„Bücher aus dem Feuer“ in der Abtsküche - Ausstellung und Vortrag im Museum Abtsküche erinnert an dunkle Stunde

Anzeige
Beim Niederholen und Hissen der Fahnen am Rathaus, das damals die Volksbibliothek beheimatete. Foto: Stadtarchiv
Heiligenhaus: Abtsküche | Das Ende der freien Meinungsbildung im nationalsozialistischen Deutschland ist gekennzeichnet durch die Bücherverbrennungen im Jahr 1933. Teil dieser Aktion waren außerdem „Schwarze Listen“ für die „Säuberung“ öffentlicher und privater Bibliotheken von „zersetzendem Schrifttum“. Anlässlich des Jahrestages erinnert von Sonntag, 9. Juni, bis Sonntag, 28. Juli, eine Ausstellung im Museum Abtsküche, Abtskücherstraße 37, an diese dunkle Stunde der deutschen Geschichte.

Auch Heiligenhaus war, wie alle anderen Kreisstädte, von diesen „Säuberungsaktionen“ betroffen. „Zwar fanden hier keine direkten Bücherverbrennungen statt, doch auch die damalige Volksbücherei Heiligenhaus war von den ,Räumungsarbeiten‘ nach Vorstellungen der nationalsozialistischen Ideologie betroffen“, so Reinhard Schneider, Kurator des Museums Abtsküche. Rund zehn Prozent des damaligen Büchereibestandes wurden vernichtet, so der Verwaltungsbericht der Gemeinde Heiligenhaus für die Jahre 1933 und 1934. Der Bericht wurde durch den damaligen Bürgermeister Heinrich Rasche im Frühjahr 1935 vorgelegt. Darin heißt es: „Im Benehmen mit der Ortsgruppenleitung der NSDAP wurde das Amt des Büchereileiters dem an der Mittelschule tätigen Studienassessor Dr. Lippert übertragen.“

Mit der Säuberung der Bücherei von marxistisch-liberalistischen Werken ging die Beschaffung nationalsozialistischer Bücher Hand in Hand. „In den vergangenen beiden Jahren wurden 230 Bände beschafft, die dem Willen des heutigen Staates gerecht werden“, so der Verwaltungsbericht.
Bei den neuen Büchern handelte es sich hauptsächlich um sogenannte Blut- und Bodenliteratur: Völkische, politische und bürgerliche Romane im Sinne der Nationalsozialisten. 130 Bücher, die damals auf der „schwarzen Liste“ standen, hat Kurator Schneider aus Antiquariaten zusammengetragen. Präsentiert werden sie gemeinsam mit Biografien und Zeit-Dokumentationen in zahlreichen Vitrinen.
Ein Vortrag von Hajo Jahn über die Folgen der Bücherverbrennungen rundet die Ausstellung ab.

Vortrag:
- Vortrag: „Fahrenheit 4“
- Dienstag, 11. Juni, 19 Uhr
- Vortrag von Hajo Jahn: Der pensionierte WDR-Journalist ist Gründer und Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft Wuppertal und ihrer Stiftung Verbrannte und verbannte Dichter/Künstler – für ein Zentrum der Verfolgten Künste, das im Kunstmuseum Solingen angesiedelt ist.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.