Am Ende!

Anzeige
Am Ende!
Es ist geschehen. Das was mich immer mit Angst erfüllt hat ist nun eingetreten. Was wird jetzt passieren? Angst ist es eigentlich nicht, die mich erfüllt, eher Neugierde. Sicher habe ich mein Leben nicht perfekt hinter mich gebracht, aber wer kann das schon von sich sagen? Jedenfalls habe ich mich bemüht und darauf kommt es schließlich an, oder? Bald werde ich es genau wissen. Zu früh für meine Begriffe, aber finden wir es nicht immer zu früh, wenn das Ende da ist und wir gehen müssen?

Langsam löst sich mein Astral Körper von meinem toten Leib, indem er sein Leben nun hinter sich gebracht hat. Als ich mich umsehe, entdecke ich meinen Großvater, der mir seine Hand entgegen streckt. Habe ich es doch geahnt. Einer unserer Lieben, die uns voraus gegangen waren holt uns ab an der Schwelle und begleitet uns hinüber. Wie schön ist es ihn wieder zu sehen, tausend Fragen habe ich, aber er lächelt nur. „Später“, sagt er. „Du bist noch genauso ungeduldig wie immer, daran wirst du arbeiten müssen.“ Meine Freude ihn zu sehen kann nichts trüben, nicht mal dieser leise Tadel.


Opa!
Unglaublich leicht ist mir zu Mute. Helligkeit umgibt mich und ich verspüre nur Freude, weder Schmerz noch Unmut. So ist es also Tot zu sein, oder Frei? Opa führt mich in eine Art Restaurant und alle meine Verwandten erwarten mich dort. Alle? Nein, Oma fehlt, entdecke ich, als ich mich suchend umsehe. Auch meine anderen Großeltern sind nicht hier. „Sie wollten nicht kommen“, entgegnet Opa, als er meinen erst suchenden, dann fragenden Blick bemerkt. „Auch hier herrscht der freie Wille.“ Nachdem wir eine Weile unser Wiedersehen genossen haben, verabschiedet sich einer nach dem anderen. Als ich schließlich mit Opa allein bin, fragt er mich: „Welche Aufgabe möchtest du übernehmen?“ Nachdem ich eine Weile überlegt habe, entgegne ich: „Ich möchte mit Menschen arbeiten, das habe ich immer gerne gemacht.“ Opa sieht mich ernst an. „Möchtest du ein Begleiter werden?“ „Begleiter, was ist das“ frage ich zurück? „Ein Begleiter holt die Seelen ab, nachdem sie verstorben sind und begleitet sie in die Ewigkeit. Stell dir das aber nicht so leicht vor, nicht alle gehen gerne hinüber.“ „Werden sie denn nicht von ihrem Lieben abgeholt“, will ich wissen? Manche haben niemanden. Er blickt mich überlegend an. „Stell dir Katja, deine Tochter vor.“ Oh je, stimmt, wer sollte sie holen, ich, die sie das ganze Leben abgelehnt hatte sicher nicht. Gab es außer Achim, ihrem Mann und ihren Kindern überhaupt jemand, der Katja mochte. Mir fiel niemand ein. Betroffen schaute ich Opa an. „Siehst du, es gibt einige ungeliebte Seelen und oft sind sie auch nicht schuldlos daran, geholt werden müssen sie trotzdem und da jemand statt deiner einst Katja holen muss wäre es vielleicht fair, wenn du das bei anderen machen würdest, die ihre Kinder nicht holen wollen.

