Keine Fachkräfte in Herne?

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Handwerksberufe wie der Eisenflechter (Foto) könnten bald echte Nachwuchs-Probleme bekommen, warnt die IG BAU. Die Gewerkschaft fordert die Arbeitgeber auf, die Baubranche attraktiver zu machen. (Foto: IG BAU)

Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Aber gilt das auch in Zukunft? Angesichts einer zunehmenden Akademisierung warnt die IG Bauen Agrar Umwelt (BAU) vor einer Fachkräftekrise für Handwerksbetriebe in Herne.

Die Gewerkschaft beruft sich auf Zahlen der Handwerkskammer Dortmund: In deren Bereich legten im vorletzten Jahr lediglich rund 3240 Auszubildende eine Abschlussprüfung ab, zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 4320. Das entspricht einem Rückgang von 25 Prozent. Dieser Schwund ist ein landesweites Phänomen: Zwischen 2010 und 2015 sank die Zahl der Gesellen-Prüfungen in Nordrhein-Westfalen um 13 Prozent.

Die IG BAU Bochum/Dortmund spricht von einem besorgniserregenden Trend. „Immer mehr Schulabgänger gehen lieber an die Universität statt in einen Handwerksbetrieb“, sagt Bezirkschef Heinz Wessendorf. Dabei biete etwa die Baubranche in Herne gute Verdienstmöglichkeiten und eine lange Karriere-Leiter. Per Aufstiegsfortbildung könne man es bis zum Polier oder Bauleiter bringen und dann sogar mehr verdienen als viele Architekten.

Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft waren im vergangenen Oktober 42 Auszubildende in der Stadt gemeldet. „Damit steht der Bau besser da als viele andere Handwerksbereiche. Trotzdem: Jeder zusätzliche Auszubildende wird gebraucht“, sagt der Gewerkschafter, „besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur.“ Zudem werde der Fachkräftebedarf angesichts geburtenschwacher Jahrgänge in den Neunzigerjahren weiter steigen.

Ein wichtiges Argument für eine Ausbildung, sei nach wie vor die Bezahlung, so Wessendorf. Die Verdienste der Auszubildenden lägen meist sogar über denen der Industrie. Im ersten Lehrjahr geht ein angehender Maurer oder Straßenbauer mit 755 Euro pro Monat nach Hause. Im dritten Ausbildungsjahr sind es sogar 1400 Euro. Damit sind Auszubildende im Bau laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Schnitt die Bestverdiener unter allen Auszubildenden. „Wer aber Fachkräfte in der Branche halten will, muss auch im Anschluss etwas tun. Der Einkommensabstand zwischen Industrie und Handwerk vergrößert sich seit Jahrzehnten“, betont Wessendorf. Die Rahmenbedingungen am Bau müssten darum entsprechend denen in der Industrie angeglichen werden.

Mehr Schulabgänger werde man nur gewinnen, wenn sich neben dem Einkommen auch die Arbeitsbedingungen und das Image der Branche verbesserten, ist die IG BAU überzeugt. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert. „Beim Bau denken viele an extremes Malochen. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. Maschinen und digitale Technik erleichtern das Arbeiten.“ Und wer auf dem Bau arbeite, komme auch herum und lerne das Land kennen. Bei der Arbeit auf auswärtigen Baustellen müsse der Chef mittlerweile auch die Unterkunft stellen und bezahlen, erklärt Heinz Wessendorf.

Quelle: IG Bauen Agrar Umwelt
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