Für Ometepe: Spende statt Geschenke

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Von der Not der Menschen in Ometepe machte sich Wolfgang Honsberg bei einem Besuch in Nicaragua selbst ein Bild. (Foto: Michael Paternoga/Stadt Herne)

Was schenkt man einem 70-Jährigen zum Geburtstag oder einem Kollegen zum Ausstand aus dem Berufsleben? Diese Frage hat wohl schon so manchen beschäftigt, der auf einer entsprechenden Einladungsliste stand...

Die Gäste, die zum runden Geburtstag bei Wolfgang Honsberg und zur Verabschiedung von Uwe Scholle eingeladen waren, hatten es da deutlich einfacher. Sie ersparten ihren Besuchern das Kopfzerbrechen auf der Suche nach einem passenden Geschenk.

Honsberg, ehemaliger didaktischer Leiter der Gesamtschule Wanne-Eickel, informierte seine Gäste im Vorfeld über die wichtige Arbeit der Sektion Ometepe, die im Partnerschaftsverein der Stadt geleistet wird. Er ließ sich Geld schenken und spendete den beachtlichen Betrag von 800 Euro an den Partnerschaftsverein. „Was sollte ich mir wünschen? Mit 70 Jahren habe ich doch alles, was sich brauche.“ Der ehemalige Lehrer weiß nur zu gut, dass das längst nicht alle Menschen von sich behaupten können. Insbesondere auf Ometepe, der Partnerschaftsinsel der Stadt.

Honsberg machte sich vor zwei Jahren selbst ein Bild vor Ort und reiste für ein paar Tage zum Nicaraguasee. Er ist noch heute tief beeindruckt von seinen Erlebnissen. „Viele Menschen leben dort wirklich in großer Not und Armut. Bei unserem Besuch haben wir eine fünfköpfige Familie kennen gelernt, die ihr Haus nach einem Erdrutsch verloren hat. Sie lebt jetzt bei ihren Schwiegereltern in für uns kaum vorstellbaren Verhältnissen“, sagt Honsberg, der die Reise damals auch in einem Blog festhielt.Der ehemalige Gesamtschullehrer hält die Insel auch touristisch für attraktiv. „Ein Besuch lohnt sich, zumal man damit auch die Menschen vor Ort unterstützt.“

Eine Tour nach Ometepe hat Uwe Scholle noch nicht unternommen. Der ehemalige Rektor der Realschule Sodingen könnte sich aber gut vorstellen, das in den nächsten Jahren noch nachzuholen. Vielleicht kann der 62-Jährige dann direkt beobachten, in welches Projekt die 500 Euro geflossen sind, die bei seiner Verabschiedung in der Sparbüchse landeten. Denn auch Scholle wollte sich nicht irgendetwas überreichen lassen, was üblicherweise bei solchen Gelegenheiten im Geschenkpapier landet. „Ich wollte nicht in Rotwein ertrinken“, bringt es der ehemalige Rektor auf eine einfache Formel und fügt hinzu: „Ich war sozial immer abgesichert, mit so einer Spende kann ich andere an meinem Glück teilhaben lassen und etwas zurückgeben.“ Scholle stellte bei seiner Verabschiedung sogar gleich drei Spardosen auf. Auch die Herner Tafel und der Förderverein der Realschule Sodingen konnten sich über weitere 500 Euro freuen.

Josef Stromberg und Udo Jakat, die gemeinsam die Sektion im Partnerschaftsverein leiten, freuten sich über die großzügigen Spenden, mit denen wieder die nächsten Projekte auf Ometepe unterstützt werden können. Die beiden Organisatoren würden sich über viele „Nachahmungstäter“ freuen, die vielleicht zu einem runden Geburtstag oder einem ähnlichen Feiergrund an die Menschen auf Ometepe denken. Honsberg: „Hier weiß ich auf jeden Fall, dass das Geld ankommt.“
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