"Engel der Themse" von Anne Beckenridge: Buchkritik

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Der erste viktorianische London-Krimi von Anne Beckenridge ist sprachlich anspruchsvoll, sozialkritisch und ungemein unterhaltend. (Foto: Dryas-Verlag)

Über Serienmörder schreiben Krimiautoren bekanntlich gerne, auch peppen viele Thriller-Lieferanten ihre Geschichten auf, in dem sie sie in frühere Epochen verlegen. So könnte der erste London-Krimi von Anne Beckenridge, der 1864 spielt, vom Reißbrett stammen, doch das Gegenteil ist der Fall. "Engel der Themse" ist feines Futter für Leseratten, weil die Autorin fesselnd schreibt und spannend erzählt, ihre Figuren Charakter haben und zu atmen scheinen.

Im viktorianischen London verschwinden immer wieder Kinder. Wenn es sich um die Ärmsten der Armen handelt, interessiert das niemand. In den Slums, und dazu gehört das Gebiet am Fluss, ist die Armut eine Geißel. Erst als der kleine Sohn eines Lords verschwindet, werden die Behörden aufmerksam.
"Engel der Themse" erzählt die Geschichte zweier Geschwister, die sich alleine durchschlagen müssen. Prügel, Hunger, Elendsquartiere, sexuelle Ausbeutung erleben Gladys und ihr etwas jüngerer Bruder. Sie treffen auf Emma, die widerwillig als Küchenmädchen im Haus des Lords arbeitet. Die Intrige, in die Emma hineingezogen wird, hätte Charles Dickens bestimmt gefallen.
"Engel der Themse" ist in jeder Hinsicht überzeugend. Dass die Autorin schon von ihrem Verlag gebeten wurde, eine Fortsetzung zu schreiben, ist überaus erfreulich.
Das Taschenbuch, 272 Seiten, ist im Dryas-Verlag erschienen und auch als E-Book erhältlich.

Hinter dem Pseudonym steckt Christiane Dieckerhoff, bekannt durch ihre Spreewald-Krimis.
Ein Interview mit der in Datteln lebenden Autorin lesen Sie auf diesem Portal: http://www.lokalkompass.de/herten/kultur/kinder-ve...
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2 Kommentare
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Lutz Heinemann aus Recklinghausen | 25.10.2016 | 01:19  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 25.10.2016 | 02:19  
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