Viele Interessenten beim ersten Treffen zum Bürgerhaus in Hattingen

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Noch enger als auf diesem Foto wurde es im Laufe des Montagabends im Großen Sitzungssaal des Hattinger Rathauses. Über 60 Vertreter von Hattinger Gruppen, Vereinen und Verbänden waren gekommen, um sich von der Verwaltung über das "Zentrum für Bürgerschaftliches Engagement" (ZBE) informieren zu lassen. Foto: Römer
 
Nach der knapp anderthalbstündigen Veranstaltung wurde fleißig untereinander weiter diskutiert, aber auch mit Andreas Gehrke (vorne), Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch (dahinter) und Rudolf Viefhaus (rechts hinten). Foto: Römer
 
Zentrum für Bürgerschaftliches Engagement (ZBE): Ansicht Talstraße; rechts der geplante Anbau für den Behindertenaufzug Grafik: Stadt Hattingen
Hattingen: Bürgerhaus |

Nicht nur die Erwartung von Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch, sondern auch die der anderen Anwesenden wurden übertroffen, als die Stadtverwaltung am frühen Montagabend in den Großen Sitzungssaal des Rathauses geladen hatte, um das vorläufige Konzept des Zentrums für Bürgerschaftliches Engagement (ZBE) zu erläutern.

Gut 60 Interessierte versuchten zunächst einen der noch zusätzlich herbei geschafften Stühle zu ergattern. Der Ansturm der interessierten Hattinger war – wie erwähnt – unerwartet riesig. Diesmal war im Gegensatz zu vielen anderen städtischen Veranstaltungen der Anteil an „echten“ Interessenten um ein Vielfaches höher als der beispielsweise aus Politik und Verwaltung.
In einer kleinen Einführung stellte die Bürgermeisterin noch einmal den Weg bis zu diesem Abend dar. Sie erinnerte an jahrzehntelange Diskussionen in Hattingen über ein Bürgerhaus, die jetzt durch „ein wunderschönes Haus an prominenter Stelle mit einem Park nebenan“ ein Ende gefunden hätten: „In Hattingen gibt es so viele Menschen, die sich mit Engagement im Ehrenamt einsetzen. Die haben es einfach verdient, dass die Bedingungen dafür gut sind.“
Die Politik trage das Konzept mit, sagte sie, und Dagmar Goch erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass vor allem Frank Staacken – der Vorsitzende vom Sozial- und Gesundheitsausschuss – die Idee eines Bürgerhauses immer wieder an die Verwaltung herangetragen hat.
Damit sich alle buchstäblich ein Bild des Gebäudes, der ehemaligen Holschentorschule, die bis zum Umzug der Förderschule St. Georg an die Lessingstraße von dieser als zweites Gebäude mit genutzt wurde, machen konnten, hatte Rudolf Viefhaus eine Bild-Präsentation vorbereitet. Anhand von Fotos, Plänen und Entwürfen erläuterte der Fachbereichsleiter Gebäudewirtschaft den sehr guten Zustand des rund 120 Jahre alten Gebäudes und die geplanten Umbaumaßnahmen für den neuen Verwendungszweck als „Bürgerhaus“.

