Fachdienst zum Darmparasit im Trinkwasser

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(Foto: Waterborne Disease Prevention Branch)
Ein neuer Rückschlag für die Stadtwerke, vor allem aber ein Schock für die betroffenen Bürger - bei der Suche nach der Ursache für die Verkeimung des Trinkwassers waren neben geringen Anzahlen von Clostridium perfringens nun auch noch der Parasit Giardia gefunden worden (Bericht darüber hier unter www.lokalkompass.de/hemer). Die Stadtwerke teilten in ihrer Pressemitteilung unter anderem mit: „In der Sonderprobe an der Brabeck-Schule wurde jetzt jedoch der Parasit entdeckt, wenn auch nur in einer geringen Konzentration von nur 0,15 Keimen auf 100 Liter. Vorsichtshalber hat das Gesundheitsamt ein erneutes Abkochgebot ausgesprochen, das voraussichtlich solange gilt, bis Eintragsquelle endgültig gestoppt ist.“ Abgekocht wird auch bei Sabine Roeb, Tierärztin in Hemer: „Vorsichtshalber machen wir das natürlich. Obwohl die Menge, die gefunden worden ist, eigentlich nicht gesundheitsgefährdend ist, weder für Tiere, noch für Menschen. Hunde beispielsweise trinken aus Pfützen, dort ist der Gehalt wesentlich höher. Aber dass so etwas in unserem Trinkwasser auftaucht, auch, wenn es sehr geringe Mengen sind, darf nicht sein und ist beunruhigend. Beunruhigend deshalb, weil die Stadtwerke ihr Leitungsnetz scheinbar nicht im Griff haben. Nachvollziehen kann ich das überhaupt nicht - wir sind doch nicht in New York. Wenn die Quelle nicht gefunden wird, wer weiß, was dann noch alles ins Trinkwasser gelangen kann.“ Befürchtungen, die nicht nur die betroffenen Bürger teilen.
Der Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin hat eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie über die Parasiten informieren:
Die Giardiasis ist eine infektiöse Darmerkrankung die durch Giardien hervorgerufen wird. Die Giardiasis ist weltweit verbreitet, in warmen Ländern häufiger als in gemäßigten Klimazonen.
Der Erreger ist ein Darmparasit, der in der Lage ist, Zysten zu bilden, welche dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden.
Die Zysten bleiben in feuchter Umgebung, insbesondere bei niedrigen Temperaturen, mehrere Wochen lebens- und infektionsfähig. Bei trockener Umgebung ist die Überlebenszeit sehr kurz.
Die Übertragung der Zysten erfolgt fäkal-oral durch Schmierkontakt, kontaminiertes Trink- und Badewasser sowie kontaminierte Nahrung, wobei auch mit Zysten verunreinigte Handtücher, Seifenlappen, Spielzeug u.a. Gegenstände des täglichen Bedarfs eine Weiterverbreitung eine Rolle spielen können.
Die Infektionsdosis ist sehr niedrig. Nicht jeder Infizierte erkrankt, kann aber die Zysten ausscheiden.
Inkubationszeit (Zeit der Aufnahme bis zur Erkrankung)
Die Inkubationszeit beträgt 3-25 Tage.

Symptomatik
• Wechselnde Durchfälle
• Krampfartige Bauchschmerzen
• Blähungen
• Übelkeit und Aufstoßen (selten Erbrechen)
• Erschöpfungssymptome, manchmal Fieber

Standard Hygienemaßnahmen beachten
Gründliche Händehygiene durch Hände waschen mit Flüssigseife und viel Wasser, danach gründlich abtrocknen:
• Nach dem Toilettengang
• Nach dem Windelwechsel
• Nach dem Streicheln von Tieren
• Vor der Nahrungszubereitung
• Vor dem Essen

Die Standardhygienemaßnahmen sind strikt einzuhalten. Vor allem ist auf die Einhaltung der Toiletten- und Händehygiene zu achten.
In keinem Fall sollte zur Händewaschung Stückseife verwendet werden. Der Erkrankte sollte unbedingt ein eigenes Handtuch benutzen und dieses täglich erneuern.
Die Handtücher und die Leibwäsche sollten bei 90°C und mit einem Vollwaschmittel gewaschen werden.
Da Desinfektionsmaßnahmen für die Hände, die Flächen und die Wäsche bei Parasiten nicht wirkungsvoll sind, sollte auf diese verzichtet werden.
Das Gleiche gilt für Wasserkocher, Kaffeevollautomaten und –maschinen sowie für alle anderen Haushaltsgeräte.
Für Rückfragen stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes Gesundheitsschutz und Umweltmedizin unter der Telefonnummer: 02351/9667272 zur Verfügung.
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