Alter – kannst du noch Auto fahren?

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Herten: Herten |

-Sind Straßenrowdies immer jung? –


Eine Geschichte

Es war einmal ein in die Jahre gekommener Gentleman… nennen wir ihn mal Hubert.
(Name und Person sind frei erfunden)
Opa Hubert ist 75 Jahre alt und hält sich für einen ausgesprochen guten Autofahrer. Toll, denkt sich ein Jeder, dem er es nur zu gerne erzählt. In dem Alter noch das Seh- und Hörvermögen eines beispielweise 30jährigen zu haben ist doch super. Wer kann das noch von sich behaupten? Das Gleiche gilt für das Reaktionsvermögen, dass noch astrein laut Opa Hubert funktioniert.

Trotzdem ist unser Opa ein sehr vernünftiger Autofahrer, schließlich vermeidet er, soweit es eben geht unbekannte Wegstrecken und Fahrten im Dunkeln. Bei Regen und Schnee bleibt das so wichtige Automobil ebenfalls stehen. Schließlich ist er ja nicht mehr der Jüngste und extra ein Risiko eingehen, kommt für ihn nicht in Frage.

Aber wenn er mal unterwegs ist, läuft doch alles hervorragend. Gemächlich tuckert er, den Hut tief ins Gesicht gezogen mit 40 km/h über die Hauptstraße. Hinter ihm bildet sich langsam aber sicher eine immer länger werdende Karawane, die eigens für ihn ein Hubkonzert veranstaltet. Was für freundliche Autofahrer es heutzutage gibt, denkt sich unser Opa noch, (Entschuldigung an dieser Stelle. Ich denke keinesfalls, dass ältere Autofahrer automatisch blöd sind) als im nächsten Moment ein jüngerer Autofahrer bei Überholverbot mit Vollgas an ihm vorbeiprescht. Opa Hubert zuckt leicht verärgert und mit erhöhtem Puls die Schultern. Immer diese Verkehrsrowdies denkt er nun. Die jungen Leute haben einfach keinen Respekt und nie haben sie Zeit. Währendessen wird das Hubkonzert lauter. Man kann das Aufatmen und die Konzentration auf das eigene Gaspedal der anderen Verkehrsteilnehmer deutlich spüren, als Opa Hubert endlich den Blinker links setzt und in die nächste rechte Strasse abbiegen will. Die gesamte Truppe muss auch nur noch einmal kräftig abbremsen, als Opa Hubert vor der Kreuzung komplett zum Stehen kommt um das Lenkrad nach rechts einzuschlagen, damit er kurz darauf im Schneckentempo von 5 km/h den Abbiegevorgang beginnen kann. Gleichzeitig lenken und abbiegen schien ihm an dieser Stelle doch etwas übertrieben…

Wer jetzt behauptet so eine, oder ähnliche Situation nicht schon mal erlebt zu haben, dem glaub’ ich nicht. Mir passiert es fast täglich (nicht ganz so übertrieben) und das bei einer normalen Verkehrsituation, ohne unvorhersehbarer Ereignisse.

Gut, einige mögen nun behaupten, dass es nur eine Geschichte war und nicht der Realität entspricht. (zur Kenntnis genommen)

Was nun folgt ist mir heute morgen tatsächlich passiert:

Ich war auf dem Weg zum Einkaufen nach Aldi-Süd, als ich am Süder Markt zum stehen kam. Die Baustellenampel kurz dahinter stand auf Rot, was seit einigen Wochen für regelmäßigen Stau an dieser Stelle sorgt. Ich hielt also vor der Einfahrt auf dem Marktplatzparkplatz an, damit die Autofahrer, die ihn verlassen oder befahren wollten an mir vorbeikamen. Ich hatte quasi den Platz in der ersten Reihe, als ich Folgendes beobachtete:

Ein betagter Autofahrer im schwarzen Auto kam vom Süder Markt. (die Straße war gerammelt voll) Er stand dort eine ganze Weile und ich sah ihm seine Nervösität regelrecht an. Soll ich? Oder soll ich nicht? Kurz entschlossen, mit neu gefasstem Mut trat er auf’s Gaspedal und kam quer und ruckartig zum stehen, als (ganz plötzlich und total unerwartet) ein silbergrauer Kleinwagen in den Süder Markt einbiegen wollte. Auch dieser kam schnell zum Stehen und die Fahrerin deutete ihm an, ihm Vorfahrt zu gewähren. Voller Erleichterung gab der Rentner erneut Gas und legt eine Sekunde später eine Vollbremsung hin, als ihm wieder ein Auto entgegenkam. Das es auch Autos gab die geradeaus weiterfahren und seinen Weg kreuzen konnten, war ihm bei dieser ganzen Aufregung wohl entgangen.

Ein Gutes hatte das Ganze dennoch! Ich war danach trotz frühmorgendlicher Stunden hellwach und hochkonzentriert auf den Straßenverkehr. Wenigstens ein paar von uns müssen schließlich aufpassen derartige Unfälle zu vermeiden.

Natürlich verurteile ich derartig verunsicherte Autofahrer nicht. (dieser Bericht ist ganz sicher nicht böse gemeint) Ich verstehe sie sogar sehr gut, dass sie das meistens letzte bisschen Freiheit und Unabhängigkeit nicht aufgeben wollen.
Andersherum müssen, diese aber auch verstehen, dass jüngere Autofahrer berechtigterweise um ihre Verkehrsicherheit besorgt sind.

Autos müssen regelmäßig zum TÜV. Warum nicht auch Autofahrer?

Berufskraftfahrer müssen sich alle 5 Jahre einer Gesundheitsprüfung unterziehen, bei der die körperliche Verfassung, sowie das Reaktionsvermögen geprüft werden. Fallen sie durch oder nehmen sie nicht daran teil ist der Führerschein weg.

Damit will ich nun keinesfalls sagen, daß den älteren Autofahrern der Führerschein entzogen werden sollte oder sie sich teuren Prüfungen unterziehen sollen.

Ich möchte nur darauf hinweisen, dass Unsicherheit und Fahrspaßverlust unötig ist. Es gibt spezielle Verkehrssicherheitsprogramme, die größtenteils sogar kostenlos angeboten werden.

Wer Interesse an dem einen oder anderen Kurs hat kann sich unter folgenden Organisationen Informationen anfordern:

Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V.
ADAC e.V.
Deutsche Verkehrswacht e.V.
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2 Kommentare
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Melanie Gaber aus Herten | 12.11.2013 | 22:20  
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Melanie Gaber aus Herten | 13.11.2013 | 08:13  
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