"Bergmannsbuche" erinnert an Grubenunglück auf Mont Cenis

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Barbara und Grubenlampen hoch an der Buche. Foto: Krohm
 
Foto: Krohm
Es ist eine der eher versteckten Gedenk- und Erinnerungsstätten in unserer Stadt. Von der „Bergmannsbuche“ ist die Rede, die an einem Waldweg am Gysenberg, unweit der Gerther Straße steht. Das Ensemble besteht aus einem ebenerdigen Marienbildstock und einer Skulptur der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, hoch an einem Baum befestiegt.
Der Marienbildstock ist im vergangenen Jahr nach umfangreicher Renovierung am alten Platz wieder aufgestellt worden (das Wochenblatt berichtete). Als im „Dunkeln liegend“ wurden in den Medien die geschichtlichen Wurzeln der Gedenkstätte bezeichnet. Reinold Krohm, ein 80-jähriger gebürtiger Herner wollte das nicht so stehen lassen, hat nachgeforscht und das überlieferte Wissen über die Entstehungsgeschichte in einer ausführlichen Chronik niedergeschrieben. Sie wird am Festtag für den Bergbau am 6. April in der Akademie Mont Cenis für Interesse sorgen.
Darin ist zu lesen, dass nach der katastrophalen Schlagwetterexplosion auf der Sodinger Zeche Mont Cenis im Jahre 1921, bei der 85 Bergleute untertage tödlich verunglückten, die Sodinger Landwirtin Elisabeth Kranenberg und ihre Arbeiterin Antonia im Gysenberg, in Nähe der Ruhmbachquelle, spontan eine Buche mit einem kleinen Gotteskreuz und Rosenkranz schmückten und unter dem Namen „Bergmannsbuche“ einen stillen Ort als Anlaufstelle zur andächtigen Erinnerung an die verunglückten Kumpel geschaffen haben.
Nachdem ein Orkan im November 1940 rund 20 Prozent des Buchenbestandes im Gysenberg entwurzelt und die Gebetskreuze der Kranenbergs weggeweht hatte, geriet die Gedenkstätte während des Krieges zunächst in Vergessenheit, und erst 1946 wurde auf Veranlassung von Museumsdirektor Karl Brand und Krankenhausdirektor Vinzens Luczak neben der „Bergmannsbuche“ der erste Marienbildstock in Gedenken an alle verunglückten Bergleute und im Krieg gefallenen Soldaten gebaut.
In Nachfolge der beiden Landfrauen und Gründerinnen wurde die Gedenkstätte nun von Elisabeth Wichtmann, einer Tante des heutigen Grundstückeigners, gepflegt und durch die Gedächtnisläufe des Sodinger Fußballidols Hännes Adamik als Trainer mit der Vereins- und Bergarbeiterjugend bis zur „Bergmannsbuche“ wieder verstärkt wahrgenommen.
In den Jahren 1980 und 2011 wurde der Marienbildstock durch Vandalismus zertrümmert und niedergebrannt. Im ersten Fall sorgte Elisabeth Wichtmann 1987 auf eigene Kosten für einen Neuaufbau durch die Bochumer Schreinerei Dickerhoff. Im zweiten Fall setzten sich zwei Herner Bürger für einen erneuten Wiederaufbau bei der Stadt Herne ein, der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde St. Peter und Paul, den städtischen Behindertenwerkstätten und dem Fachbereich Stadtgrün unter der Regie von Martin Pawlicki erfolgte.
Am 1. Mai 2012 wurde der neu errichtete Marienbildstock im Rahmen einer Maiandacht im Gysenberg durch den Gemeindepfarrer Thomas Poggel geweiht, und am 4. Mai wurde die Skulptur der „Heiligen Barbara“ mit den beiden Grubenlampen und einem Hinweisschild hoch oben an der „Bergmannsbuche“ durch Stadtgrün-Mitarbeiter befestigt. Zur Zeit ist der im Januar 2013 neu gewählte Vorstand des Herner Traditionsvereins SV Sodingen 1912 bemüht, hinsichtlich der Gedächtnisläufe am Zielort im näheren Bereich der Bergmannbuche eine Erinnerungstafel anzubringen“, berichtet Reinold Krohm.
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