Aikido: Kämpfen mit Köpfchen

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Freier Fall: Horst Glowinski bringt gleich zwei Gegner auf einmal aus dem Gleichgewicht. (Foto: KSV Herne)

Bei Kampfsportarten wie Judo, Karate oder Taekwondo denkt man meist an Situationen, in denen die Kämpfer mit Muskelkraft Angreifer entwaffnen und außer Gefecht setzen. Im Aikido wird genau das Gegenteil gelehrt.

Aikidoka nennt der Fachjargon den Kämpfer, der diese Form der Selbstverteidigung praktiziert. Er handelt schnell, seine Bewegungsabläufe sind fein aufeinander abgestimmt. Im besten Fall benutzt er die Kraft des Angreifers, um diesen aus dem Gleichgewicht zu bringen und dessen Attacke abzuwehren. Dies ist der Kern von Aikido.

Der Kampfsportverein Herne bietet die Kampfkunst bereits seit mehr als drei Jahrzehnten an. Der Verein ist einer der größten in Nordrhein-Westfalen. Trainiert wird zurzeit in den Flottmann-Hallen. Die Kämpfer verzichten unter der Anleitung der Trainer Horst Glowinski und Volker Tietz auf grobe Gewalt, dennoch kann es für den Angreifer schmerzhaft enden, wenn er auf einen Aikidoka trifft. Wenn es beim Training doch mal unangenehm werden sollte, gibt es die Regel, dass man zweimal mit der Hand auf den Boden klopft, dann lockert der Gegner seinen Griff sofort. Teil der Übungen ist auch die Fallschule, wie man sie zum Beispiel vom Judo kennt.

Vornehmlich geht es beim Aikido um den Selbstschutz. Aus diesem Grund gibt es auch keine Wettkämpfe. Jedoch kann man durch Prüfungen verschiedene Gürtel erhalten. Der weiße Gurt ist der niedrigste, der braune der höchste. Dan-Träger sind an einem schwarzen Rock zu erkennen. Horst Glowinski trägt den siebten Dan, niemand in Nordrhein-Westfalen besitzt einen höheren. Zu ihm kommen daher nicht nur Schüler aus Herne, sondern aus dem gesamten Bundesland. Übrigens: Den zehnten und damit höchsten Dan trägt derzeit niemand.

Da der KSV gute Beziehungen zu dem französischen Verein Cercle d'Aikido Traditionnel pflegt, treffen sich beide Gruppen regelmäßig. So wurden im vergangenen Jahr unter der Leitung des Danträgers Jaques Valere zum Beispiel Techniken mit dem Langstab trainiert. Der nächste Lehrgang wird im Mai kommenden Jahres beim Partnerverein, der seine Heimat in der Nähe von Bayonne hat, abgehalten.

Unter den 65 Mitgliedern des KSV finden sich alle Altersgruppen vom Kind bis zum Rentner. "Aikido ist was für Faule", sagt Volker Tietz mit einem Augenzwinkern. Er meint damit, dass im Prinzip jeder diese Kampfkunst ausüben kann.

Wer sich für Aikido interessiert kann dienstags oder donnerstags mal beim Training vorbeischauen. Kinder gehen um 18 Uhr in den Flottmann-Hallen auf die Matte, die Erwachsenen 90 Minuten später.

Text: Marina Radzki
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