Wirtschaft sieht Chancen für einen Aufschwung

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Laut Ruhrlagebericht bewerten neun von zehn Unternehmen aus der Region ihre derzeitige Lage als "gut" oder "zufriedenstellend". (Foto: Olaf Ziegler)

Ein freundliches Konsumklima, Zufriedenheit in allen Wirtschaftsbereichen, ein optimistischer Blick in die Zukunft – und selbst die Wolken, die in den letzten Monaten den Konjunkturhimmel der Industrie trübten, verziehen sich langsam.

Zum Jahresanfang präsentiert sich die Wirtschaft an der Ruhr nicht nur in guter Verfassung, sondern sieht sogar Chancen für einen weiteren Aufschwung. Dies sind die zentralen Ergebnisse des Ruhrlageberichts, den die Industrie- und Handelskammern der Region der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Knapp 1000 Unternehmen mit mehr als 126000 Beschäftigten nahmen an der Umfrage teil.

Dass die Sonne derzeit scheint, zeigt ein Blick auf den Konjunkturklima-Index, der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen zusammensetzt: Er ist seit der Umfrage im Herbst 2016 um 5 auf 122 Punkte gestiegen. Seit Anfang 2011 lag der Wert nie höher. Neun von zehn Unternehmen bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als „gut“ oder „befriedigend“. Und trotz dieser positiven Bewertung gehen sogar 27 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich ihre Lage in den nächsten Monaten weiter verbessert. Die Zahl der Pessimisten liegt dagegen bei nur 11 Prozent.

Verzeichneten die Unternehmen zuletzt permanent sinkende Auftragseingänge, so ist dieser Trend inzwischen nicht nur gestoppt, die Industrie vermeldet endlich wieder eine deutlich gestiegene Nachfrage. Die Produktionskapazitäten sind unter dem Strich zu 83 Prozent ausgelastet. Besonders bemerkenswert ist, dass die Aufträge aus dem Ausland angezogen haben, was die Stimmung unter den Exporteuren anhebt.

Gleichzeitig verfällt niemand in Überschwang. Sowohl die Brexit-Verhandlungen als auch der sich abzeichnende neue wirtschaftspolitische Kurs der US-Regierung bringen Unsicherheiten, die sich derzeit nicht verlässlich abschätzen lassen. Drei von vier Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen zu den USA unterhalten, rechnen allerdings mit keinerlei negativen Auswirkungen in den nächsten Monaten.

Viel stärker sorgt die Unternehmen der sich mehr als nur abzeichnende Fachkräftemangel. Fast jeder zweite Firmen-Chef hat bei diesem Thema Sorgenfalten auf der Stirn. 21 Prozent der Unternehmen, sowohl aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche als auch aus der Industrie, gehen davon aus, in diesem Jahr mehr Arbeitskräfte zu brauchen. Doch ob diese Pläne spürbar auf den Arbeitsmarkt in der Region durchschlagen, ist mit einem Fragezeichen zu versehen: Insbesondere dem Handel und der Dienstleistungsbranche setzt der zunehmende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nach eigenem Bekunden zu. Ob der Bedarf gedeckt werden kann, ist deshalb fraglich.

Wie schon bei den letzten Umfragen hält das Dienstleistungsgewerbe die Spitzenposition der Zufriedenheit: Nur 6 Prozent der Unternehmen sprechen von einer schlechten Geschäftslage. Ein Viertel aller Firmen geht davon aus, dass sich die Lage in diesem Jahr sogar weiter verbessert. Das Dienstleistungsgewerbe konnte wie auch der Handel seine Umsätze steigern.

Noch ein Blick über die Grenzen: Es ist festzustellen, dass die Tendenz der Unternehmen, im Ausland zu investieren, abnimmt. Wenn investiert werden soll, dann zum Ausbau und zur Sicherung des Vertriebs und des Kundendienstes. Investitionen aufgrund von Kostenvorteilen bei der Produktion im Ausland verlieren an Bedeutung.

An die Adresse des Regionalverbandes Ruhr formulieren die IHKs die Erwartung, dass der in Arbeit befindliche Regionalplan Ruhr die Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen fördere. Der künftige Flächenbedarf der Unternehmen sei wegen der auf der Mehrzahl der Flächen vorhandenen Restriktionen nicht durch die ausschließliche Nutzung von Industriebrachen zu befriedigen. Die Nutzung des Freiraums zur Schaffung dringend benötigter Ansiedlungsflächen sei unverzichtbar. Diese Flächen seien planungsrechtlich zu sichern.

Damit die Innenstädte ihre Anziehungskraft nicht verlieren, setzen die IHKs auf eine Stärkung des Einzelhandels in den Städten und Stadtteilzentren gegenüber der grünen Wiese und ebenso gegenüber dem Internethandel. Das Internet habe die Probleme des stationären Einzelhandels in den letzten Jahren nochmals verschärft, die aktuelle Rechtsprechung zur Sonntagsöffnung tue dies ebenfalls. Die IHKs wünschen sich ein Ladenöffnungsgesetz, das den klassischen Einzelhändlern die rechtssichere Möglichkeit gibt, den Kunden ein attraktives Einkaufserlebnis zu bieten.
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