuerwehr.
In diesem Jahr gab es bereits 15 Einsätze auf der Ruhr. „Gerade der Isenburger Schwall oder die Welle sowie das Hattinger Wehr, an dem die Kanu-Touren starten, sind Brennpunkte. Grundsätzlich ist die Strömung der Ruhr sowieso nicht zu unterschätzen. Bei unseren Lebendrettungen haben wir es dann oft mit Leichtsinn oder falscher Einschätzung der Situation, beispielsweise aufgrund von Alkohol, zu tun“, berichtet Kubiak. Bei den Einsätzen ist immer zuerst eine Person im Wasser. „Das Boot kommt danach, denn es geht um den Zeitfaktor. Ich erinnere mich an einen Einsatz, wo wir eine Person ins Boot ziehen wollten, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte. Der Mann hatte aufgrund einer früheren Verletzung eine Schraube in der Schulter und befürchtete bei dem Rettungsmanöver weitere Schäden. Den haben wir dann mittels einer Wurfleine an Land gezogen.“
Auch bei einer Bergung war Kubiak schon dabei. „Das ist nun nicht so schön. Die Polizei ist meistens vor Ort und wir können die Bergung mit einem größeren Zeitfenster vorbereiten.“ Die Regel seien aber im Sommer Rettungen von ins Wasser gefallenen Menschen.
Was Kubiak in diesem Zusammenhang bedauert, ist die Abnahme der Schwimmfähigkeit der Menschen. „Vor allem Menschen aus einem anderen Kulturkreis haben hier Defizite. Da muss man unbedingt sehen, dass sich das verbessert.“

Lebensretter DLRG

Ganz wichtig ist für den DLRG der Pegelstand der Ruhr. „Unter einem Meter und oberhalb von 3,60 Metern können wir mit dem Boot nicht mehr viel ausrichten. Jetzt haben wir leichtes Hochwasser, so zwei Meter. Wir müssen uns immer genau über den Pegelstand informieren, vor allem vor Einsätzen.“
Trainiert wird regelmäßig. Zur Zeit im Hallenbad Holthausen, aber auch vor Ort in der Ruhr. Sportlichkeit und selbstverständlich eine prima Schwimmfähigkeit sind Voraussetzungen. Möglichkeiten des Einsatzes gibt es viele – Rettungswachdienst, Sanitätsaubildung, Einsatztaucher und Strömungsretter. Da gehören sie übrigens zu den drei Schwerpunkten des Landes. Immer häufiger kommt es durch Dauerregen oder kurze heftige Gewitter zu Überschwemmungen. Ein gerade noch ruhiger Fluss wälzt sich dann als metertiefe Wassermassen durch Ortschaften und bringt Menschen und Tiere in Gefahr.
Dies zeigte sich nun auch schon in den letzten Jahren hier an der Ruhr in Hattingen.
Diese Erfahrung zeigt, wie groß der Bedarf an gut ausgebildeten Helfern ist, die bei Hochwasser in stark strömende Gewässer professionell Hilfe leisten können. Seit 2005 bildet die DLRG in einem dreistufigen Ausbildungsprogramm Helfer zum DLRG Strömungsretter (SR1 - SR 3) aus. Der Strömungsretter ist angelehnt an den amerikanischen Swiftwater Rescue Technian, einem für stark strömende Gewässer spezialisierten Wasserretter. Die Ausbildung umfasst theoretische sowie praktische Teile, die die speziellen Techniken von Rettungs- und Bergungseinsätzen in schnell fließenden Gewässern nahe bringen soll. Knotenkunde, Abseilen oder der Umgang mit Flaschen- und Greifzug gehörten ebenso zum Programm wie Schwimmen, Festhalten und Retten im Wildbach.
Doch nicht nur die Einsätze selbst und die damit verbundene Verantwortung sind wichtig. Auch das Gemeinschaftsgefühl lockt zum DLRG. Gemeinsam verbringen die Jugendlichen ihre Freizeit an der Wache, haben die Möglichkeit zum Grillen und Quatschen. Infos gibt es auch unter www.hattingen-sued.dlrg.de.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.