Hemeraner Anästhesiehelfer ehrenamtlich auf Madagaskar tätig

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Teilweise unter abenteuerlichen Bedingungen wurden die Operationen auf Madagaskar durchgeführt. (Foto: privat)
 
Mitgebrachte Stofftiere spendeten Trost nach der OP. (Foto: privat)
Hemer: Paracelsus-Klinik Hemer |

„Wir haben unter abenteuerlichen Bedingungen operiert. Mit der Stirnlampe auf dem Kopf, wenn der Strom ausgefallen war und mit einem Narkose-Gerät, dessen Funktionen eingeschränkt waren oder nur mit einem Beatmungsbeutel, weil gar kein Gerät vorhanden war.“ Michael Haacke erzählt nicht von einem Kriegsgebiet, sondern von Madagaskar. Normalerweise arbeitet er als leitender Anästhesiepfleger im professionell ausgestatteten Operationssaal der Paracelsus-Klinik Hemer.

Für die Organisation ProInterplast reiste er nach Madagaskar, um dort Operationen vor allem an Kindern zu begleiten. Als ihn ein befreundeter Anästhesist fragte, ob er nicht für zwei Wochen mit auf die viertgrößte Insel der Welt kommen wollte, um dort bei Narkosen zu assistieren, zögerte Michael Haacke nicht lange. Die Paracelsus-Klinik stellte ihn für diese Zeit frei und bepackt mit vielen Kisten voller Medikamente und Anästhesiezubehör flog er Ende Februar nach Afrika.

Abenteuerliche Operationsbedingungen


Die Organisation InterPlast hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ärmsten der Welt kostenlos zu operieren, seit Jahren ist sie auch in Madagaskar aktiv. Sie stellt Flüge, Medikamente und medizinische Hilfsmittel. Ärzte und Pfleger arbeiten ehrenamtlich. Schon am Flughafen in Paris lernte sich das 'Frühjahrs-Team' kennen: neben Michael Haacke und zwei Anästhesisten, ein plastischer Chirurg und ein Kinderchirurg, sowie eine Assistenzärztin und eine Arzthelferin. Nachts landeten sie in der madegassischen Hauptstadt Antananarivo. Nach einem kurzen Aufenthalt im Hotel ging es am Morgen direkt ins Krankenhaus. Dort warteten ein OP-Raum mit zwei Tischen und viele Patienten, vor allem Kinder. Die Kinder leiden an Verbrennungen, weil sie zuhause in die offenen Feuer gefallen sind oder an Leistenbrüchen, die unbehandelt zu Darmverschlüssen und letztlich zum Tod führen können. Die Kunst der plastischen Chirurgen ist hauptsächlich bei Säuglingen mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gefordert. Davon sind auf Madagaskar viele Kinder betroffen. Die Spalte in Lippe und Kiefer entsteht im Mutterleib z.B. durch einen Mangel an Folsäure, mit der Folge, dass die Babies nicht saugen können und unterernährt sind. Eine Hebamme hatte die Patienten vorher gesichtet und brachte sie ins Krankenhaus zu den deutschen Medizinern. Die mussten unter erschwerten Bedingungen arbeiten. „Von den zwei Operationstischen hatte nur einer ein Narkosegerät und auch das war nicht voll einsatzfähig,“ erzählt Michael Haacke. „Wir haben uns beholfen und das ganze Wochenende hindurch operiert. Die Operationssäle musste die Organisation vom Krankenhaus anmieten und dann noch einmal für jede Vollnarkose bezahlen, obwohl wir die Narkosemittel selbst mitgebracht hatten.“ Im Gepäck waren auch Stofftiere, als Trost für die Kinder nach der OP. Madagaskar ist kinderreich, der Altersdurchschnitt der Bevölkerung liegt bei 18 Jahren. Viele müssen sich ohne Familie durchschlagen, allein in der Hauptstadt leben 20.000 obdachlose Kinder.

Verbrennungen durch Teufelsaustreibung


Während in Antananarivo noch eine Hebamme als Vermittler zwischen Ärzten und Patienten diente, musste das Medizinerteam auf ihrer zweiten Station auf eine solche Hilfe verzichten. In Manambaro im bitterarmen Süden der Insel warteten die Patienten in einer Kirche auf die deutschen Ärzte. Michael Haacke erinnert sich: „Es waren so viele. Die ganze Kirche war voller Menschen. Und andere standen noch vor dem Tor des Krankenhauses.“ Erst seit Februar ist in der Klinik ständig ein Arzt, der auch die Nachbetreuung der Patienten übernimmt. Sechs bis sieben Leistenbrüche operierten die Ärzte hier täglich und auch die Behandlung von Gaumenspalten und Verbrennungen standen wieder auf dem OP-Plan. In Erinnerung geblieben ist Michael Haacke vor allem ein junger Mann mit Verbrennungen an Armen und Rücken. „Mani ist ein Christ und er wurde absichtlich verbrannt, um ihm den Teufel auszutreiben“, ist der Anästhesiepfleger immer noch entsetzt. „Im vergangenen Jahr wurde sein linker Arm mit Hauttransplantaten von seinen Oberschenkeln behandelt, in diesem Jahr sein rechter. Und im kommenden Jahr wird sein Rücken transplantiert. Er kam mit Klarsichtfolie verbunden ins Krankenhaus, damit die verbrannte Haut keine Feuchtigkeit verliert und er muss unglaubliche Schmerzen haben.“ Auch hier arbeiteten Chirurgen und Anästhesisten unter schlechtesten Bedingungen. „An mehreren Tagen gab es kein Wasser. Die OP-Lampe war ein alter Autoscheinwerfer. Sie funktionierte aber nur, wenn es Strom gab. Bei Stromausfall musste das Team auf Stirnlampen zurückgreifen“, berichtet Michael Haacke.
Einen Tag Kraft schöpfen gönnte sich das Team und wanderte durch die Natur Madagaskars. Schon am nächsten Tag ging die Arbeit weiter. Die Kinder hatten es Michael Haacke angetan. Sie spielen mit allem, was die Umgebung hergibt. Vor allem die aus Kokosnüssen gebastelten Surfbretter beeindruckten den Hemeraner. Er war froh, helfen zu können und ist dankbar für die Eindrücke und Erfahrungen dieser Zeit.
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Text und Fotos: Paracelsus-Klinik Hemer
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