Feuilleton über den Mauerfall

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Berlin: Reichstag |

Der Fall des diktatorischen Ostens, war der Fall des freien Westens

Auf den heutigen Tag ist die geschichtliche Begebenheit "der Fall der Mauer" vor einem viertel Jahrhundert. Nun könnte ich mit langem Atem die kaiserlichen Auswirkungen des ersten Weltkriegs, über die Weimarer Republik hin zum 3. Reich und der daraus entstehenden Teilung einer Nation erklären und die Teilung durch einen Todesstreifen deutlich machen. Doch ich setze dieses Wissen einfach voraus und möchte nicht in die Detailverliebtheit zu geschichtlichen Begebenheiten versinken. So wie es der Bundespräsi rumgauckt und der Biermann es nur noch melancholiert. Oder wir am Ende von einem Greis verkohlt werden.

Nur so viel ist gesagt. Die Deutschen haben in dem letzten Jahrhundert einen Kaiser, einen Reichskanzler, einen Diktator und die fremdgesteuerte Macht durch Besatzung eines zweigeteilten Landes erleben dürfen, bis hin zur heutigen Armutswirtschaft.

Geseier alter Männer

Mir geht das Geseier der alten Männer, die es schon längst hinter sich gebracht haben, ganz ordentlich auf den Sack. Besonders, wenn es um geschichtsträchtige Momente im Leben der Deutschen geht. Es ist offensichtlich, welche Last von den einst so hervorragenden Köpfen nicht von den Schultern fallen will. Und diese alten Männer, durch ihre persönlich erlebten Schmerzen und dem daraus hervor gegangenen trüben Blick der Traumatisierung, nicht nur die inovative Jugend unseres Landes mit diesem Trauma infizieren, sondern auch nach wie vor ständig den Frieden unter Menschen stören. Kein Mensch möchte die schweren Zeiten der alten Männer neu erleben. Denn die Jugend trägt weitaus mehr Last auf ihren Schultern, als ihre eigene Versorgung. Zusätzlich darf sie sich mit dem Überangebot der geistigen Inkontinenz alter Männer vergnügen.

Doch Geschichte darf nicht vergessen werden. Im Gegenteil, sie soll uns ehr die Lehre sein, unsere künftigen Ereignisse friedlicher und selbstgestaltend einfacher verstehen zu lassen, ohne das Rad unnötigerweise ein fünftes Mal zu erfinden. Das Geseier ist wohl der offensichtliche Ausdruck der Überalterung unserer Gesellschaft. Ganz gleich, um welche geschichtsträchtige Begebenheit es sich handelt. Dabei der Jugend dieses ach so geeinte Deutschland zur Fortsetzung der Schuld zu übergeben, kommen diese alten Männer nicht umhin, das Erbe mit einem nicht mehr vorhandenen Nationalstolz per "Hurra!"-Parolenverbot, zu übergeben.

Die Übergabe des Deutschen Zwangserbes wird in bitterlichster Demenz mit schamloser Intention auf das frische Blütenmeer unserer Nation gedünkt. Es geht um das "nicht mehr Vergessen dürfen" als Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Welche von diesen Seiernden, zur Zeit täglich unter Androhung nationaler Prügel, jubiliert wird. Ich frage mich, wer denn nun der Nationalist ist, bei einem solch schweren Erbe für die Deutsche Jugend, die sich nur noch Europäer nennen dürfen und in dem Sog der Weltgeschichte ohne Stolz mit drei Jobs umherwandelnd. Nur den Fußball als König von der Welt zugestanden bekommend, politisch aber fremdgesteuert bleibend. Zahlen wir nach wie vor die Schuld in aufkommender Armutswirtschaft.