Petrus!
„Das möchte ich gerne versuchen, zeigt mir jemand wie es geht?“ Opa nickt. „Komm mit“, fordert er mich auf. Wir verlassen das Restaurant und begeben uns in ein Büro Gebäude. „Das ist die Buchhaltung“, klärt Opa mich auf. Staunend sehe ich mich um. Wir durchqueren das Büro und betreten das Chefzimmer. „Das ist Petrus“, stellt Opa den weißhaarigen korrekt in einen grauen Flanell Anzug gekleideten Herrn vor, der mich gespannt durch seine Gold umrandete Brille betrachtet. „Meine Enkelin“, ergänzt Opa mit einer Geste auf mich. Petrus glattes Gesicht verzieht sich und etliche Lachfältchen lassen den etwas jugendlichen
Eindruck verschwinden. „Du schreibst doch diese Geschichten, in denen ich immer mit einem langen grauen Bart vorkomme“, erinnert er sich amüsiert. „Richtig, so stellt man sich dich im allgemeinen vor“, antworte ich nun auch lachend. „Willkommen in der Realität“, schmunzelt Petrus. „Was glaubst du erst, wie sie staunt, wenn sie den Chef sieht“, wendet er sich lachend an Opa. „Oh je, ich vermute er sitzt nicht den ganzen Tag auf seinem goldenen Thron“, glaube ich nun zu wissen. Petrus lacht laut auf. „Oh nein, dann ginge es hier sicher drunter und drüber. Aber wenden wir uns nun Euch beiden zu, was kann ich für euch tun?“ „Meine Enkelin möchte auch Begleiter werden, darf ich sie einweisen?“ „Das ist eine gute Idee, du kennst sie schließlich schon, dann mal los ihr beiden“, mit diesen Worten reicht er Opa eine Akte, die dieser an mich weiter reicht.


Selbsterkenntnis!
Wir verließen das Chef Büro und Opa zeigte mir das Unsrige. Dann überflog er die mitgebrachte Akte und reichte sie mir. „Was hältst du davon“, wollte er wissen und reichte sie mit herüber? Ernst las ich den Lebenslauf eines sechzehnjährigen Mädchens, das aus Liebeskummer seinem Leben mit den Tabletten ihrer Mutter ein Ende gesetzt hatte. Als ich die Akte niederlegte, brauste ich sogleich auf. „Dieses dumme Gör, wirft sein Leben so sinnlos fort und ich hätte gerne noch einige Jahre gelebt“, sprudelte es aus mir heraus. Opa blickte mich ruhig an. „Das würdest du dem unglücklichen Mädchen sagen“, wollte er wissen? „Wo bleibt dein Mitgefühl, warst du nie an der Stelle, an der du alles in Frage gestellt hast?“ Betroffen schwieg ich still und ging in mich. Wie war das bei mir mit 16 Jahren? Da gab es Rainer, der mich in der Nacht, in der wir unsere Verlobung besprachen mit meiner Freundin betrog. Damals hatte ich auch daran gedacht, meinem Leben ein Ende zu setzten. Was, wenn mein Wille nicht so stark gewesen wäre, wenn ich auch diesen Schritt gemacht hätte. Damals hatte ich auch gedacht, mein Leben liege in Scherben, die sich nie wieder zusammen fügen lassen. Dann zehn Jahre später, als meine erste Ehe scheiterte, auch da hatte ich diesen Gedanken, aber wieder krempelte ich die Ärmel hoch und begann von vorn und dann trat Hagen in mein Leben und erfüllte es mit neuem Sinn. Noch einmal stand ich vor diesem Schritt, als meine Neurodermitis mich dermaßen quälte, das ich erwog aus dem Fenster zu springen, um meiner Pein ein Ende zu bereiten. Woher sollte ich wissen, dass ich danach einige Jahre ohne Beschwerden sein würde. Betroffen schaute ich Opa an, wieder einmal, wie damals, als wir noch in der Welt lebten, hatte er es geschafft, mich ohne Vorwurf zum Nachdenken zu bringen. Er lächelte und es kam kein Kommentar, denn er sah, ich hatte verstanden.