Neuer Aufzug, neue Feuertreppe

Es wird barrierefrei werden, der Vordereingang mit einer Rampe für Rollstühle versehen. An der Gebäudeseite zur Schulstraße hin wird ein Fahrstuhl bis ins Dachgeschoss angebaut sowie eine neue Feuertreppe als zweiter Rettungsweg. Durch den Aufzug sind im ZBE einige bauliche Veränderungen nötig. Es müssen auf den drei Etagen neue (Rettungs-)Wege geschaffen und Wände teilweise versetzt werden. Als Auflage der Feuerwehr muss es eine neue Brandmeldeanlage geben. Der ehemalige Schulhof wird entsiegelt und seine Drahtzäune werden verschwinden, damit es am Hinterausgang eine direkte Verbindung zum Hillschen Garten gibt.
Im Erdgeschoss befindet sich bereits eine auch für Behinderte geeignete Toilettenanlage, die einzige im gesamten Gebäude. Die Schulküche soll als Bürgercafé weiter bestehen, ein ehrenamtlicher Betreiber habe sich möglicherweise bereits gefunden, so die Stadt. Auch ein Veranstaltungs-/Mehrzweckraum sei hier vorhanden. Nutzbare Räume sind pro Etage vier vorhanden, die möglicherweise noch angepasst werden können, um weiteren Bedarf decken zu können.
Das Dachgeschoss wurde erst in den 80er Jahren umgebaut, daher würden hier nur geringe Anpassungen vonnöten sein. Das Dach selbst ist bereits erneuert worden, die Heizungsanlage ebenfalls. Jetzt werden noch die Elektrik auf Vordermann gebracht und die Decken abgehängt. Mit all diesen Arbeiten wird in diesem Monat noch begonnen. Im September soll das Gebäude komplett fertig sein.
Wie der STADTSPIEGEL bereits berichtete, wurden im Rahmen des Projektes Stadtumbau Historische Innenstadt Hattingen im vergangenen Jahr unter anderem für die Umbaumaßnahmen des Holschentorgebäudes 220.000 Euro beantragt. Bewilligt wurden durch die Bezirksregierung Arnsberg am Ende sogar 100.000 Euro mehr.

Mitgestalten ausdrücklich erwünscht und erhofft

Man solle sich jedoch nicht täuschen lassen, merkte Andreas Gehrke von der Freiwilligenagentur an: „Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass an der einen oder anderen Stelle gemeinsam Hand angelegt werden muss. Das ZBE lebt nicht zuletzt vom Mitgestaltungswillen aller Beteiligten.“
Der Einsatz der Ehrenamtlichen schlägt sich auch in der Finanzierung des ZBE nieder. Die Stadt Hattingen muss, um gefördert zu werden, normalerweise einen Eigenanteil von 20 Prozent der Förderungssumme erbringen. Durch die sogenannten „Muskelhypotheken“ der Freiwilligen ließe sich der Eigenanteil auf bis zu zehn Prozent senken: „Ich freue mich, dass ich dazu bereits Zusagen zur Unterstützung durch Gruppen und Vereine bekommen habe.“
Um das „Zusammenleben“ der künftigen und wohl auch teilweise sehr unterschiedlichen Nutzer des ZBE zu regeln, legte Andreas Gehrke ein vorläufiges Konzept vor: „Das allerdings kommt spätestens in anderthalb bis zwei Jahren zur Nachjustierung auf den Prüfstand“, versprach er.
Hier einige wichtige Eckpunkte aus dem Papier, das über Andreas Gehrke in der Freiwilligenagentur (im Haus der Jugend, Bahnhofstraße 31b, Tel.: 393991, E-Mail: freiwillig@hattingen.de) zu bekommen ist. Hierhin können Gruppen und Vereine, die Räume nutzen möchten, auch ihre Anfragen richten.
Am 9. Mai 2015 soll in einer (ab dann jährlichen) Vollversammlung ein fünfköpfiger „Nutzerrat“ (tagt vierteljährlich) gewählt werden. Er und die Freiwilligenagentur beraten über Anträge auf Raumnutzungen, Kritik und Anregungen aus den Nutzergruppen und mögliche Unstimmigkeiten.

Nutzungsanträge in der Freiwilligenagentur

Jede Gruppe, auch wenn sie so etwas wie einem Dachverband angeschlossen ist, muss ihre Raumanfrage selbst stellen.
Es soll keine abgeschotteten Räumlichkeiten geben, alles transparent sein. Ausnahmen: Selbsthilfegruppen.
Büronutzungen für gemeinnützige Organisationen im Dachgeschoss: Diese Räume müssen grundsätzlich auch mit anderen geteilt werden, W-LAN und Telefonanschlüsse werden vorhanden sein. Gruppentreffen sollen interessierten Bürgern offenstehen, daher werden alle Termine öffentlich gemacht. Die Nutzung der Räume ist grundsätzlich kostenfrei. Privatfeiern sind untersagt. Gruppen, die sich wöchentlich treffen erhalten Schlüsselgewalt.
Ehe gerne die Möglichkeit angenommen wurde, die Räumlichkeiten in der Holschentorschule geführt selbst in Augenschein zu nehmen, fasste Bürgermeisterin Dagmar Goch zusammen: „Es wird sicherlich nicht ganz einfach werden, alle unter einen Hut zu bringen, aber packen wir’s an!“
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