Bilanz 2016: Kaum Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

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In den letzten vier Wochen des vergangenen Jahres gab es auf dem Arbeitsmarkt kaum Bewegung. Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote sind fast unverändert hoch. Dennoch: Ein Blick auf das Vorjahr zeigt eine leichte Verbesserung.

Im aktuellen Berichtsmonat zählte die Agentur für Arbeit 9499 Arbeitslose. Verglichen mit dem Vormonat hat sich die Arbeitslosigkeit kaum verändert. Gegenüber dem November waren es nur sieben Personen weniger.

Verglichen mit dem Vorjahr ist die positive Entwicklung deutlicher, und das, obwohl der Zustrom Geflüchteter Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte. 2015 gab es noch 80 Personen mehr, die in Herne arbeitslos gemeldet waren. Erfreulich ist auch, dass mit diesem Wert die Arbeitslosigkeit zum Jahresabschluss zum dritten Mal in Folge unter der Marke von 10000 Betroffenen lag. Seit 2007 waren lediglich im Dezember 2011 weniger Personen arbeitslos gemeldet (9400).

Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt bei 12,4 Prozent. Im Dezember 2015 waren es noch 12,6 Prozent. Die Entwicklung ist dem Weihnachtsgeschäft geschuldet. Bereits im Herbst stellten Handel, Gastronomie und produzierendes Gewerbe häufig kurzfristig Personal ein.

Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Jahr 2016 lag bei 9845 Personen. Im Jahr 2015 waren es noch 10110 und damit 264 mehr. Während das vergangene Jahr lediglich vier Mal im Monats-Endergebnis die 10000-Marke überschritten hat, lag die Zahl der Arbeitslosen im Jahr zuvor noch doppelt so oft über dieser Marke. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2016 damit 12,8 Prozent. Im Vorjahr lag sie noch bei 13,2 Prozent.

Die Jugendarbeitslosigkeit lag 2016 im Schnitt bei 933 Personen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 69 Personen. Mit verantwortlich für diese Entwicklung ist der Zustrom geflüchteter Menschen. Die meisten dieser Menschen sind jung und konnten hauptsächlich aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht in den Arbeitsprozess integriert werden. Durch den Zustrom Geflüchteter bleibt es nicht aus, dass auch die Arbeitslosigkeit ausländischer Mitbürger deutlich gestiegen ist. Während die Agentur für Arbeit im Jahr 2015 durchschnittlich 2804 Arbeitslose mit ausländischem Pass zählte, waren es 2016 bereits 2993.

Der Blick auf die älteren Arbeitslosen zeigt kaum Veränderung. Insgesamt zählte die Agentur für Arbeit durchschnittlich 1534 Personen arbeitslos, die 55 Jahre und älter waren. Gegenüber dem Jahr 2015 sind dies lediglich zehn Personen mehr. Ein Grund für die doch recht hohe Anzahl arbeitslos gemeldeter Älterer ist der Demografie geschuldet.

Die Langzeitarbeitslosigkeit wartet im Vergleich zu den beiden vorherigen Personengruppen mit einer guten Nachricht zum Jahresabschluss auf. Sie weist seit nunmehr zehn Jahren das beste Ergebnis auf. 3927 Langzeitarbeitslose zählt die Agentur für Arbeit im Schnitt für das Jahr 2016. Das sind gegenüber dem Jahr zuvor 274 Personen weniger. Gründe hierfür gibt es sicherlich mehrere: Zum einen wurden dieser Personengruppe mehr Angebote sowohl seitens der Agentur für Arbeit als auch von dem Jobcenter unterbreitet. Zum anderen habe aber auch viele Langzeitarbeitslose mittlerweile aufgrund ihres Alters den Rentenstatus erreicht.

Esther Sondermann, die Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit in Herne: „Strukturwandel, Firmenschließungen und nicht zuletzt der Zustrom geflüchteter Menschen haben jedermann zu Lande gefordert. Der Herner Arbeitsmarkt konnte sich angesichts der Herausforderung gut behaupten.“

Gut 600 Personen mit Flucht- und Migrationshintergrund sind derzeit bei der Arbeitsagentur gemeldet. Die meisten von ihnen sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Knapp ein Drittel verfügt über keinen Hauptschulabschluss, gut ein Drittel über die allgemeine Hochschulreife.

Angesichts der Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit in Herne recht hoch ist, verwundert es zunächst, dass die Beschäftigung weiter wächst. Der Stichtagsvergleich (März 2016 zu März 2015) weist einen Zuwachs um 252 Beschäftigte (0,6 Prozent) auf. Langfristig betrachtet, ist der Zuwachs besser zu deuten: Über einen Zeitraum von zehn Jahren (2005 bis 2015) hat die lokale Beschäftigung um 6,2 Prozent zugenommen. In ganz NRW liegt das Wachstums allerdings bei 14,9 Prozent. Ein Grund: Viele herkömmliche Wirtschaftszweige sind in den letzten Jahren weggebrochen und der lokale Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Sondermann: "Wir erleben immer häufiger, dass das Anforderungsprofil der Unternehmen nicht mit den Fähigkeiten oder Ausbildungen der Bewerber korrespondiert.“

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist da. Die Unternehmen suchen gut ausgebildetes oder weitergebildetes Personal. Im Jahresdurchschnitt standen der Agentur für Arbeit allein in Herne durchschnittlich 816 offene Stellen zur Verfügung. Das sind verglichen mit dem Vorjahr 105 Stellen oder 14,8 Prozent mehr. Die größte Nachfrage zeigte sich bei Erziehungs- und Sozialberufen, Gesundheitsberufen sowie den technischen Berufen.
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