Ärzte ohne Grenzen

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Frank Möller mit einer Patientin. Die Freude über das Kuscheltier vertreibt die Angst vor der Operation. (Foto: EvK)

Angélique Saletzki und Frank Möller vom Evangelischen Krankenhaus reisten für zwei Wochen nach Brasilien, um dort unentgeltlich Kinder zu behandeln. Durch ihren vorherigen Spendenaufruf kam ein beachtlicher Betrag sowie zahlreiche Kuscheltiere zusammen.

Anästhesie-Schwester Saletzki und Oberarzt Möller, beide in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin tätig, sind überwältigt. „Vielen Dank an alle, die fast 2000 Kuscheltiere und 3500 Euro für unsere kleinen Patienten in Brasilien gespendet haben.“ Bevor sie zu ihrem Einsatz im Nordosten Brasiliens, der ärmsten Region des Landes, aufbrachen, starteten sie einen Spendenaufruf und baten um Unterstützung für ihre Patienten. In Coroatá operierten die beiden Spezialisten anstelle von Urlaub zwei Wochen lang unentgeltlich mit einem Ärzte- und Pflegeteam des Vereins "Interplast Germany" Kinder mit Kiefern-, Lippen- oder Gaumenspalte.

In dieser Zeit war das Team von morgens bis abends im Dauereinsatz – und das bei Temperaturen von bis zu 40 Grad. Sie habe Deformationen gesehen, mit denen man bei uns überhaupt nicht mehr konfrontiert werde, weil Defekte wie Gaumenspalten in Deutschland bereits im Säuglingsalter korrigiert würden. Doch die Menschen in Brasilien seien zu arm, um einen solchen Eingriff bezahlen zu können, berichtet Saletzki.

In Coroatá traf sie auf Kinder und Jugendliche, die nach der Operation erst einmal normal trinken, essen oder sogar schlucken lernen mussten, weil ihre Deformation ihnen selbst diese elementaren Funktionen nicht zuließ. „Ganz zu schweigen von der gesellschaftlichen Ächtung, der die Kinder wegen ihres Aussehens ausgesetzt waren. Einige wurden sogar von den eigenen Eltern abgelehnt“, erzählt sie weiter.

Umso verängstigter waren die kleinen Patienten in der ungewohnten Umgebung eines Krankenhauses mit all den medizinischen Geräten und der Ungewissheit, was eine Operation bedeutet. Es sei ein echter Glücksmoment gewesen, als sie jedem vor dem Eingriff ein Kuscheltier schenken konnte. Es sei unbeschreiblich, wie sich die Kinder gefreut hätten.

Insgesamt 560 Patienten wurden in den zwei Wochen von dem elfköpfigen Freiwilligen-Team aus Deutschland versorgt, 125 von ihnen operiert. Die Eingriffe fanden gleichzeitig an zwei Operationstischen statt, die in einem Raum direkt nebeneinander standen. Es herrschten zwar einfache, aber hygienisch einwandfreie Verhältnisse. Bevor sie jedoch überhaupt arbeiten konnten, musste das Team nach seiner Ankunft den Raum erst einmal entsprechend einrichten. Unterstützt wurden sie dabei vor Ort von der Ordensschwester Veronika, die das kleine Krankenhaus leitet, sowie zwei einheimischen OP-Schwestern und einem Arzt, die auch für die Verständigung mit den Patienten und den Angehörigen wichtig waren. „Doch so hart die Arbeit hier war, so beglückend habe ich sie aber auch empfunden“, zieht die Anästhesie-Schwester Bilanz. „Und deshalb werde ich wieder nach Coroatá reisen.“
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