Kindheitserinnerungen - Waldfriedhof Wanne-Eickel

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Die ehemalige Gärtnerei am Haupteingang des Waldfriedhofes
Das herrliche Wetter ausnutzend radle ich mit meiner Handykamera bewaffnet durch Wanne-Eickel, zurück zu den Orten meiner Kindheit.
Durch die Fußgängerzone bis zum Cranger Tor verschlägt es mich, und ehe ich mich versehe, stehe ich am Haupteingang des Wanne-Eickeler Waldfriedhofes.
Fast 30 Jahre war ich nicht mehr hier. Damals besuchten wir jeden Sonntag unsere verstorbenen Verwandten.
Ich bin ein wenig traurig, als ich die verlassene, ehemalige Gärtnerei erblicke. Ein einsames Auto steht davor, leider ist niemand zu sehen oder zu hören.
Hier haben wir als Kinder unter den Pflanztischen gespielt während die Eltern Blumen für die Gräber aussuchten.
Spätestens als ich auf dem Hauptweg die vielen Eicheln sehe, bin ich wieder 7 Jahre alt und bastle die schönsten Eichelmännchen mit den Kindern aus unserer Nachbarschaft. Mein Vater spitzte Streichhölzer an und wir bastelten damit eine Menge Eichelmänner, Eichelfrauen und Eicheltiere. Fensterbänke und Tische schmückten wir mit ihnen bis die Mutti genug von den Staubfängern hatte oder sie so ausgetrocknet waren, dass sie auseinander fielen.
Auf meinem Streifzug fällt mir auf, dass es das Urnenfeld meiner Ur-Oma nicht mehr gibt und auch das Grabfeld meines Ur-Opas ist dem Erdboden gleichgemacht.
Trotzdem hat dieser Ort für mich etwas Mystisches. Damals, als ich mit meinem Vater am Grab meines Ur-Großvaters stand, rief stets der Kuckuck aus dem Baum. Daraufhin griff mein Vater in die Hosentasche und nahm eine D-Mark heraus, die er mir schenkte. Er sagte, dass der Ruf des Kuckucks einen Geldsegen bringt.
Heute ruft leider kein Kuckuck. Ich lausche eine Weile, setze mich auf eine einsame Bank und genieße die Stille. An diesem Ort begegne ich heute niemandem, ich bin allein mit all den Verstorbenen und der Natur.
Auf dem Rückweg komme ich an einer großen Familiengruft vorbei. Als Kind habe ich sie bestaunt, jetzt empfinde ich eine kleine Traurigkeit. Die Gruft wird nicht mehr gepflegt, sie wirkt verlassen und einsam.
Die Bestattungskultur ist im Wandel, das bringt mich zum Nachdenken.
Am Abend recherchiere ich im Internet über unseren Waldfriedhof.
Der kleine Ausflug hat in mir einen Frieden ausgelöst, den ich im Alltag so selten verspüre, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal dort war.
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7 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 16.09.2016 | 16:01  
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Nadine Kolp aus Herne | 16.09.2016 | 16:03  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 17.09.2016 | 07:09  
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Nadine Kolp aus Herne | 17.09.2016 | 07:31  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 17.09.2016 | 11:12  
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Nadine Kolp aus Herne | 17.09.2016 | 11:16  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 17.09.2016 | 14:00  
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