Waldschule MK begeistert Schüler zwischen 3 und 93 Jahren

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Ein bunter Bilderbogen an der Wand der Waldschule MK erinnert an die erfolgreichen Sprach-Camps der vergangenen Jahre.
 
Die Waldschule MK gehört zur Initiative "Lernort Natur".
 
Mit diesen beiden imposanten Exponaten von einem Rothirsch und einem Rehbock veranschaulicht Axel Dohmen gerne den (Größen-)Unterschied zwischen Rot- und Rehwild - und sorgt regelmäßig für Erstaunen bei den kleinen und großen Besuchern der Waldschule.

"Wir haben seit acht Jahren stets die mit Abstand höchste Zahl an Teilnehmern der Waldjugendspiele in ganz Nordrhein-Westfalen", freut sich Axel Dohmen mit sichtlichem Stolz, "in diesem Jahr hatten sich wieder rund 3.300 Schüler aus 64 Schulen mit 139 Schulklassen angemeldet."

Die teilnehmenden Schüler und Lehrer absolvierten dabei im August und September 2016 "ihre Waldjugendspiele" auf 17 individuell angelegten Parcours im gesamten Märkischen Kreis. Bei der Planung und Durchführung wurde das Team der Waldschule MK durch örtliche Förster des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland unterstützt. Die Waldjugendspiele sind aber bei weitem nicht die einzige Aktivität der Waldschule MK. Doch dazu später mehr.
Wenn man sich aufmacht, die Waldschule MK zu finden, muss man schon ein bisschen suchen. Denn die Räume liegen ziemlich versteckt im Erdgeschoss des Berufskollegs des Märkischen Kreises am Ende der Aucheler Straße in Iserlohn-Letmathe. Sobald man aber den Eingang gefunden hat, erwartet den Besucher eine andere Welt - angesiedelt zwischen leicht angestaubtem Naturkundemuseum, Grundschul-Klassenräumen und Experimentier-Labor. Überall schauen einen von den Wänden und Schränken ausgestopfte Tiere an, Becherlupen warten auf ihren nächsten Einsatz bei der Erkundung von vielerlei "Krabbelgetier" und Fell- und Rindenstücke locken zum Ausprobieren und Wiederentdecken des im Alltag bei vielen Menschen häufig vernachlässigten Tastsinns.
Und mittendrin Axel Dohmen, Leiter der Waldschule und zertifizierter Waldpädagoge. Schnell bemerkt er die leichte Skepsis beim Anblick der vielen "ausgestopften Tiere". "Nur Erwachsene haben eventuell ein Problem mit", weiß der Experte, "und ab und zu kommt schon mal von älteren Besuchern die Frage, ob die ausgestellten Tiere alle speziell zu diesem Zweck geschossen worden sind." Doch diese Skeptiker kann er schnell beruhigen. "Die meisten stammen entweder aus privaten Nachlässen z. B. von Jägern oder aber von einer Präparatoren-Schule in Bochum, mit der wir kooperieren." Überhaupt spielen die Tierpräparate gerade bei Kindern eine große Rolle. "Die zeigen überhaupt keine Scheu und wollen die verschiedenen Tiere auch immer gleich anfassen und streicheln - was sie bei uns übrigens auch dürfen." Schließlich sollen die Besucher der Waldschule die Natur ja mit allen Sinnen erleben. Und da gehört neben Sehen und Hören eben auch das Tasten, Fühlen und Schmecken dazu. Schmecken? "Ja klar, bei unseren Exkursionen probieren die großen und kleinen Teilnehmer regelmäßig Beeren, Nüsse oder Kräuter." Ein besonderes Vergnügen sei es für ihn immer, so Axel Dohmen mit einem verschmitzten Lächeln, wenn es zum Thema Brennnesseln komme. "Klar haben die meisten zunächst mal gehörigen Respekt, eine Brennnessel anzufassen, aber bei uns sollen sie die Natur wirklich erleben und dazu gehört eben auch das Berühren dieses Krautes, das ab und zu auf Exkursionen regelrecht gesammelt und mit in die Waldschule genommen wird. Da bereiten wir dann zusammen einen leckeren Salat oder sogar knusprige Chips zu, und prompt schlägt die Skepsis beim Probieren dann regelmäßig in Begeisterung um."

