Zurück zu Sachlichkeit und gegenseitigem Verständnis

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Beim "Runden Tisch" zum Thema Feuerwehr wurde zwischen Freiwilligen Löschgruppenleitern, der Feuerwehrleitung, Politik und Verwaltung wieder sachlich diskutiert. Foto: Stadt Hemer
  Hemer: Rathaus | Beim Runden Tisch "Feuerwehr" erhalten Freiwillige Rückendeckung der Politik

Hemer. Die Versachlichung der emotionalen Diskussion, die beim eigentlich gemütlichen Jahresabschluss der Freiwilligen Feuerwehr Ende vergangenen Jahres aufgeflackert ist, war das Ziel von Bürgermeister Michael Heilmann. Er hatte dazu die Feuerwehrleitung, alle Löschgruppenführungen, Vertreter der Ratsfraktionen sowie Verwaltungsmitarbeiter aus dem Fachdienst Revision in der vergangenen Woche zu einem Runden Tisch in die Feuer- und Rettungswache eingeladen.
Unterm Strich istes gelungen, bei vielen Kritikpunkten Verständnis in den Reihen der Ehrenamtlichen, aber auch mehr Sensibilität innerhalb der Wehrleitung zu wecken. Die Problemfelder „Beschaffung von Fahrzeugen“ und „Kleidung für die Kleiderkammer“ konnten natürlich nicht sofort in einer knapp zweistündigen konstruktiven Sitzung komplett gelöst werden, wurden jedoch schonungslos aufgezeigt. Die Politiker aus
Reihen von CDU, SPD, UWG, GAH und FDP haben angekündigt, diese Themen regelmäßig abzufragen und zu kontrollieren.
„Das ist auch die Aufgabe der politischen Gremien“, so BM Michael Heilmann, der gleich zu Beginn ganz klar hervorhob: „Die Politik hat sich nichts vorzuwerfen.“ Im Gegenteil habe sie ihre Hausaufgaben gemacht. Sperrvermerke wurden aufgehoben und damit der Weg für die Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen geebnet. Heilmann weiter: „Wir haben eine funktionsfähige Feuerwehr in Hemer, das bestätigt uns der Gutachter, der aktuell mit der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans befasst ist. Wir müssen vielmehr die interne Kommunikation optimieren.“ Die Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Informationen stellten einige Freiwilligen Feuerwehrleute in Frage. Feuerwehr-Chef Markus Heuel kündigte zur Verbesserung des Informationsflusses einen internen Newsletter mit Erläuterungen und Begründungen an.
Dass auch die Politik in den E-Mail-Verteiler aufgenommen wird, war für Wolfgang Römer (CDU), Hans-Peter Klein (SPD), Walter Gertitschke (UWG), Lisa-Marie Hofsäss-Bornfelder (GAH) und Arne Hermann Stopsack (FDP) selbstverständlich. Römer ergänzte: „Wir werden in die Tiefe einsteigen und unsere Kontrollfunktion ausüben.“ Das gelte insbesondere für dringend benötigte neue Fahrzeuge.
Zu einem entsprechenden Überblick wird ein Projektplan verhelfen, den Verwaltung und Wehrleitung erstellt sowie den Beteiligten des Runden Tisches vorgelegt haben. Dezidiert listet dieser alle angestrebten Fahrzeuganschaffungen ähnlich eines Bauzeitenplans mit einem Zeitstrahl auf. Demnach sollen in diesem Jahr die Ausschreibungen für 18 Feuerwehrfahrzeuge veröffentlicht werden, die dann aufgrund von den bekanntlich sehr langen Lieferzeiträumen sukzessive bis Ende 2020 in Hemer ankommen werden. „Diesen Plan werden wir ab sofort in jeder Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses thematisieren“, kündigte Hans-Peter Klein an.
„Warum dauert das so lange? Warum wurde 2017 nicht ein Fahrzeug auf den Hof gestellt und lediglich zwei Ausschreibungen auf den Weg gebracht?“, lauteten die deutlich vorgetragenen Fragestellungen aus den Löschgruppenführungen. Hier trugen Mitarbeiter aus dem Fachdienst Revision und Feuerwehrleitung verständliche Erklärungen und Begründungen vor. In NRW hochkomplexe Ausschreibungsverfahren, Änderungen von Gesetzen und juristische Präzedenzfälle verbinden sich zu einer Mixtur, die keiner Verwaltung und keiner Feuerwehr gut tun.
Rund 60 Minuten dauerte der Crashkurs „Vergabe“, der den Teilnehmern viele neue, in der Argumentation bislang unberücksichtigte Informationen bescherte. „Es gibt jetzt gute Lösungen“, berichtet Moderator Michael Heilmann nach dem Runden Tisch.
Der Personaleinsatz für Ausschreibungen werde durch Prioritätenverlagerung und Dienstplanverschiebungen von hauptamtlichen Kräften aufgestockt. Wolfgang Römer regte an, „die Vergleichbarkeit von Ausschreibungen anderer Feuerwehren zu prüfen und interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen anzustreben“. Zu letzterem hat er beim Neujahrsempfang der Stadt Iserlohn die Unterstützungszusage von Christian Eichhorn erhalten. In einer E-Mail an Bürgermeister Heilmann teilte Römer am Wochenende mit, dass der Leiter des Iserlohner Ordnungsressorts und ehemaliger Chef der Iserlohner Feuerwehr einer punktuellen Zusammenarbeit
mehr als aufgeschlossen gegenüberstünde. „Deutlich schneller als bei den Fahrzeugen“, versprach Hemers Feuerwehr-Chef Markus Heuel, „wird das Problem bei der Kleiderkammer behoben sein. Nämlich bis diesen Sommer!“ Auch hier könne eine interkommunale Zusammenarbeit Anwendung finden, verdeutlichte Arne Hermann
Stopsack, „hier geht es um ein Kostenvolumen in Höhe von 7.000 bis 10.000 Euro. Das
können wir sofort angehen, die Politik steht dahinter.“
Überhaupt wurde spürbar, dass sich die Freiwillige Feuerwehr der 100-prozentigen politischen Rückendeckung sicher sein kann, dass die Verwaltung Verbesserungspotenziale aufgedeckt hat und diese kurzfristig umsetzen wird, und dass bei einer solchen Diskussion die Sachebene die zielführendste ist.
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