Talente an Schulen besser fördern

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Das TalentKolleg Ruhr soll seine Heimat an der Viktor-Reuter-Straße finden und die Arbeit ab dem kommenden Schuljahr aufnehmen.

Herkunft entscheidet über Bildung: Kinder aus einem schwierigen sozialen Umfeld gehören überproportional häufig zu den Verlierern im deutschen Bildungssystem. Mit der Gründung des „TalentKollegs Ruhr“ möchte die Westfälische Hochschule in der Region an diesem Zustand etwas ändern.

Gute Gründe sprechen dafür, dass das „TalentKolleg Ruhr“ ab dem kommenden Schuljahr seine Arbeit an der Viktor-Reuter-Straße aufnimmt. Die negativen Auswirkungen des deutschen Bildungssystems treten in Herne deutlicher zutage als in vielen anderen Großstädten. Da allerdings praktisch überall im Ruhrgebiet vergleichbare Probleme zu beobachten sind, scheint der Sitz des Kollegs im Zentrum der Region gut gewählt.

Sozialer Hintergrund gibt Bildungsweg vor

Herne ist eine Stadt mit konstant hoher Arbeitslosigkeit. Im Dezember lag die Quote bei 12,7 Prozent. In der gesamten Metropole Ruhr erreichte lediglich Gelsenkirchen (13,3%) einen höheren Wert. Der Zusammenhang zwischen dem Heranwachsen in ärmeren Familien und Bildungsversagen ist in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Studien belegt worden. Darauf verweist auch Professor Dr. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule, mit einer Kampfansage an die herrschenden Verhältnisse: „Wir wollen nicht akzeptieren, dass der soziale Hintergrund den Weg vorgibt.“

Dazu gehört auch der Migrationshintergrund. Diesen besitzt in Herne nach Angaben von Schul- und Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff jeder zweiter Schüler. Tatsächlich schaffen aus dieser Gruppe jedoch nur 25 Prozent den Sprung aufs Gymnasium. In diesem Punkt schneide Herne auch im Vergleich zu den anderen Städten des Ruhrgebietes schlecht ab, stellt die Stadträtin fest.

Bernd Kriegesmann möchte erreichen, dass die Leistungen von Schülern stärker in den sozialen Kontext gesetzt werden. Kinder, die zum Beispiel in beengten Wohnverhältnissen mit vielen Geschwistern aufwachsen, hätten kaum die Möglichkeit, sich zum Lernen zurückzuziehen. In Zuwanderungsfamilien sei es zudem nicht unüblich, dass sie Aufgaben wie zum Beispiel Behördengänge erledigen und dadurch weniger Zeit zum Lernen hätten. Unter diesen Umständen sei ein Abitur mit einem Notenschnitt von 2,5 kaum schlechter zu bewerten als das Ende der Schullaufbahn mit einer 1,0 auf dem Dokument, findet Kriegesmann.

Wenige Wochen nach Beginn des Schuljahres 2015/16 soll die individuelle Förderung von bis zu 200 Schülern ab Jahrgangsstufe zehn am Kolleg starten. Sie erhalten Unterstützung in lernintensiven Fächern, werden im Umgang mit dem Computer geschult oder bekommen eine Anleitung zur Optimierung ihres Zeitmanagements. Ziel sei es, den Geförderten den Wechsel auf die Hochschule oder in eine Ausbildung zu erleichtern, erklärt Suat Yilmaz, der das Projekt als Talentscout begleitet.

Damit Kolleg und Schüler zueinanderfinden, ist das Projekt bei der Sichtung geeigneter Kandidaten auf die Mithilfe von Lehrern angewiesen. Jugendliche können aber auch selbst die Initiative übernehmen und sich an das Kolleg wenden, das an insgesamt drei Standorten für fünf Jahre mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 5 Millionen Euro durch die Essener Stiftung Mercator finanziert wird. Eine Fortsetzung über das Jahr 2020 ist offen. „Wir verlieren zu viele Talente beim Übergang von der Schule zur Hochschule aufgrund der sozialen Herkunft. Das ist weder moralisch noch politisch hinnehmbar“, sagt Yilmaz und liefert damit gute Argumente das Projekt langfristig zu fördern.
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