Heiligenhauserin fordert: Die Raserei muss ein Ende haben!

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Ruth Krohm verunglückte direkt vor ihrer Haustür an der Velberter Straße in Heiligenhaus, daran wird sie jeden Tag erinnert, wenn sie aus dem Fenster guckt.
 
Ruth Krohm verunglückte direkt vor ihrer Haustür an der Velberter Straße in Heiligenhaus, daran wird sie jeden Tag erinnert, wenn sie aus dem Fenster guckt.
Heiligenhaus: Velberter Straße | Wenn Ruth Krohm aus ihrem Fenster im Wohnzimmer schaut, dann läuft ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Die 80-Jährige wohnt an der viel befahrenen Velberter Straße in Heiligenhaus. Unmittelbar vor ihrer Haustür wurde sie am 1. Juli 2015 von einem Kleinlastwagen erfasst, bis heute hat sie sich von dem Unfall nicht erholt. Besonders schlimm für sie: Der Fahrer wurde freigesprochen. "Ich fühle mich so dargestellt, als sei es meine eigene Schuld, dass ich von seinem Fahrzeug erfasst und schwer verletzt worden bin."

Doch was war passiert? "Ich selber kann mich nicht mehr an viel erinnern", so die Heiligenhauserin. "Ich wollte einkaufen und musste wie immer über die zweispurige Einbahnstraße, um die Bushaltestelle zu erreichen." Den anderen Bürgersteig hatte sie schon erreicht, ihren Marktroller zog sie hinter sich her. "Ich bin mir sicher, dass der Fahrer diesen erfasste und ich mitgerissen wurde."
Der Fahrer des Kleinlastwagens selber gab an, er haben Ruth Krohm wegen der tief stehenden Sonne und der Schatten auf der Straße nicht gesehen. So zumindest steht es im Polizeibericht. Zu schnell gefahren sei er nicht. "Das kann ich einfach nicht glauben. Ich kenne die Straße genau, habe sie 40 Jahre lang immer vorsichtig und gewissenhaft überquert", sagt das Unfallopfer. "Es ist auch nicht so, dass ich schlechte Ohren habe und ihn deswegen nicht habe anfahren hören." Ein Zeuge habe ebenfalls bestätigt, dass der Fahrer zu schnell war.

Mit Hubschrauber ins Krankenhaus - drei Monate nicht Zuhause

Mit einem Hubschrauber musste Ruth Krohm damals in ein Krankenhaus in Duisburg gebracht werden. Das Schienbein war dreifach gebrochen, der Arm war dreifach gebrochen, außerdem hatte sie Brüche im Fuß und eine schwere Kopfverletzung - über drei Monate wurde die 80-Jährige behandelt und musste zur Reha. "Nur an meinem linken Bein wurde ich allein zehn mal operiert." Bis jetzt, über eineinhalb Jahre nach dem Unfall, dauern die Behandlungen und Therapien an, langsam stellen sich die Erfolge ein. "Ich will wieder laufen können - das ist mein Ziel!" Bis vor dem Unfall sei sie fit gewesen, habe zehn Jahre ihren an Parkinson erkrankten Ehemann gepflegt und mit ihrem Sohn sogar noch Arbeiten am Haus und im Garten vorgenommen. "Nur schwer kann ich mich damit abfinden, nun auf mehr Hilfe angewiesen zu sein, vor allem wegen der Umstände, die dazu geführt haben."

Was passiert ist, ist passiert - leider lässt sich der Unfall nicht rückgängig machen. Abschließen kann die Heiligenhauserin mit dem Geschehen aber dennoch nicht. Und das nicht nur, weil sie nach wie vor in ärztlicher Behandlung ist, an Krücken läuft und unter Schmerzen leidet, sondern vor allem auch, weil vor ihren Augen immer wieder Temposünder und Fußgänger Gefahr laufen, ebenfalls zu verunfallen. "Tagtäglich sehe ich, wie viel zu schnell gefahren wird und wie Kinder sowie Erwachsene in Eile die Straße überqueren müssen."

Hilfe und Unterstützung durch die vier Kinder

Die vierfache Mutter hat das Glück, mit ihrem 45-jährigen Sohn in einem Haus zu wohnen. "Und auch meine drei Töchter helfen mir, wo sie nur können!" Dennoch versucht sie, möglichst vieles eigenständig zu erledigen. "Nur eines traue ich mich nicht mehr", so Ruth Krohm. "Ich überquere nicht die Velberter Straße!". Das bedeutet, dass sie mit dem Taxi fahren muss, wenn sie in die Heiligenhauser Innenstadt möchte, denn die Bushaltestelle ist auf der anderen Straßenseite. "Das nehme ich zu meiner eigenen Sicherheit aber gerne in Kauf. Der eine Unfall war schließlich schon einer zuviel." Zurück könne sie mit dem Bus fahren, das sei kein Problem, dann würde sie schließlich auf der richtigen Straßenseite aussteigen und nach Hause gehen können.

Raserei muss ein Ende haben

Es muss dringend etwas passieren, damit die Raserei ein Ende hat, ist die 80-Jährige überzeugt. Die Grundschulkinder und sowieso alle Hetterscheidter Bürger müssen die Velberter Straße überqueren. "Der fest installierte Blitzer sowie auch die regelmäßigen Geschwindigkeitsüberprüfungen der Polizei sind nicht abschreckend genug", so Krohm. "Stellen Sie sich doch ein paar Minuten an die Straße, nur sehr selten hält sich jemand an die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer." Eher 80, wenn nicht sogar 100 haben die meisten wohl auf dem Tacho stehen, wenn sie die Velberter Straße entlang brettern. "Meine Tochter hat auch den Bürgermeister auf das Problem angesprochen. Er meinte, er sieht das ähnlich und dass spätestens mit Fertigstellung des Teilstückes der A44 eine Maßnahme dringend nötig ist." Das sieht Ruth Krohm anders: "Es muss sofort gehandelt werden!"
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