Das große Warten

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Brigitte Kraemer fotografiert seit mehr als 30 Jahren Menschen im Revier. (Foto: Annette Hudemann/LWL)

Mehr als 300000 Menschen kamen 2015 auf der Flucht vor Krieg, Not und Unterdrückung und in der Hoffnung auf ein freies Leben nach Westfalen. Brigitte Kraemer hat sich ihnen fotografisch genähert. Ihre Bilder sind jetzt in der Zeche Hannover zu sehen.

Einige dieser Menschen blieben nur wenige Tage in den Erstaufnahmeeinrichtungen und wurden später auf andere Regionen Deutschlands verteilt. Die anderen wurden in Unterkünften in Westfalen und dem Ruhrgebiet untergebracht. Nach ihren langen Wegen der Flucht und der Ankunft in Deutschland begann für sie alle die Zeit des Wartens auf die Entscheidung, ob Deutschland ihnen Asyl und Sicherheit gewährt. „Das große Warten“ heißt denn auch eine Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Herner Fotografin Brigitte Kraemer, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum präsentiert.

Kraemer hat sich zu den geflüchteten Menschen begeben, ist ihnen mit großer Offenheit begegnet und hat von vielen Vertrauen geschenkt bekommen. Vertrauen, das große Nähe und unbefangene Blicke möglich macht. So ist innerhalb eines guten Jahres eine Reportage entstanden, die den Alltag der geflüchteten Menschen in Westfalen und dem Ruhrgebiet zeigt und dabei die Menschen und das Menschliche in den Vordergrund rückt: Momente des Innehaltens und der Trauer, aber auch der Tatkraft und der Lebensfreude ungeachtet der schwierigen und improvisierten Lebensverhältnisse. „Die Bilder machen deutlich, worum es jenseits von Politik und Medienrummel geht: um Menschen, die ihr Leben meistern wollen“, so LWL-Museumsleiter Dietmar Osses, der die Ausstellung zusammengestellt hat.

Kraemer fotografiert seit mehr als 30 Jahren Menschen im Revier. Mit ihrer Kamera kommt sie ihnen dabei sehr nahe: „So gelingen ihr einmalige Einblicke in Alltag und Gefühle der Menschen – lebendig, vertraut und auf Augenhöhe“, erläutert Osses.

Kraemer lebt und arbeitet als freie Fotografin im Ruhrgebiet. Sie studierte Fotografie und Grafikdesign an der Essener Folkwangschule für Gestaltung. Seit 1982 arbeitet sie als freie Fotografin in Herne. Sie veröffentlichte zahlreiche Reportagen für den Stern, das Zeit-Magazin und den Spiegel. Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet: Sie erhielt 2004 den Hansel-Mieth-Preis, den Lead Award in Gold für das Foto des Jahres 2004, den Lead Award in Silber für das Foto des Jahres 2005, im selben Jahr die Auszeichnung des Art Directors Club des Börsenvereins des deutschen Buchhandels sowie 2008 den deutschen Fotobuchpreis. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen widmete ihr 2016 eine Gesamtausstellung zu ihren Fotoreportagen seit 1985.

Quelle: Pressestelle Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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