Sprachcamps und Waldpädagogik für Flüchtlingskinder


Doch zurück zu den anderen Aktivitäten, die die Waldschule MK im Jahresverlauf regelmäßig durchführt. Da sind zunächst einmal die sog. Sprach-Camps für Kinder mit Sprachdefiziten aus verschiedenen Iserlohner Grundschulen. "Für die Kinder steht dabei erst einmal der Spaß bei den gemeinsamen Aktionen im Wald im Vordergrund", so Axel Dohmen, "ganz nebenbei und unbewusst werden aber auch neue Kontakte untereinander geknüpft und erfahrungsgemäß wird auch die sprachliche Kompetenz deutlich verbessert."
Ein neues Angebot ist auch das "Walderlebnis für Flüchtlingskinder". Dabei sollen häufig traumatisierte Kinder aus Integrations- und Willkommensklassen, für die Deutschland und eben auch die heimische Natur noch neu und unbekannt sind, den neuen Lebensraum Wald mit seinen tierischen Bewohnern kennenlernen, erste positive Erfahrungen in der Natur machen, so ihre Ängste abbauen oder einfach auf andere Gedanken kommen. "Wenn man dann vor Ort erlebt, wie ein Flüchtlingskind plötzlich einfach einen Baum umarmt oder beim Anblick des Waldes seine Gefühle mit dem Wort ,schön' ausdrückt, läuft es selbst einem alten Hasen wie mir noch eiskalt den Rücken runter", bekennt Axel Dohmen.
Und auch für die ganz Kleinen - sprich die Kinder im Alter von drei bis acht Jahren - hält die Waldschule MK etwas Besonderes parat: Mathematische
Frühbildung! "Was zunächst vielleicht ein wenig paradox klingt, wird verständlich, wenn man bedenkt, dass der Wald nicht nur ein vielfältiges biologisches und lebendiges System darstellt, sondern auch den idealen Rahmen für Zahlen und geometrische Formen bietet," erläutert der Experte. Und so werden die Jüngsten zusammen mit ihren Erzieherinnen von Herrn und Frau Dachs, dem Specht und dem Eichhörnchen regelmäßig auf spielerische Weise in die Zauberwelt des Zahlenwaldes entführt.

Noch viele Pläne vom Feuchtbiotop bis zum Grünen Klassenzimmer


Diese Exkursionen können entweder vor Ort, also im Bereich der jeweiligen Einrichtungen (Kindertageseinrichtungen, Grundschulen, Förderschulen im gesamten Kreisgebiet) durchgeführt werden oder aber stationär rund um die Waldschule in Letmathe, wo es dann für die Teilnehmer in die angrenzenden Waldflächen geht. "In diesem Zusammenhang muss ich den privaten Waldbesitzern einfach mal ein großes Dankeschön aussprechen, denn es ist nicht selbstverständlich, seinen Privatbesitz für unsere Aktionen zur Verfügung zu stellen", freut sich Axel Dohmen über die gute Zusammenarbeit, "aber die Waldbesitzer halten unsere pädagogische Arbeit alle für enorm wichtig, um die drohende Entfremdung der Natur in unserer Gesellschaft zu bekämpfen." Gleiches gelte auch für die Stadt Iserlohn, von der die Waldschule drei große Wiesenflächen gepachtet habe, auf der ebenfalls regelmäßig Aktionen stattfinden. "Dort haben wir u.a. einen Barfußpfad angelegt, der super angenommen wird, das wohl größte Insektenhotel im weiten Umkreis gebaut und jeweils den Baum des Jahres angepflanzt", blickt Axel Dohmen zurück, um dann voller Tatendrang noch kurz einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. "Ich möchte auf alle Fälle noch ein Grünes Klassenzimmer realisieren und vielleicht noch ein Feuchtbiotop anlegen. Ach ja, und der eine oder andere Bienenstock würde auch noch gut ins Konzept passen - wenn ich nur genügend Sponsoren und Unterstützer fände." Zu wünschen wäre es ihm und seinen Mitstreitern auf alle Fälle, denn eines steht fest: die Waldschule MK ist ein echtes Juwel der Naturpädagogik.
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