Bewegendes Gedenken an die Shoah-Opfer

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Die vier Gymnasiasten berichteten eindrücklich von den Erlebnissen Gerda Günzburgers und ihrer Familie. Foto: A. Thiele
Herne: Kulturzentrum.Herne |

Der Zweite Weltkrieg ist seit fast 71 Jahren vorbei. Doch die furchtbaren Ereignisse wirken bis heute nach. In einer Gedenkstunde im Kulturzentrum mit anschließenden Gebeten am Shoa-Denkmal erinnerte die Stadt Herne an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft.

In seiner Rede mahnte Oberbürgermeister Frank Dudda, dass wir alle dafür verantwortlich sind, dass die Zeit des Nationalsozialismus und dieMenschen, die dem Regime zum Opfer fielen, nicht vergessen werden.

„Die Zeit der Zeitzeugen endet. Deshalb müssen wir berichten, was wir von ihnen erfahren und gelernt haben“, erklärte das Herner Stadtoberhaupt.

Gerade in der aktuell schwierigen Zeit sei es wichtig, sich für ein friedliches Zusammenleben aller Religionen und Kulturen stark zu machen. „Auch hier haben wir gespürt, dass der soziale Friede angreifbar ist. Dass es Anfeindungen und Hass und Zerstörung auch bei uns gibt. Das haben wir während der Attacken auf das Shoah-Denkmal erlebt.“

Für die stimmungsvolle musikalische Untermalung der Gedenkstunde sorgten Lea Elena Raasch, Darius Preuß und Benedict Heeren von der Städtischen Musikschule.

Unter den Gästen im Kulturzentrum war auch Hanneke Schmitz mit ihrem Mann Peter. Schüler des Haranni- und des Pestalozzi-Gymnasiums hatten sich mit der Lebensgeschichte ihrer Mutter Gerda Günzburger, einer aus Herne stammenden Jüdin, auseinandergesetzt. „Die Geschichte von Gerda Günzburger, geborene Elias, ist eine Herner Geschichte, die exemplarisch für die Verfolgung der Juden zwischen 1933 und 1945 steht“, verdeutlichte Oberbürgermeister Dudda.

Mit Hilfe ihrer Lehrerin Elisabeth Staske und dem Historiker Ralf Piorr erarbeiteten die Gymnasiasten eine szenische Darbietung. Jasmin Nielinger, Ceren Öztürk, Alexander Block sowie Florian Enk präsentierten die wichtigsten Ereignisse im Leben Gerda Günzburgers zwischen 1933 und 1945. Eingebettet wurden diese Erfahrungsberichte in den historischen Kontext und von zeitgenössischen Fotografien untermalt.

Den Anfang markierte ein Bild ihrer Abiturklasse am damaligen Lyzeum und heutigem Haranni-Gymnasium, als die 19-jährige noch davon träumte, Kinderärztin zu werden. Diese Hoffnung starb aufgrund der Machtübernahme der Nazis innerhalb weniger Wochen. Die kommenden Jahre waren geprägt von Flucht, Exil, Armut und der stetigen Angst vor Entdeckung und Deportation.

Das letzte Bild zeigte Gerda Günsburger mit ihrem Mann Fritz und Tochter Hanneke, die die Kriegsjahre überlebten und schließlich nach Herne zurückkehrten. Doch mehr als 50 Familienangehörige starben in der Shoa.

Die Gedenkstunde endete mit Gebeten von Aaron Naor (Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen), Dechant Christian Gröne (Katholisches Dekanat Emschertal) und Superintendent Reiner Rimkus (Evangelischer Kirchenkreis Herne) und einer Schweigeminute am eigens für diese Veranstaltung zugänglich gemachten Shoa-Denkmal vor dem Kulturzentrum.
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