Chirurgen kritisieren ökonomische Zwänge

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Junge Chirurgen wurden auf der Tagung für herausragende Leistungen ausgezeichnet. (Foto: Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel)

Die Qualität in der Chirurgie war das Thema, über das mehr als 500 Ärzte aus ganz Deutschland auf der Jahrestagung der Vereinigung Niederrheinisch-Westfälischer Chirurgen im Evangelischen Krankenhaus diskutierten. Vorträge und Seminare rundeten die Tagung ab.

Dass ein Chirurg vor dem Hintergrund seiner ärztlichen Verantwortung stets das beste Ergebnis für seine Patienten anstrebt, ist eine Selbstverständlichkeit. Darin waren sich alle anwesenden Mediziner einig. Darum begrüßten sie es umso mehr, dass der Begriff Qualität bei der Tagung kritisch hinterfragt wurde. Denn Qualität meint inzwischen vor allem die Erfüllung von Vorgaben, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) definiert und an deren Einhaltung die Krankenkassen festmachen, ob sie eine Leistung vergüten oder nicht. Die Hintergründe dieser ökonomischen Zwänge stellte Heinz-Werner Bitter, Geschäftsführer der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel, dar.

Mit deutlicher Kritik an diesem System reagierte Heinz-Johannes Buhr, Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Er wies darauf hin, dass bei der Qualitätsbeurteilung nur mit nackten Zahlen gearbeitet wird, ohne die Risikodaten eines Patienten zu berücksichtigen, obwohl diese einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang einer Operation haben. „Ein Krankenhaus ist kein Reparaturbetrieb und eine Behandlung nicht automatisierbar und nur begrenzt rationalisierbar“, sagte er. Er mahnte, dass die Lebensqualität des Patienten wieder stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken müsse.

Unterstützung erhielt er von Professor Bernward Ulrich, dem auf dem Kongress die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde. Er betonte, dass die Medizin nicht der Ökonomie unterworfen werden dürfe. Es sei fatal, dass die Patienten heute bei vielen Ärzten empathisches Engagement vermissen und Furcht haben, dass eine Behandlungsentscheidung ökonomischen Zwängen folge. Ziel eines Arztes müsse es sein, sich seinem Patienten gegenüber als zuverlässig und vertrauenswürdig zu erweisen.

Neben einem umfangreichen wissenschaftlichen Vortragsangebot für die Fachmediziner gab es auch eine ganze Reihe von Seminaren, die sich speziell an den medizinischen Nachwuchs richteten. Denn die Förderung junger Mediziner ist ein wesentliches Anliegen der Vereinigung Niederrheinisch-Westfälischer Chirurgen. Deshalb wurden während des Kongresses durch Tagungspräsident Professor Matthias Kemen für herausragende Leistungen auch gleich fünf Preise an Jung-Chirurgen vergeben.

Quelle: Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel
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