„Geschichte ist überall“

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Vor den alten Gedenktafeln dankte Bürgermeister Dr. Jan Heinisch den Schüler für deren Sammlung zugunsten der Kriegsgräberfürsorge. Lena Becker, Julia Laufmann, Anne-Marie Remberg, Lara Hesse, Dorssaf Buozommita, Mircan Üstebay, Fatma Aras, Moritz Roesler, Musar Serdar Akbulut, Max Rockstroh und Jan-Niklas Stanchly waren besonders fleißig. (Foto: Ulrich Bangert)
Heiligenhaus: Rathaus | „Alle, die hier sitzen, haben keinen Krieg erlebt, deshalb ist das Thema Kriegsgräberfürsorge sehr abstrakt“, so Dr. Jan Heinisch.

Der Bürgermeister der Stadt Heiligenhaus empfing im Rathaus jene Schüler der weiterführenden Schulen, die bei der alljährlichen Haus- und Straßensammlung besonders erfolgreich waren.
Die Spuren des Krieges sind immer noch vorhanden: Im dem Sitzungsaal, in dem die Veranstaltung stattfand, stehen vorübergehend zwei Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Tafeln wurden bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden der Alten Kirche entdeckt. „Das sind rund 150 evangelische Christen gewesen, bei den Katholiken wird die Zahl ähnlich gewesen sein. Es waren relativ junge Männer. Stellt euch vor, eure halbe Schülergemeinschaft wäre einfach weg. Das ist für uns alles weit weg, aber damit das doch irgendwie präsent bleibt, werden die Gräber in Frankreich und auch anderswo gepflegt.“
Der Bürgermeister weist darauf hin, dass in Heiligenhaus keine großen Kampfhandlungen stattgefunden haben, aber Zwangsarbeiter seien zu Tode gekommen. „Geschichte ist überall“, stellt er fest und spricht vom Hürtgenwald bei Aachen, in dem fast jedes Jahr noch Leichen von Soldaten gefunden werden.
Die Schüler redeten über ihre Erfahrungen bei den Sammlungen. „Die sagten, wir haben nichts“, so Dorssaf von der Realschule. „Manche Leute waren nett“, erinnert sich Schulkamerad Moritz. Jan-Niklas und Max von der Gesamtschule wurden gar zu Getränken und Keksen eingeladen. Und nachdem Julia vom Gymnasium ihr Anliegen vorgetragen hatte, wurde die Haustüre mit folgenden Worten zugeschlagen: „Was soll das, die sind doch schon lange tot.“
Menschen, die direkt vom Krieg betroffen waren, reagierten ganz anders, wie Realschülerin Dorssaf feststellte: „Meine Nachbarin ist 92 Jahre alt und hat ihren Mann im Krieg verloren, sie hat am meisten gespendet.“
Bürgermeister Dr. Heinisch bedankte sich bei allen Schülern für deren Einsatz, der knapp 2.000 Euro für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge einbrachte, insgesamt konnten 3336,65 Euro überwiesen werden. „Die Tatsache, dass in Heiligenhaus Schüler sammeln, ist eine Besonderheit, die vom Volksbund besonders gelobt wird“, ergänzt der Bürgermeister.
Die Durchführung der Sammlung für den VDK lag in den vergangenen Jahren bei Rosemarie Merket, die jetzt aber im Ruhestand ist. Daher wird Andrea Davies künftig die Geschäftsführung des Volksbundes vor Ort übernehmen.
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