Unter Regenschirmen

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Mary Swysen studierte zunächst Biologie. Seit gut 15 Jahren konzentriert er sich auf sein künstlerisches Schaffen.
 
„Panem et circenses“ („Brot und Zirkusspiele“) lautet der Titel dieser Installation, die gestern noch nicht komplett fertig aufgebaut worden war. Die Besucher der Ausstellung nehmen auf dem Plastikstuhl für ein Selfie Platz.

Ist unsere westliche Gesellschaft ähnlich dekadent wie die des alten Roms – und damit letztendlich ihrem Untergang geweiht? Mark Swysen widmet sich mit seiner Kunst unter anderem dieser Fragestellung. Am 7. März wird seine Ausstellung I21 AAA: der bevorstehende Abschied des Abendlandes?“ in den Flottmann-Hallen eröffnet.

Allein Teile des Titels der Werkschau des Belgiers werfen Fragen auf, die Mark Swysen gestern im Rahmen einer Pressekonferenz beantwortete. Seine Erklärung: „I21“ steht für unsere Identität im 21. Jahrhundert, „AAA“ ist die höchste Bewertung von Staaten durch Ratingagenturen – und der Belgier stellt sich sinnbildlich die Frage, wie lange unsere Gesellschaft ihre Kreditwürdigkeit noch behalten wird.

Er möchte die Besucher der Ausstellung zum Nachdenken anregen, betont Swysen. Gegenstände des Alltags verwandeln sich hierfür in zehn Objekte und Installationen. So steht der Besucher nur wenige Schritte nach dem Betreten der Ausstellung unter transparenten Plastikregenschirmen. „Das Paradigma der alten Gewissheiten“ nennt der Künstler dieses Werk, das aufzeigen soll, wie der Mensch mit Nachrichten umgeht. Swysens These: Obwohl wir mit Katastrophenszenarien wie zum Beispiel dem Klimawandel konfrontiert werden, blenden wir die Nebenwirkungen unseres Handels allzu leichtfertig aus; mit den Folgen werden zukünftige Generationen zu kämpfen haben. Unser Gehirn neige zur Verdrängung schlechter Nachrichten und halte uns dazu an, allzu optimistisch in die Zukunft zu blicken, stellt der Künstler fest.

Swysen studierte zunächst Biologie

Angesichts seines Werdegangs darf diese These als fundiert gelten. Swysen, Jahrgang 1965, studierte zunächst Biologie und setzte sich intensiv mit psychologischen Fragen und den Theo­rien eines Charles Darwin auseinander. Am Ende seiner Forschungen stand die Erkenntnis: „Die Evolution hat nicht die Zeit gehabt, den Menschen an die Moderne anzupassen.“ Letztendlich seien wir Neandertaler, die Technik in ihren Händen halten, welche die ganze Welt in ihren Grundfesten erschüttern kann.

Schon zu Beginn seiner Hochschullaufbahn brannte der Belgier eigentlich mehr für die Kunst als für die Naturwissenschaften. Aber: „Mein Vater sagte mir: ,Du bist zu intelligent, um Kunst zu machen‘!“ Letztendlich gab Swysen nach dem Ende seiner Ausbildung der Leidenschaft nach. Ab 1999 stellte er seine Werke aus. Nicht ganz zehn Jahre später machte er seinen Master in Kunst, damit habe sich letztendlich auch sein Vater arrangieren können, so Swysen.

Vornehmlich in den Beneluxländern, Frankreich und Deutschland stellte Swysen in den vergangenen Jahren aus, unter anderem im Weltkulturerbe Zeche Zollverein (Essen) und 2014 in der Zeche Scherlebeck (Herten). Hier wurde Jutta Laurinat, verantwortlich für das Programm der Flottmann-Hallen, auf das Schaffen des Wahl-Antwerpeners aufmerksam.

Sind wir wie die Menschen im alten Rom?

Folgt man den Erläuterungen des Künstlers zu seinen Werken, sind die Parallelen zwischen dem untergehenden Rom und unserer Gesellschaft offensichtlich. Mit Brot und Zirkusspielen werden unsere oberflächlichen Bedürfnisse befriedigt. Aus den Amphitheatern der Antike sind Sportarenen, Einkaufszentren und Festivalwiesen geworden. Wir haben uns übermäßigem Konsum ergeben, sind überaltert und selbstgefällig, so seine Kritik. Sind wir den Veränderungen in dieser Welt vielleicht ebenso hilflos ausgeliefert wie im fünften Jahrhundert die Römer den Barbaren?

Die Ausstellung „I21 AAA: der bevorstehende Abschied des Abendlandes?“ wird am 7. März um 17 Uhr eröffnet. Bis zum 19. April präsentieren die Flottmann-Hallen Mark Swysens Kunst.
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