Ein Eldorado für Tiere

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Seit 26 Jahren kümmern sich die Mitglieder der Tierschutzjugend um den ökologischen Garten an der Industriestraße. (Foto: privat)
 
Erntezeit: Aus dem Obst lässt sich Direktsaft herstellen, der ganz anders schmeckt als der industriell gefertigte. (Foto: privat)

Die Tierschutzjugend hat vor 26 Jahren in ihrem Ökogarten an der Industriestraße hochstämmige Obstbäume angepflanzt und damit einen wichtigen Lebensraum für viele freilebende Tiere hergestellt.

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa weil sie mit etwa 5000 Tier- und Pflanzenarten von überragender ökologischer Bedeutung sind. Für viele Tiere stellen Streuobstwiesen wichtige Ersatzbiotope und letzte Rückzugsgebiete dar. Dort leben heute stark gefährdete Arten wie beispielsweise Mittelspecht, Gartenschläfer, Haselmaus, mehrere Fledermausarten sowie zahlreiche Schmetterlings- und Hautflüglerarten.

Auch der Unterwuchs der Bäume ist recht vielfältig. Hier haben die jungen Tierschützer blühenden Wiesenkräutern eingesäät. Diese Vielfalt an Tieren und Pflanzen ist auch auf die extensive Nutzung der Flächen zurückzuführen. Lediglich vier Schafe nutzen die Wiese. Niedriggehaltene Grünflächen werden hier gerne vom Steinkautz aufgesucht.

Durch den Verzicht auf intensive Bewirtschaftungsmaßnahmen wie beispielsweise die Verwendung von Pestiziden sowie das Belassen von Totholz und höhlenreicher Altbäume bieten Streuobstwiesen einer sehr großen Zahl von Tier- und Pflanzenarten ideale Standort- und Lebensbedingungen.

Vor allem besteht aber durch den stockwerkartigen Aufbau der Streuobstwiesen ein vielfältiges Mosaik an Kleinbiotopen, wodurch der Tierwelt eine Nischenvielfalt geboten wird, die weder das freie Acker- und Grünland, noch der geschlossene Wald bieten können. Die ohnehin schon hohe Strukturvielfalt der Streuobstwiesen wurde von den jungen Naturfreunden noch zusätzlich durch verschiedene Begleitstrukturen wie beispielsweise Hecken, Böschungen, unbefestigte Wege, Trockenmauern oder Reisighaufen erhöht.

Die relativ kleine Streuobstwiese der Herner Tierschutzjugend auf 0,3 Hektar hat eine nicht zu unterschätzende, wichtige Vernetzungsfunktion als Korridore und Trittsteinbiotope zwischen einzelnen Lebensräumen im Umfeld zum Beispiel der Hölkeskampringhalde und dem Naturschutzgebiet Voßnacken. Neben den Funktionen der Streuobstwiesen als Habitat für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten besitzen sie weitere Funktionen. Zum Beispiel bereichern sie das Landschaftsbild und tragen vor allem zur Blüte- und Erntezeit zu einem hohen Erlebnis und Erholungswert bei, von dem gerne die Stadtkinder profitieren und sie wirken ausgleichend auf das örtliche Klima, da sie als Schattenspender sowie Regen- und Windschutz die mittlere Windgeschwindigkeit senken und Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht abmildern.

Nun ist Erntezeit und die jungen Tierschützer freuen sich auf einen hohen Ernteertrag den sie mit in die Familien nehmen oder zu Apfelsaft verarbeiten. Die Kinder haben sich eine Obstmühle und -presse angeschafft, um Direktsaft herzustellen zu können. So erfahren die Naturfreunde nicht nur, dass mit der naturnahen Gartengestaltung Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Tierarten geschaffen wurde, sondern Tierschutz auch dem Menschen durch gesunde Ernährung zu Gute kommt.
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Bernfried Obst aus Herne | 09.10.2016 | 20:29  
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