Doppelt so viel Hartz IV

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Die Hartz-IV-Quote stieg bis 2015 in Herne auf 18,1 Prozent. (Foto: Archiv Wochenblatt)

Die Armut in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand von 15,7 Prozent angestiegen, so der Befund des aktuellen Armutsberichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der dieses Jahr wieder unter Mitwirkung weiterer Verbände und Fachorganisationen erscheint. Nach Aussagen des Verbandes markiert dieser Höchstwert einen mehrjährigen Trend wachsender Armut. Er fordert die Politik zu einem entschlossenen Handeln in der Arbeitsmarktpolitik, beim Wohnungsbau, in der Bildung und dem Ausbau sozialer Dienstleistungen und Angebote in den Kommunen auf.

Daniel Kleibömer, Direktkandidat der Linken zur Bundestagswahl und Mitglied im Sozialausschuss, erläutert: „Voraussetzung für eine offensive Armutsbekämpfung ist ein rigoroser Kurswechsel in der Steuer- und Finanzpolitik. Diese Position wird schon längere Zeit von uns im politischen Bereich eingefordert und bekommt durch diese Untersuchung weitere Aktualität.“ Kleibömer weiter: „Unter der Berücksichtigung der Bevölkerungszahl und der Bevölkerungsdichte müssen das Ruhrgebiet und Berlin als die armutspolitischen Problemregionen Deutschlands angesehen werden. In keiner anderen Region Deutschlands dieser Größenordnung wuchs die Armut im Zehn-Jahres-Vergleich mit 24,7 Prozent annähernd so stark wie im Ruhrgebiet (von 16,2 auf 20,2 Prozent). Jeder fünfte Einwohner dieses größten Ballungsraumes Deutschlands mit seinen über fünf Millionen Menschen muss damit rechnerisch zu den Armen gezählt werden.“

In der Raumordnungsregion Bochum/Hagen, zu der in dieser Untersuchung auch Herne gehört, stieg die Armutsquote von 15,1 Prozent im Jahr 2005 auf 19,4 Prozent im Jahr 2015. Damit stieg in dieser Region die Armutsquote um etwas mehr als 22 Prozent.

Der Anfang März veröffentlichte Bericht enthält auch die Entwicklung der sogenannten Hartz-IV-Quote für die Stadt Herne von 2005 bis 2015. Sie stieg von 16,2 Prozent auf 18,1 Prozent (eine Steigerung von rund 12 Prozent), während sie sich auf Bundesebene von 10,3 Prozent auf 9,4 Prozent verringerte. Kleibömer: „Das ist alamierend! Einerseits ist in Herne die Hartz-IV-Quote jetzt fast doppelt so groß wie auf Bundesebene. Andererseits steigt sie immer weiter an – entgegen dem Bundestrend.“
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