Hilfe für Demente nach der Operation

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Die persönliche Begleitung von Risiko-Patienten durch Altenpfleger Meinolf Vöge nimmt den Betroffenen einen wesentlichen Teil ihrer Ängste. (Foto: Evangelisches Krankenhaus)

Rund 8000 Patienten werden pro Jahr im Evangelischen Krankenhaus operiert. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen besteht bei mehr als der Hälfte von ihnen das Risiko, ein post-invasives Delir, früher auch als Durchgangssyndrom bekannt, zu erleiden.

Um diesen problematischen Zustand und damit Folgeschäden zu vermeiden, hat das Evangelische Krankenhaus eine neue Stelle geschaffen: Ein examinierter Altenpfleger betreut Patienten mit einer Demenz oder kognitiven Einschränkungen vor, während und nach einem operativen Eingriff. Dieses Angebot ist bislang einmalig in den Krankenhäusern der näheren Region.

Meinolf Vöge ist Altenpfleger von Beruf. Er ist spezialisiert auf den Umgang mit älteren, dementen Menschen und weiß, wie belastend für diese Patientengruppe der Aufenthalt in einem Krankenhaus ist. Noch problematischer wird die Situation für einen dementen Patienten, wenn er sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen muss. Eine Operation bedeutet für jeden Menschen starken psychischen Stress, potenziert sich aber, wenn jemand keinen rationalen Zugang mehr zu seiner Umgebung hat. Denn mit einer Operation sind viele unterschiedliche Behandlungsphasen und Ortswechsel innerhalb des Krankenhauses verbunden, die die Verwirrtheitszustände eines desorientierten Menschen noch verstärken.

Die Aufgabe von Vöge ist, diese Patientengruppe vor, während und nach einem chirurgischen Eingriff zu begleiten. „Durch die intensive Begleitung nimmt der Patient ihn als eine vertraute Person wahr, bei der er Halt finden kann. Dies führt zu einer Verminderung der Ängste und damit zu einem verringerten Risiko, ein Delir zu entwickeln“, sagt Pflegedirektorin Beate Schlüter-Rickert.

Ein Delir kann dazu führen, dass der Patient ruhelos wird, dass er Halluzinationen hat oder sogar aggressiv wird. Eine andere Variante des Delirs kann sich in verminderter Aktivität, Apathie oder Sprachverarmung äußern. Letztere Form, das hypoaktive Delir, gilt als die problematischere, da sie im Klinikalltag nicht auffällt und dazu führen kann, dass wichtige Bedürfnisse des Patienten nicht wahrgenommen werden.

Hier setzt nun die Altenpflegefachkraft an, die den Patienten engmaschig betreut und seine vorhandenen Fähigkeiten unterstützt und fördert. Dabei arbeitet Meinolf Vöge eng mit den Medizinern aus der Unfallchirurgie und der Anästhesie zusammen. Von ihnen oder auch von dem Pflegepersonal der Zentralen Notaufnahme erhält er die Information, welche Patienten seiner Begleitung bedürfen. Darüber hinaus hilft ihm der tägliche Blick auf den Operationsplan, welche Patienten er darüber hinaus aufsuchen sollte, um nach dem Eingriff zu schauen, in welcher psychischen Verfassung der Betroffene ist. Auf diese Weise erhalten auch die Menschen eine verstärkte Aufmerksamkeit, die ein Delir entwickeln, das eher zum Rückzug als zur Verhaltensauffälligkeit führt.

Ein wesentlicher Faktor sind für Vöge außerdem die Angehörigen. Er bezieht sie grundsätzlich in seine Arbeit mit ein. Sie sind für ihn eine wichtige Informationsquelle, wenn es um die Ängste oder Vorlieben des Patienten gehen. „Für die Angehörigen wiederum ist es ein positives Gefühl, wenn sie spüren, dass ihre Meinung und Unterstützung gefragt sind“, erklärt der Altenpfleger.

Quelle: Evangelisches Krankenhaus Herne
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