Mein neuer Job
Fall1!
„Nun komm, es ist Zeit, bis jetzt lag sie im Koma, nun wird sich ihre Seele von ihrem Körper lösen und dann soll sie nicht allein sein. Ihre Verwandten leben alle noch und ihre Ur Großeltern haben sie nicht mehr kennen gelernt, deshalb ist es nun an uns, sie hier willkommen zu heißen.“ Er nahm mich bei der Hand, die Umgebung löste sich vor meinen Augen auf und dann standen wir in einem Krankenzimmer. „Hallo Sarah“, ich trat auf sie zu und umarmte sie mit tiefem Erbarmen im Herzen. Die Türe flog auf und eine Frau stürzte herein. „Sarah“, schrie sie, „was hast du getan?“ Die Seele in meinem Arm zitterte. „Ach Mutti“, weinte sie, „ich konnte nicht mehr weiter.“ Die Szene hatte sie einen Moment lang abgelenkt. Nun wendete sie sich mir zu. „Wer bist du“, wollte sie nun wissen? „Wir wurden geschickt, um dich abzuholen und in die Ewigkeit zu begleiten“, erklärte ich ihr nun. Opa reichte nun jedem von uns eine Hand und im nächsten Moment fanden wir uns in einer wunderschönen Berglandschaft wieder. „Warte einen Moment hier“, bat mich Opa. „Sarah soll hier erst einmal einige Tage Urlaub machen“ und er brachte sie in einen Bauernhof, wo die Bäuerin sie in Empfang nahm. Als er zurückkam fasste er wieder meine Hand und wir fanden uns in unserem Büro wieder. „Weißt du, was ich nicht verstehe“, wendete ich mich an ihn? „Frag nur“, bot er an. „Es heißt immer, Selbstmord ist eine Todsünde und dann wird Sarah mit einem Urlaub belohnt?“ „Neidisch“, lächelte Opa? „Ach wo, ich möchte es nur verstehen“, entgegnete ich. „Gott ist in erster Linie die Liebe“, erklärte Opa, „was nicht bedeutet, das er nicht ab und zu mal die Geduld verliert“, lächelte Opa. „Wir als seine unzähligen Kinder sind manchmal ganz schön anstrengend.“ „Wem sagst du das“, lachte ich zurück und wir sahen und verständnisinnig an.

Fall 2!
Es klopfte und ein Bote brachte eine neue Akte. Opa wies auf mich und er händigte sie mir aus. Als ich mich darin vertiefte und sie gelesen hatte war ich erschüttert. „Was hast du“, wollte Opa wissen? „Es ist Gitta“, sagte ich nur. „Gitta, welche Gitta“, fragte Opa nach, „kennst du sie?“ Ich nickte. „Gitta war auch ein Fotomodell, sie nahm im Gegensatz zu mir alle Aufträge an und hatte viel Erfolg und Geld.“ „Hat es sie glücklich gemacht“, wollte Opa wissen? „Scheinbar nicht, hier steht, sie wurde mit dem Alter nicht fertig, begann erst Drogen zu nehmen und dann zu trinken.“ „Was wir erstrebenswert finden, ist nicht immer gut für uns“, meinte Opa. „Willst du sie alleine holen“, wollte er wissen? „Oh nein, bitte begleite mich“, bat ich ihn. Er ergriff meine Hand und wir befanden uns in einer fremden Wohnung. Sie war sehr elegant, aber auch sehr unordentlich. Auf dem Sofa lag eine Frau. Sie trug einen eleganten Hausanzug, der ihre aufgedunsene Figur umspannte. Ihre blondierten Haare waren dünn und ungepflegt. Sie trug Schminke, die aber verlaufen war und den grotesken Anblick noch unterstrich. Als ihr Astral Körper sich löste, blickte sie sich verwirrt um. Dann erblickte sie uns und stutzte. „Kennen wir uns nicht“, wollte sie wissen? „Aber sicher“, entgegnete ich herzlich, „ich habe in der Brücke immer Currywurst mit Pommes gegessen, um dich zu ärgern, na, dämmert es bei dir?“ Sie dachte nach, dann erhellte sich ihr Gesicht. „Du bist Gitte, stimmt es?“ „Stimmt“, pflichtete ich ihr bei, „aber nun komm, lass uns gehen.“ „Gehen“, echote sie, „wohin gehen, ich gehe nirgendwo hin, schau mich nur an, was aus mir geworden ist.“ Unglaublich traurig sah sie nun aus. Ach je, sie hatte scheinbar überhaupt nicht begriffen, das sie tot war. Hilfe suchend blickte ich zu Opa. Der trat nun näher. „Bei uns spielt es keine Rolle, wie deine Hülle aussieht“, sagte er. Gitta blickte ihn irritiert an. „Das Aussehen spielt immer ein Rolle“, meinte sie traurig. „Wenn du nicht schlank genug bist, nicht strahlend genug, bekommt deinen Job eine andere und du kannst verhungern. Deine Freunde verschwinden und du bist allein.“ Nun weinte sie doch tatsächlich. Hilflos nahm ich ihre Hand und streichelte sie. Opa nahm sie bei der anderen Hand und erklärte ihr: „Dort, wo wir nun hingehen, fragt keiner nach deinem Äußeren, nur die innere Gitta zählt da, das kleine ängstliche Mädchen.“ Zuerst sah es aus, als wolle sie aufbegehren, dann jedoch fiel sie in sich zusammen. Resigniert nahm sie nun Opas Hand und meinte.“ Gehen wir.“ Wir landeten dieses Mal eine einer Art Sanatorium. „Hier habe ich jemanden, der dringend aufgepäppelt werden muss“, wendete sich Opa an einen herbei eilenden Mitarbeiter. Der nahm sich nun Gittas an und begleitete sie hinein. „Auf zu neuen Taten“, sprach Opa.


