Der Torwart ist kein Blinder

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Eine enge Ballführung und kurze Pässe sind beim Blindenfußball zu meist ein erfolgreiches Mittel um Tore zu schießen. Damit die Spieler sich orientieren können, geben ihnen Tor-Guides Hilfestellung, indem sie Anweisungen zurufen. Sie stehen hinter dem Tor. (Foto: Veranstalter)

Schon Sepp Herberger wusste: „Fußball ist deshalb so spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Diese Fußballweisheit gilt natürlich auch für den Blindenfußball, der darüber hinaus auch noch ein „Geheimnis“ birgt.

Das Geheimnis im Inneren des Balls sind mehrere Metallplättchen mit kleinen Kügelchen, die wiederum für ein rasselähnliches Geräusch sorgen. Der Ball wird von den Spielern rein über das Gehör wahrgenommen. Es handelt sich hier also um Fußball in absoluter Dunkelheit, etwa so, als würde das Flutlicht im Stadion ausfallen und die Begegnung dennoch vom Schiedsrichter angepfiffen.

Zu den Paralympischen Spielen 2004 in Athen wurde der Blindenfußball in den Kanon der olympischen Disziplinen aufgenommen. Ein Spiel dauert 50 Minuten, je Mannschaft stehen vier Feldspieler auf dem 20 Meter breiten und 40 Meter großen Spielfeld. Im Tor steht jedoch ein sehender Torwart. Er darf nur in seinem Strafraum ins Spiel eingreifen und diesen nicht verlassen.

Neben dem rasselnden Ball gibt der Tor-Guide oder „Caller“ seinen Mitspielern akustische Orientierung. Er steht hinter dem gegnerischen Tor und kann seiner Mannschaft im Angriffsdrittel Anweisungen geben. So sorgt er dafür, dass die Torposition durch Zurufe immer klar lokalisiert werden kann. Die Spieler des gegnerischen Teams müssen sich dem Ballführenden mit dem Ruf „Voy, voy, voy“ bemerkbar machen. "Voy" ist spanisch und heißt „Ich komme“.

Die Nachwuchsfußballer des ASC Leone werden sich am Freitag, 28. April, selbst in die Situation eines blinden Sportlers begeben. Mit verbundenen Augen werden sie erfahren, welche besonderen Herausforderungen dieses Spiel mit sich bringt. Das Training findet um 17.30 Uhr auf der Sportanlage an der Emscherstraße 115 statt. Besucher können mitspielen.

Der Ablauf sieht wie folgt aus: Begonnen wird mit einem 20-minütigen theoretischen Teil, danach werden Übungen mit Brille und Ball absolviert, bevor es schließlich zum Spiel kommt. Lange Bälle sind dabei weniger empfehlenswert. Stattdessen führt ein gutes Dribbling, den Ball eng am Fuß führend, eher zum Erfolg.

Das Förderprojekt „Neue Sporterfahrung“ führt die Deutsche Telekom bundesweit in Kooperation mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) durch. Roberto Ardu, Sportlicher Leiter Jugend- und Frauenfußball und Trainer der U17-Mädchen-Mannschaft des ASC ist begeistert: „Mit dieser Trainingseinheit ermöglichen wir den Jugendlichen, neue Erfahrungen zu sammeln und Berührungsängste gegenüber Menschen mit Einschränkungen abzubauen. Außerdem werden Werte wie Toleranz, Verständnis und Hilfsbereitschaft gestärkt.“

Mit diesen gemeinsamen Trainingseinheiten soll Jugendlichen gezeigt werden, welche Leistungen behinderte Sportler erbringen, indem sie selbst ausprobieren, wie anspruchsvoll eine Orientierung ohne Sehvermögen ist. Angeleitet von Blindenfußballspielern machen sie erste Erfahrungen mit der Lebenswelt blinder und sehbehinderter Menschen, was den integrativen Charakter der Maßnahme unterstreicht. „Wir nehmen mit dem Projekt unsere unternehmerische und soziale Verantwortung wahr, indem wir bei jungen Menschen soziale Kompetenzen wie Fairness und Respekt verstärken“, begründet Stephan Althoff, Leiter Konzernsponsoring der Deutschen Telekom das Engagement.

Die „Neue Sporterfahrung“ wurde 2009 ins Leben gerufen. Im Rahmen des langfristig angelegten Projekts wurden an weiterführenden Schulen die Sportarten Rollstuhlbasketball und Blindenfußball unterrichtet. Seit 2013 bietet die Telekom auch Vereinen die Möglichkeit, eine Einheit Blindenfußball ins Training zu integrieren.

Daniel Hoß, Spieler des PSV Köln in der Blindenfußballbundesliga und von Geburt an blind, hat schon selbst an diesem Projekt teilgenommen. Er sagt: „Für mich ist es sehr wichtig, bestehende Vorurteile abzubauen und den normalen Menschen zu zeigen, was Blinde im Sport und im Alltag leisten können.“

Bisher habe er sehr positive Erfahrungen gemacht. Alle Jugendlichen seien zunächst ein wenig zurückhaltend, aber nach kurzer Zeit tauten Sie auf. „Für die meisten bin ich der erste Kontakt mit einem Blinden und Sie wissen nicht, wie sie am besten damit umgehen sollen. Am Ende jeder Einheit machen die Jugendlichen keinen Unterschied mehr zwischen ihren Mitspielern und mir", so Hoß.

Quelle: ASC Leone
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