DEMAG-Entlassungen: Ist die Wirtschaft so schlecht?

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„Wir haben mit Schrecken den kürzlich angekündigten Stellenabbau bei der Demag zur Kenntnis nehmen müssen“, erklärte Bürgermeister Frank Hasenberg, der jetzt Arbeitnehmervertreter von Demag/Terex zum Informationsaustausch ins Rathaus eingeladen hatte.

„Die Solidarität der Stadt und der Bürgerschaft gilt den betroffenen Mitarbeitern und Familien“, so Haseneberg.
Im Gespräch mit den Betriebsräten wurde dann auch deutlich, was für eine Dimension der von Steve Filipov, Vize-Chef von Demag/Terex, angekündigte Personalabbau annimmt: „Wir reden von 196 Mitarbeitern in den Bereichen Vertrieb, Entwicklung und Produktion, die in Wetter beschäftigt sind“, so Ivonne Eisenblätter, Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat.
Bereits vor einem Jahr haben 125 Mitarbeiter ihren Job bei der Demag verloren. „Das sind über 300 von insgesamt rund 1.500 Demag-Arbeitsplätzen hier bei uns in Wetter. Eine erschreckende Zahl“, findet Bürgermeister Hasenberg.

Nachhaltiger Schaden und Qualitätsverlust

„Den Abbau der 125 Arbeitsplätze haben wir damals mitgetragen“, so Reinhard Möller, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats: „Die Demag-Mitarbeiter haben in den letzten zehn Jahren genügend schmerzende Beiträge geleistet, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.
Ein erneuter Aderlass kann zu einem nachhaltigen Schaden und Qualitätsverlust des Unternehmens führen. Wir werden alles uns mögliche tun, um das zu verhindern.“ Es gebe aus seiner Sicht keinen vernünftigen Grund, jetzt Personal in einer solchen Größenordnung abzubauen.
Der derzeit gültige Zukunftstarifvertrag lässt einen solchen Stellenabbau eigentlich gar nicht zu: Er verbietet Kündigungen bis September 2014 und Standort-Schließungen bis September 2016. Allerdings enthält dieser Vertrag eine Revisionsklausel, nach der bei schlechten wirtschaftlichen Entwicklungen neue Gespräche über diesen Vertrag geführt werden können. Reinhard Möller aber macht deutlich: „Diese schlechte wirtschaftliche Situation sehen wir so nicht.“ Entsprechend verweigert sich der Betriebsrat zunächst neuen Gesprächen über den Zukunftstarifvertrag.
Und wie geht es den Mitarbeitern? Die Stimmung im Unternehmen ist derzeit entsprechend schlecht: „Wie kann man denn vernünftig seine Arbeit machen, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss? Die Kollegen stehen jeden Tag vor unserer Tür und fragen nach ihren Jobs“, so Ivonne Eisenblätter. „Der Verlust von Arbeitsplätzen in dieser erschreckenden Höhe wirke sich zudem nachhaltig auf die Stadt aus.“ Hasenberg will in den nächsten Tagen ein Gespräch mit der Demag-Leitung vor Ort führen und sagte den Betriebsräten seine Unterstützung zu: „Ich hoffe, dass Sie gemeinsam mit dem Vorstand einen guten Weg finden.“ Er kündigte zudem ein Schreiben an die Unternehmensleitung in den USA an.
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