Wachdienst im Ostseebad Boltenhagen

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Am 5 km langen Strand vom Ostseebad Boltenhagen gab es viel für die Sicherheit der Badegäste zu tun. Dafür sorgten 26 Rettungsschwimmer, die über den ganzen Strand auf 7 Türmen im Einsatz waren.
 
Ein kleines Dankeschön für die Sponsoren der Theaterkarten – ein Schokokuchen in der maritimen Form einer Hansekogge.
Seit vielen Jahren ist es nun schon Tradition bei der DLRG Heiligenhaus, daß Wachgänger zum Küstenrettungsdienst an die Ostseeküste fahren. Anfänglich fuhren ehemalige und auch noch aktive DLRG’ler nach Timmerdorfer Strand in Schleswig-Holstein, nach Wustrow und seit über 25 Jahren nach Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern. Nun ist ein weiteres Ostseebad dazu gekommen, wohin sich im Juli 2016 zwei Rettungsschwimmer aus Heiligenhaus auf den Weg machten.

Alexander Strötges und Iris S. Kriese, beide sechzehn Jahre alt, machten sich zum Ferienbeginn auf in das schöne Ostseebad Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern, um dort ihre Wacherfahrung an der Küste zu machen. Boltenhagen liegt direkt an der Ostseeküste der Boltenhagenbucht als Teil der Mecklenburger Bucht und ist das drittälteste Ostseebad Deutschlands. Das Seeheilbad bietet Wellness-, Sport- und Kurangebote ebenso wie eine Vielzahl an Kulturveranstaltungen.
Zwei Wochen lang überwachten sie von zehn bis achtzehn Uhr das fünf Kilometer lange Küstengebiet mit insgesamt 24 Strandaufgängen und 7 Wachtürmen. Gemeinsam mit 24 anderen Rettungsschwimmern wurden von acht verschiedenen Türmen aus das Treiben im Wasser beobachtet, Kinder gesucht und kleine Erste-Hilfe-Fälle behandelt. Die wackere Schar der Wasserretter kam aus NRW, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen. Bei Bedarf wird die Wachmannschaft mit Rettungsschwimmern aus Boltenhagen ergänzt, die vor allem in der Vorsaison Wache machen (müssen), da dann noch nicht ausreichend Rettungsschwimmer aus dem Binnenland im Einsatz sind.

Hinter dem langen Strand und einem kleinen Naturschutzgebiet im Osten fügt sich noch der Yachthafen von Boltenhagen an. Hier in der Marina liegen die Einsatzboote der Wasserretter, ein 70 PS Schlauchboot und ein ca. 100 PS starkes Sportboot der DLRG Boltenhagen, das allerdings nur bei Bedarf mit eingesetzt wird. Das Schlauchboot liegt tags vor der Hauptwache und ist zum Einsatz bereit.

Für Aufregung sorgte schon am zweiten Wachttag der Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kurpark Boltenhagen und ein Interview mit einer Landtagsabgeordneten von Mecklenburg-Vorpommern auf der DLRG-Hauptwache. Letzteres hatte den Grund, dass man der DLRG für ihren ehrenamtlichen Einsatz an den Stränden danken wollte. So wurden der Wachmannschaft von Boltenhagen 110 Freikarten für das berühmte Piraten-Open-Air-Theaterstück im Nachbarstädtchen Grevesmühlen geschenkt. Diese wurden natürlich schon in der darauffolgenden Woche nach dem Wachdienst eingelöst, und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen.

Andere Aktionen im Abendbereich der Rettungsschwimmer unter der Führung von Wachleiter Sven Schmitz (35) aus Krefeld, waren unter anderem ein Besuch bei der Feuerwehr, wo man gleich auch mal besprochen hat, wie eine Zusammenarbeit zwischen der DLRG und den Rettungsdiensten am besten funktionieren könnte; zwei Volleyball-Turniere, die zeigten, dass die Beteiligten besser weiterhin in ihrer Freizeit zum Schwimmen gehen sollten, und an jedem Freitagabend die berühmt-berüchtigte Ostsee-Taufe.

Dieses „peinliche“ Erlebnis, bei dem die neuen Rettungsschwimmer, nachdem sie mit den unappetitlichsten Speisen von den erfahreneren Rettungsschwimmern gefüttert worden waren und peinliche Aufgaben vor den Augen sämtlicher Dorfbewohner und Touristen absolviert hatten, einen neuen Namen erhalten, der möglichst viele negative Eigenschaften der Person zusammenfasst, dient dazu Spenden für die Ausrüstung der DLRG-Wachmannschaften einzutreiben. Für die Zuschauer und die Veranstalter mag diese etwas andere Taufe ganz witzig sein, doch viele Täuflinge würden an dieser Stelle vehement den Kopf schütteln und sich auf die Schulter klopfen, weil sie dieses Ritual nun hinter sich gebracht haben. Und dies noch zu den Taufnamen: unsere Rettungsschwimmerneulinge sind mit Namen wie Kurzhaar-Kampffisch oder blauer schlafwandelnder Riesenlippfisch bedacht worden. Da kann man nur sagen: danke Neptun.

Ansonsten gab es mehrere Fahrradtouren in die umliegenden Städte, eine Schnitzeljagd durch das malerische Boltenhagen, eine unterhaltsame Putzaktion in der Unterkunft, die doch ein wenig mehr Zeit in Anspruch genommen hat als erwartet, Kuchenbacken für die Sponsoren der Theater-Freikarten und einen Filmabend, an dem die Bilder und Videos der aufgenommen Rettungsübungen, die an jedem Morgen noch vor dem Wachbeginn Pflicht waren, gezeigt wurden. Sonntags wurde diese Übungen mit verschieden Rettungsgeräten durch das sogenannte Bojenschwimmen ersetzt, bei dem alle Mitglieder der Wachmannschaft gute 500m schwimmen im Wasser und 200m Laufweg am Sandstrand in zwölfMinuten hinter sich bringen durften/mußten.
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Der Wachdienst selbst blieb glücklicherweise recht ereignislos. Das ein oder andere Kind meinte zwar ein wenig entfernt von seiner Familie spazieren gehen zu müssen, ein paar Badegäste machten eher unerfreuliche Begegnungen mit den örtlichen Quallen und die Touristen hatten häufig Schwierigkeiten damit einen Wachturm von einem Informations- oder Kaffeestand auseinanderzuhalten, doch einen wirklichen Notfall gab es in den zwei Wochen nicht. Dafür durfte ein paar Mal die rote Flagge aufgrund von Unwettern gehisst werden und das Verteilen der Funkgeräte auf die Wachtürme war auch ein ständiges Abenteuer mit zahlreichen Missgeschicken.

Die beiden Heiligenhauser Rettungsschwimmer sind wohlbehalten Zuhause angekommen und erholten sich von den zwei Wochen Wachdienst, bei denen der Schlaf ein wenig zu kurz gekommen ist. Aber dieses Opfer würden alle Beteiligten jederzeit wieder bringen, denn gelohnt hat sich der Aufenthalt in der 2500 Seelen-Stadt Boltenhagen allemal.
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