Für die europäische Idee

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Die Herausforderungen der Globalisierung skizzierte Norbert Lammert in seiner Rede im Kulturzentrum am 17. Februar. (Foto: Stefan Kuhn)

Gastredner beim Herner Forum im Kulturzentrum war der Bundestagspräsident. Norbert Lammert sprach vor 1000 geladenen Gästen. Sein Thema: Deutschland, Europa und die Herausforderungen der Globalisierung.

Norbert Lammert eröffnete seine Rede mit einem Versprechen. Sollte der Berliner Reichstag eines Tages für eine Bundesversammlung zu klein werden, würde er seinem Nachfolger empfehlen, ins Kulturzentrum auszuweichen. Der Bundestagspräsident widmete sich anschließend dem europäischen Integrationsprozess. Man könne die Wirklichkeit nur verändern, wenn man sie zunächst zur Kenntnis nehme, so seine Botschaft.

Im Anschluss beleuchtete er drei aus seiner Sicht wichtige Ereignisse, die allesamt in den ersten Wochen dieses Jahres stattgefunden hatten. Zunächst blickte er auf den Amts- und Regierungswechsel in den USA und ordnete diesen als Einschnitt und nicht als den routinemäßigen Übergang hin zu einer neuen Administration ein. Daneben ging der Bundestagspräsident auf die Regierungserklärung der britischen Premierministerin und den von ihr formulierten Austrittsantrag aus der Europäischen Union ein. Auch die mögliche Entscheidung des türkischen Parlaments, Machtverschiebungen durch eine Verfassungsänderung zuzustimmen, betrachtete der zweite Mann im Staat mit Sorge.



Danach kam Lammert auf die Themen der Globalisierung zu sprechen: „Für mich bedeutet Globalisierung der Hinweis darauf, wir leben heute in einer Welt, die größer ist, als sie jemals zuvor war. Und die zugleich kleiner geworden ist, als sie jemals zuvor war.“ Dieses scheinbare Paradoxon erklärte er mit den Quantensprüngen technologischer Entwicklungen, vor allem im Bereich der Informations- und Mobilitätstechnologien. Da Globalisierung möglich geworden ist, sei sie gleichzeitig unvermeidlich. „Die einzig spannende Frage ist, nehmen wir auf diese globale Welt selber Einfluss, oder nehmen wir das wie ein Naturereignis hin."

Globalisierung bedeute zugleich, dass die Nationalstaaten innerhalb weniger Jahre das verloren hätten, was jahrhundertelang den Kern ihres Geschäftsmodells ausmachte: ihre nationalstaatliche Souveränität. „Die verschiedenen Staaten auf dieser Welt unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass die einen souverän sind und die anderen nicht. Sie unterscheiden sich dadurch voneinander, dass die einen begriffen haben, dass sie nicht mehr souverän sind, und die anderen das nicht wahrhaben wollen“, so das Resümee des Bundestagspräsidenten. Europa hätte dies früher als die übrige Welt verstanden und das mache das europäische Modell so einzigartig und gleichzeitig so beispielhaft.
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