Trinkwasserverschmutzung in Hemer: Ursache weiterhin unklar

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Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann schlägt sofortige Sanierung des Wasserwerks Halingen und unbefristete Abkochempfehlung insbesondere nach ergiebigen Niederschlägen und bei Tauwetter vor.

Bezug von GELSENWASSER genauer untersuchen

Bürgermeister Esken nimmt Geld von GELSENWASSER

Vom 12. Januar 2013 bzw. 14. Februar 2013 an mussten die Hemeraner im Norden und Nordosten der Stadt ihr Trinkwasser über Monate abkochen. Das ist exakt das Gebiet von Hemer, in dem GELSENWASSER verteilt wird. Auch wenn das Abkochgebot im Moment nicht mehr gilt: Die Ursache der Trinkwasserverschmutzung ist noch nicht gefunden!

In der heißen Phase der Trinkwasserverunreinigungen wurde so einiges diskutiert, nur der Bezug von GELSENWASSER nicht. Das Hemeraner GELSENWASSER kommt aus dem Wasserwerk Halingen an der Ruhr in Fröndenberg. Es liefert Trinkwasser an 400.000 Einwohner und an Gewerbe in 19 Kommunen, überwiegend in den Kreisen Unna, Warendorf, Coesfeld und im Märkischen Kreis. Es wird von den Wasserwerken Westfalen betrieben. Die GELSENWASSER AG hält 50% der Anteile.

Wie auch in den anderen Ruhrwasserwerken und in Haltern wird in Halingen seit 1888 zur Wassergewinnung das Verfahren der künstlichen Grundwasseranreicherung angewandt. Oberflächenwasser wird der Ruhr entnommen und nach mechanischer Vorreinigung (Rechen und Sedimentation) über 14 große Versickerungsbecken in den Untergrund filtriert. Die Becken im Ruhrtal sind bei Hochwasser überflutet. Deshalb sind die Böschungen der Versickerungsbecken befestigt. Über wasserundurchlässigem Ruhrsandstein befindet sich eine ca. 6 m dicke Schicht aus Schotter, durch die das Flusswasser versickert. In den Becken, die eine Gesamtgröße von etwa 300 Fußballfeldern haben, versickert das vorgereinigte Wasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,5 Metern pro Tag über eine 50 cm dünne Sandschicht in den Untergrund. Während dieser Bodenpassage wird das Wasser durch physikalische, chemische und biologische Prozesse „natürlich“ - man kann das auch primitiv nennen - gefiltert. Das Bodenfiltrat, bestehend aus angereichertem Grundwasser, Uferfiltrat und einem sehr geringen Anteil Grundwasser wird in Sickerleitungen, die zwischen den Sickerbecken im Untergrund verlegt sind, gefasst und fließt über natürliches Gefälle in Transportleitungen zum Pumpwerk. Im Zulauf zu den Förderpumpen wird das Bodenfiltrat mit Chlordioxid versetzt. Die Qualitätskontrollen werden durch das GELSENWASSER-Zentrallabor in Gelsenkirchen sowie durch das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets in Gelsenkirchen durchgeführt.

Das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets ist das Institut für Umwelthygiene und Toxikologie Gelsenkirchen. Träger des Instituts ist der Verein zur Bekämpfung der Volkskrankheiten im Ruhrkohlengebiet e.V., Gelsenkirchen. Vereinsmitglieder sind unter anderen die Gelsenwasser AG und die Stadtwerke Hemer GmbH. Ihre Trinkwasserproben lassen die Gelsenwasser AG und die Stadtwerke Hemer GmbH also in deren eigenem Verein und nicht gänzlich unabhängig untersuchen.

Bald soll das Wasserwerk Halingen für 20 Millionen Euro saniert werden - nicht ohne Grund. Alle Wasserwerke der Wasserwerke Westfalen werden „in den nächsten Jahren um Flockungs-, Adsorptions-, Ozonungs- und UV-Desinfektionsstufen ergänzt“, berichtete Pressesprecherin Ulrike Hütter schon im März 2012. Im Wasserwerk Halingen soll im Jahr 2014 die UV-Desinfektionsstufe ergänzt werden, die weiteren Aufbereitungsstufen sollen dann ab dem Jahr 2015 folgen, erläutert Ulrike Hütter die Planungen. Für diese Arbeiten ist ein Zeitraum von zwei bis drei Jahren veranschlagt.

Unter dem Eindruck der Abkochgebote in Hemer ist die sofortige Sanierung des Wasserwerks zu fordern. Darüber hinaus ist vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises zu prüfen, ob nicht bis zur Fertigstellung und Inbetriebnahme der Sanierung eine unbefristete Abkochempfehlung insbesondere nach ergiebigen Niederschlägen und bei Tauwetter ausgesprochen werden soll.

Und hier noch ein Leckerli zum Schluss: Der Hemeraner Bürgermeister Esken nimmt Geld von GELSENWASSER. Er ist Mitglied im Beirat der GELSENWASSER AG. Der Beirat dient der „Fühlungsnahme“, so GELSENWASSER. Was immer das ist, zu sagen hat der Beirat nichts!
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