Dem Papst die Hand geschüttelt

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Reinhard Bernhardt hält das Foto in Ehren, das ihn mit Papst Johannes Paul II. zeigt. (Foto: Marlen Bernhardt)

Halb Europa, das ganze Ruhrgebiet und sogar den Papst ­– Reinhard Bernhardt hat in seinem Leben schon fast alles gesehen. Als Sänger im Knappenchor blickt der 86-Jährige auf viele Auftritte und schöne Momente zurück und erinnert sich vor allem an einen noch ganz genau.

Vor 25 Jahren trat er mit dem Ruhrkohle-Chor auf dem Petersplatz in Rom auf und durfte dabei Papst Johannes Paul II. sogar die Hand schütteln. Und trotz Verständigungsschwierigkeiten ist Bernhardt noch heute beeindruckt von dem gebürtigen Polen. „Leider konnten wir nicht groß miteinander reden. Als Kind konnte ich fließend polnisch, aber das hatte ich damals längst verlernt“, sagt er.

Festgehalten sind die Begegnung und der Handschlag mit dem Kirchenoberhaupt auf einem Foto, das Bernhardt heute in seinem Zimmer im Senioren-Wohnpark Flora Marzina in Ehren hält und an die Wand gehängt hat. Gleich nebenan steht sein Kleiderschrank mit der schmucken Tracht sowie dem Federhut des Gelsenkirchener Knappenchors Bergwerk Consolidation von 1917. Seit 50 Jahren ist Bernhardt dort mittlerweile Mitglied, Anfang des Jahres wurde er dafür geehrt. Jeden Freitag holen ihn seine Kumpel aus der Flora Marzina ab, dann geht es zur Probe.

Als er vor einem Vierteljahrhundert den Papst traf, sang er zusätzlich noch im Ruhrkohle-Chor und reiste mit den Kumpel in die Welt. Dabei war es für den Maschinenbauer auf „Unser Fritz“ gar nicht so leicht gewesen, überhaupt in einen Knappenchor zu kommen. „Zunächst war auf ‚Unser Fritz‘ ja ein Steigerchor. Die haben mich gar nicht reingelassen“, berichtet Bernhardt. Erst als die Zahl der Sänger immer weniger wurde, erhielt auch er seine Chance – und singt bis heute mit großer Leidenschaft, mittlerweile als zweiter Tenor. Schon als Kind und junger Mann habe er in relativ hoher Stimmlage stets ein Lied auf den Lippen gehabt. „Ich war immer am Schallern“, sagt Bernhardt. Vor wenigen Wochen gab der Senior noch mit Consolidation ein Geburtstagskonzert. Die Proben und Auftritte absolviert er mittlerweile im Sitzen. Das Kreuz sei ihm im Bergbau kaputt gegangen. Trotzdem ist Reinhard Bernhardt glücklich, weiter mit den Kumpel aus dem Knappenchor singen zu können. Mit bald 87 Jahren ist er noch nicht einmal der Methusalem: Zwei Sänger sind tatsächlich noch ein bisschen älter als er.
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