Auf einem guten Weg

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Gerade Eltern sollten mit der Aktion am vergangenen Montag für die besonderen Gefahren im Umfeld der Schillerschule sensibilisiert werden. (Foto: Stefan Kuhn)

Ausgerechnet auf den letzten Metern ist der Schulweg am gefährlichsten. Mit einer Aktion machten Lehrer und Schüler der Schillerschule auf diese Problematik aufmerksam.

Mit Warnwesten und Plakaten ausgestattet standen die Teilnehmer an der Aktion am vergangenen Montag vor Beginn des Unterrichts vor der Schillerschule. Gemeinsam zeigten sie Flagge gegen das hohe Verkehrsaufkommen vor Ort und warben für die Nutzung der Elternhaltestelle.

Diese wurde vor drei Jahren eingerichtet. Zwar sei der Verkehr vor der Schule danach ruhiger geworden, stellt Andreas Merkendorf fest, doch immer noch scheinen viele Eltern für die Problematik nicht ausreichend sensibilisiert worden sein. Merkendorf ist selbst Vater und wird von der Schillerschule als sogenannter Verkehrszähmer eingesetzt. Seine Botschaft: Viele Eltern nicht, wie wichtig es für die Entwicklung des Kindes ist, den Schulweg allein zu bewältigen. Dies stärke die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein.

"Eigenschaften, die in der Welt von morgen wichtiger sind denn je“, findet auch Henrich Kleyboldt, Pflegschaftsvorsitzender der Schillerschule. "Die Kinder sind stolz wie Bolle, wenn sie den Schulweg alleine zurücklegen.“ So lernen sie, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen und kommen wach und aufmerksam in der Schule an. Ein Baustein des Projekts sind Sterne, die die Klassen sammeln, wenn die Kinder mit Warnweste und zu Fuß in die Schule kommen. Bei einer mit der Klasse vereinbarten Zahl an gesammelten Sternen gibt es einen Ausflug zum Spielplatz oder auch mal keine Hausaufgaben. So haben die Kinder einen eigenen Anreiz, zu Fuß zu laufen. „Manchmal sind es dann die Kinder, die ihre Eltern erziehen und sie dazu bewegen, sie an der Elternhaltestelle abzusetzen“, so Merkendorf.

Wenn Kinder zumindest den letzten Teil des Schulweges zu Fuß bewältigen, entspannt das die Verkehrslage im direkten Umfeld der Schule. Der Elternparkplatz, der sich auf dem Parkplatz eines Supermarktes in der Nähe befindet, ist ein optimaler Ort zum Ausstieg. Von hier an stehen an allen wichtigen Abschnitten die Verkehrszähmer, die dafür sorgen, dass die Jungen und Mädchen auch die letzten Meter sicher bewältigen.

Durch diese Maßnahme ist die Zahl der heiklen Situationen direkt vor der Schule zurückgegangen, weil sich hier die Wege vieler Fahrzeuge und Kinder nun weitaus seltener kreuzen. Tatsächlich sorgt das Fahrverhalten vieler Eltern hier für eine noch höhere Gefährdung der Schüler. Wenn diese unter Zeitdruck unbedacht wenden oder ihr Auto über den Bürgersteig steuern, brauchen die Kinder oftmals einen Schutzengel.

Nach Angaben des Allgemeinen Deutsche Automobil-Clubs (ADAC) ist der Schulweg mit dem Auto gefährlicher als zu Fuß. Der ADAC beruft sich auf eine von ihm in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie der Bergischen Universität Wuppertal: Laut Statistischem Bundesamt kamen innerhalb eines untersuchten Jahres 10363 Kinder unter 15 Jahren im Auto ihrer Eltern zu Schaden – deutlich mehr als Kinder, die zu Fuß unterwegs waren.

Kurt Bodewig, von 2000 bis 2002 Bundesverkehrsminister, fordert Eltern ausdrücklich auf, den Schulweg zu trainieren. Zum Beispiel in den Ferien können Mutter oder Vater den Weg gemeinsam mit den Kindern morgens ablaufen, also dann, wenn die Verkehrsbedingungen ähnlich wie vor dem Beginn der Schule sind. Der einzige Unterschied: Solange der Schulweg von der Mehrheit der Klassenkameraden immer wieder mit dem Elterntaxi bewältigt wird, kann das Training in den Ferien die tatsächliche Situation während der Schulzeit nur bedingt simulieren.
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