Westfälischer Tag der kleine Gattung - ein Nachbericht aus Sicht eines Teilnehmers!

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Westfälischer Tag der kleine Gattung - Aphoristiker aus NRW treffen sich in Hattingen
Erfahrungsbericht aus Teilnehmersicht
Knapp 20 Menschen trafen sich am Samstag, 20. April, in Hattingen zum Austausch über die kleine literarische Gattung aus westfälischer Sicht. Ich hatte eher mehr Teilnehmer erwartet! Dr. Jürgen Wilbert und Dr. Friedemann Spicker, Vorstandsmitglieder des veranstaltenden DAPhA (Deutsches Aphorismen Archiv), gestalteten und moderierten den Tag. Nach der Begrüßung und einführenden Worten der Kulturdezernentin der Stadt Hattingen gab es eine Vorstellungsrunde der Anwesenden. Die von Dr. Wilbert gewünschte aphoristische Kürze gelang dabei nicht immer. Der sich anschließende Vortrag von Dr. Spicker zu den westfälischen „Vorfahren“ und Vertretern der Aphorismen ab 1730 bis zum Ende der des 19. Jahrhunderts, gespick(er)t mit Daten, Beispielen und Einordnungen, erforderte ein hohes Maß an Geduld und Konzentration! Nach mehr als 1 Stunde lieferte Dr. Wilbert in erfreulich erfrischender(er) Form mit musikalischen Zwischentönen von Wolfgang Wittmann, Gitarre, & Robert Scholtes, E-Piano, einen Überblick über die neuzeitlichen Autorinnen und Autoren bis hin zu den Anwesenden, die kurz mit je drei ausgewählten Aphorismen vorgestellt wurden.
Nach einem leckeren, dank großzügigen Sponsorings kostenfreien, Mittagessen ging es in die – für mich wieder eher ermüdende – Aufarbeitung des Vortrags von Dr. Spicker. Nach einem – von mir – eingebrachten Aspekt der Vermarktung von Aphorismen wurde es lebhafter und konkreter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sammelten Ideen und tauschten sich über Erfahrungen aus. Es wurde klar, dass die kleine Kunstform des Aphorismus oft nur in Verbindung mit anderen Künsten (Fotografie, Musik) zur Geltung kommt. Eine Idee war, zu einer Aktion Plakatwände anzumieten. Der Ort der Präsentation spielt auch eine Rolle, so ist Düsseldorf (z.B. beim Bücherbummel) besser geeignet, als kleinere Städte.
Nach einem Umzug in die Räume des DAphA ging in es in kleiner gewordener Runde (einige Teilnehmer waren nach dem Mittagessen aufgrund anderer Verpflichtungen aufgebrochen) darum, wie ein Aphorismus entsteht. Die anwesenden Autorinnen und Autoren und interessierten Gäste kamen zur Überzeugung, dass Auslöser für einen Aphorismus oft Ärger über einen Begriff oder Zustand ist und eher zufällig, nach kürzerer oder längerer „Inkubationszeit“ entsteht. Fertig ist der Aphorismus häufig erst dann, wenn es die Autorin, der Autor beschließt und sich z.B. dazu entscheidet, den Aphorismus/ die Aphorismen zu veröffentlichen.
Nach der theoretisch/praktischen Diskussion kamen die anwesenden Autorinnen und Autoren im MuseumsCafé mit ihren Texten zu Wort, nicht anwesende Autoren wurden durch andere vorgestellt. Leider waren wir fast unter uns! Der Zeitpunkt – 17:30 Uhr am Samstag - war wohl, zumal bei dem guten Wetter, eher unattraktiv. Da hätte ich mir einen anderen (wertschätzenderen) Rahmen gewünscht – z.B. vor Beginn des Abendprogramms und/oder in der Pause des Kabarettprogramms.
Das Abendprogramm mit dem – mir bis dahin völlig unbekannten - Kabarettisten Matthias Reuter und seinem neuem Solo(kurz)programm „Die Menschen sind ‘ne Krisenherde“ war ein Publikumsmagnet und ein echtes Highlight des Tages! Mit unglaublicher Geschwindigkeit, Witz, toller Musik und Charme vergingen die knapp zwei Stunden (incl. Pause) wie im Flug! Da hat Dr. Wilbert mal wieder ein absolut sicheres Gespür für Qualität bewiesen!
Abschließendes persönliches Urteil für den Tag: eine glatte Zwei – mit dem klaren Wunsch nach mehr Praxis und weniger Theorie – frei nach dem Motto: „Weniger ist mehr“!! Ein „Mehr“ hätte ich mir auch bei den Teilnehmern gewünscht und an Zuhörern bei der Lesung!

Helmut Peters, Herten
www.helmutpeters.kulturserver-nrw.de
www.jammernweb.org
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