Band bezahlt Publikum fürs Kommen

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Devotion orientieren sich an Sound und Stil der Kultband Devo. (Foto: Veranstalter)
 
Die Musiker verstehen ihre Aktion als Zeichen für eine gerechtere Welt. (Foto: Veranstalter)

Gute Musik im Konzert zu erleben, lohnt sich immer. Dass Konzertbesucher sogar Geld für ihr Erscheinen bekommen, ist neu. Genau diese verrückte Verdrehung erleben die Zuschauer am Samstag, 3. September, beim Heisterkamp-Festival, das zugleich dazu genutzt wird, ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen.

Die New-Wave-Coverband Devotion spendiert den ersten 250 Fans jeweils 5 Euro und stellt sie damit am kommenden Samstag vor eine moralische Entscheidung. Einzulösen ist das Geld entweder am Bierstand oder als Spende für Hilfsprojekte.

Mit ihrem aktuellen Bandprojekt interpretieren die Zwillingsbrüder Bernd und Dirk Faust plus Gitarrist Lars Kauter den knalligen Synthie-Pop der New Yorker Kultcombo Devo. Mit ihren skurrilen Bühnen-Outfits – Fantasie-Uniformen plus Helme aus Globus-Hälften – knüpfen Devotion nahtlos an die schrägen Auftritte ihrer Vorbilder an.

Devo war keine Kirmestruppe: Die New Yorker kritisierten in ihren Songs den Niedergang von Moral und Gesellschaft. So leitete sich der Bandname von De-Evolution ab und unterstellte eine Rückwärtsentwicklung der gesamten Menschheit. Billigflüge, Handelskriege, Trash-Fernsehen – vieles von dem, was in den Siebzigerjahren als düstere Vision galt, ist längst traurige Wirklichkeit.

Die Tribute-Band Devotion holt diese Botschaft jetzt mit bissigem Humor in die Gegenwart. Fans haben die Wahl, sich fürs Geld zwei Becher Bier zu holen oder sie in die Spendenbox für die Flüchtlingshilfe zu werfen. "In den kommenden zwei Jahrzehnten wird in der mittleren Klimazone mit bis zu 220 Millionen Klima-Flüchtlingen zu rechnen sein, es ist Zeit sich damit auseinanderzusetzen", so das Statement der Musiker.

"Endet die Moral möglicherweise schon am Bierstand?“, fragt Schlagzeuger Bernd Faust, der die Idee zu der Aktion hatte. Einsatz für das Experiment ist die Gage der Band. "Als Cover-Band möchten wir kein Geld mit der künstlerischen Leistung von Devo verdienen", erklärt er. "Der Krieg gegen Menschen und Natur muss beendet werden, die Veränderung der Menschheit muss und wird passieren."

Während dieser Trip in eine bessere Zukunft startet, dürfen Fans auf jeden Fall schon mal auf eine Zeitreise in die Ära der schrägen New-Wave-Töne gehen. Bernd und Dirk Faust gelten seit langem als Spezialisten für elektronische Musik und haben schon mehrfach kultige New-Wave-Bands wiederbelebt. Als Duo Doppelfaust brachten sie die hypnotischen Synthie-Songs der Düsseldorfer Band DAF auf die Bühne. Gitarrist Lars Kauter trat schon gemeinsam mit den Donuts beim Haldener Pop-Festival auf.

Die musikalischen Wurzeln der Faust-Brüder liegen dreieinhalb Jahrzehnte zurück: Als Zehnjährige starteten sie ihre Band Treff und schafften es sogar auf die Kinoleinwand: Im Ruhrgebiets-Epos "Die Heartbreakers" spielte sich die Band selbst. Doch mit konventionellem Rock war seit ihrer ersten Berührung mit Devo Schluss. 1978 erschien mit "Q: Are we not Men? A: We are Devo" das Debüt-Album der Amerikaner. "Wir waren damals derart tief beeindruckt vom New-Wave-Sound, so dass diese Erfahrung zum Ende unserer Kinderband führte", erinnert sich Bernd Faust.
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