Arbeitsstandards im digitalen Zeitalter

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Nachtarbeit war früher auf wenige Branchen wie zum Beispiel Bäcker reduziert. Der digitale Wandel könnte dies ändern. (Foto: NGG)

Wenn andere das Licht ausschalten, krempeln sie die Ärmel hoch: Nachtarbeiter. In Herne sind rund 7000 Beschäftigte zu dieser Tageszeit aktiv. Damit arbeiten rund elf Prozent aller Beschäftigten in der Stadt nach 23 Uhr. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich hierbei auf aktuelle Schätzungen des Mikrozensus.

Vor dem Hintergrund der Debatte um Arbeit 4.0 warnt die NGG Ruhrgebiet vor einer weiteren Aufweichung der Arbeitszeiten: „Heute sind der Bäcker oder die Lebensmitteltechnikerin typische Mondzeit-Jobber. Aber durch die Digitalisierung könnte das Arbeiten in der Nacht bald noch viel mehr Berufe treffen“, sagt Geschäftsführerin Yvonne Sachtje.

Zusammen mit dem Arbeitsministerium des Landes hat die Gewerkschaft im vergangen Jahr deshalb das Projekt „Arbeit 2020“ gestartet. „Es geht darum, beim digitalen Wandel am Arbeitsplatz ein Wort mitzureden“, sagt Sachtje. Denn die Digitalisierung könne das Berufsleben künftig massiv verändern – von ungewöhnlichen Arbeitszeiten, über die E-Mail nach Feierabend bis hin zur Anlagensteuerung per Smartphone. Arbeitsstandards und faire Löhne dürften hierbei aber nicht unter die Räder kommen, so die NGG Ruhrgebiet.

„Der Trend ist längst im Gange“, betont Sachtje. So arbeiten schon heute etwa 20000 Beschäftigte in Herne zwischen 18 und 23 Uhr – knapp ein Drittel aller Erwerbstätigen, so der aktuelle Mikrozensus NRW. Die NGG macht sich dafür stark, dass Lohn- und Zeitausgleich auch künftig per Tarifvertrag geregelt sind.

In diese Richtung gehen teilweise auch neue Vorschläge von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Ein kürzlich von ihr vorgelegtes „Weißbuch Arbeiten 4.0“ sieht die Stärkung der Tarifpartner vor. Sachtje: „Es ist wichtig, dass die Beschäftigten in der Gestaltung der Arbeitswelt von morgen mitbestimmen. Statt über die Abschaffung des 8-Stunden-Tags nachzudenken, sollten die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter lieber für den digitalen Wandel qualifizieren.“ Wichtig sei deshalb ein Recht auf Weiterbildung. Dieses solle möglichst bald per Gesetz festgeschrieben werden.

Quelle: NGG Ruhrgebiet
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