So haben wir zum Beispiel seit Wolf Biermann die Staatssicherheit im geeinten Deutschland

Kaum wehren sich die Lokführer, den Piloten dieses Landes folgend, gemeinschaftlich für einen angemessenen Lebensstandard. Überlegt die Regierung, den Aufstand in der völlig übertakteten Mobilität unserer wirtschaftlichen Knochenmühle, gleich im Ansatz per gesetzlichem Verbot niederzuschlagen. Zeigt uns das Gericht, das die Teilung der Staatsgewalten das Bollwerk einer Demokratie ist. Welche dem Menschen nicht nur ein Wahlrecht garantiert, sondern auch das Recht eingeräumt, für die Wahl ein Veto einzulegen.

Ganz am Rande des Gewerkschaftsstreiks eine ehr unbedeutende Nachricht. Von dem Boykott des vorzeitigen Streikendes der Lokführer, als Friedensangebot. Die Leitungen der Bahn werden terroristisch sabotiert, mit einem Kollateralschaden in der Kommunikationsgesellschaft. Die Leitungen von Vodaphone lagen in direkter Nachbarschaft zu den Elektrotreibstoffleitungen der Bahn. Nicht nur der Bahnverkehr kam in einem ganzen Bundesland zum erliegen, man konnte auch nicht ausweichen auf alternative Verkehrsmittel, weil die Kommunikation ausfiel und man wie Ochs vorm Berg stand.

Wer sich darüber schädlich freut, soll dieses tun. Den Tätern sei nur gedacht, das dieses Motiv im politischen Bereich liegt und mit aller Sicherheit staatsrechtlich geahndet wird. Die Täter werden nicht nur Europaweit geahndet, sie werden Weltweit gestellt werden. Ermöglicht ist dieses, durch die perfiden Methoden einer allgegenwertigen Staatsmacht, die um ihre Sicherheit mehr bedacht ist, als der Freiheit jedes einzelnen Bürgers in diesem Land. Ermöglicht durch eine alte Ostkader an der Regierungsspitze. Ein Umstand, der einen Westdeutschen das Land nicht mehr verstehen lässt. Deutschland, einig Vaterland, wo gehst du nur wieder hin?

Als ein tot geschoss´ner Hase

Und irgendwo auf der Strecke bleiben auch die Züge der Flaschensammler stehen. Schon mal selbst erlebt? Bei einer Reise mit meiner Frau in der untersten Klasse mit viel Anschlussmöglichkeiten, kamen wir mit der Regionalbahn Abends in Münster an und warteten auf die nächste Verbindung. Der Pendelzug kam aus Dortmund. Zuvor stiegen die ganzen Münsteraner Zecken nach einem königlichen Besäufnisspiel aus. Beim Austritt auf den Bahndamm, das letzte bisschen Sauerstoff aus den Wagons saugend. Wir stiegen in ein Vakuum ein und setzten uns nach Luft japsend, wie ein Fisch auf dem Trockenen. Dem perlenden Schwitzwasser an der Innenscheibe hinterher schauend.

Ich hatte es vorher noch nie erlebt, aber ein beeindruckendes Schauspiel begleitete unseren minutiös kurzfristigen Aufenthalt in Münster. Die Flaschensammlerbrigarde rannte Sturm auf die Wagons, beugten sich rücksichtslos über die sich grade setzenden Fahrgäste, geiferten Pfandlüstig in jeden Aschenbecher, in jede Ecke und unter allen Bänken nach jeglichem Rückgeld der Gesellschaft. Deutschland, paradoxes Vaterland. Die Menschen in Unwürde leben lassend und immer noch die Forderung devot zu sein.

Mich dünkt ein anderer Gedanke: Wo bleibt denn der Biermann bei der Aktualität unseres gesellschaftlichen Eklat?

Quelle: Hademare Herold
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13 Kommentare
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 09.11.2014 | 21:05  
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Christoph Diederich aus Hemer | 10.11.2014 | 07:23  
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 10.11.2014 | 21:12  
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Christoph Diederich aus Hemer | 16.11.2014 | 00:16  
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