Überraschung!
In unserem Büro wartete im Moment keine neue Arbeit auf uns. „Prima“, meinte Opa, nun kann ich dir in aller Ruhe deine Wohnung zeigen. Wir gingen eine Weile und die Gegend kam mir immer bekannter vor. Beklommen bemerkte ich, dass es genau so aussah, wie dort, wo ich gewohnt hatte. Richtig, ich wohnte in der gleichen Wohnung wie auf Erden. „Überrascht“, fragte Opa? „Na du bist gut, ich habe die gleiche Wohnung wie unten, wie früher?“ „Genau, mit deinem Fortgehen ändert sich ja nichts, dachtest du, ich bin tot und nun habe ich keinen bösen Nachbarn mehr, nein, so einfach ist das nicht, der Tot ändert NICHTS.“ „Wie kann das gehen, sie leben doch noch“, wollte ich erstaunt wissen. „Ja, sie leben noch, es ist nur ihre Seele hier. Alle Seelen sind hier“, begreifst du nun? Die Erde ist vergänglich, das hier nicht. Auf der Erde wird der Grundstein gelegt, für euer Zusammen leben hier.“ Das musste ich erst einmal verdauen. „Wenn wir das gewusst hätten“, begann ich. „Was wäre dann“, hakte Opa nach? „Glaubst du, dann würde man anders handeln? Weiser vielleicht? Das glaube ich nicht. Du kennst dich ja aus. Ruh dich aus, ich hole dich, wenn es wieder Arbeit gibt.“ „Danke, das muss ich erst verarbeiten“, verabschiedete ich mich von Opa.


Fall Nummer 3!
Mitten in der Nacht schellte es. Als ich mich über die Sprechanlage meldete, hörte ich Opa rufen:“ Komm schnell, ein Notfall.“ Schnell fuhr ich in meine Garderobe und rannte hinaus in die Nacht. Opa griff meine Hand und in der nächsten Sekunde befanden wir uns in einem Schlafzimmer. In einer Blutlache lag eine Frau, die gerade ein Kind geboren hatte und dieses starb nun. Von einem winzig kleinen Körper löste sich ein kleiner Geist. Ich fing ihn ein und wir reisten mit ihm zurück. In meiner Wohnung ließ ich ihn aus meiner Hand und böse sah er mich an. „Du willst mich sicher auch nicht“, sprach er halb böse, halb traurig zu mir? „Wie kommst du denn darauf, ich habe dich doch gerade erst kennen gelernt“, gab ich ziemlich verblüfft zurück. „Niemand will mich, ich habe es ja täglich gehört. Was soll ich mit einem Kind? Das vermasselt mir nur die Figur, ich werde es schon loswerden und das hat sie ja auch geschafft.“ Hilfe suchend blickte ich Opa an, doch der sah auch ziemlich ratlos aus. Da schellte es erneut.


Überraschende Wende!
„Was ist denn hier schon wieder für ein Lärm?“ Ausgerechnet, mein nerviger Nachbar, Herr Schlattke, konnte er nicht mal hier in der Ewigkeit Ruhe geben?“ Gerade setzte ich an, ihm gehörig die Meinung zu sagen, als mein Blick auf Opa fiel. Er bedeutete mir zu schweigen, was ich dann auch ein wenig verärgert befolgte. Böse blickte Herr Schlattke mich an. Dann fiel sein Blick auf das erbarmungswürdige Seelchen und sein Gesicht wurde erst verwundert, dann weich und völlig verändert. „Wer bist denn du“, fragte er. „Der Grund dieses Lärms, das Wesen, das keiner will“, entgegnete das Seelchen traurig. „Wer sagt das“, fragte Herr Schlattke und sein Gesicht verzog sich drohend. „Darf ich ihn haben“, wendete er sich an Opa? „Wenn du versprichst, ihm ein guter Vater zu sein, werde ich beim Herrn ein gutes Wort für dich einlegen“, sagte der. „Ganz bestimmt, immer schon habe ich mir ein zweites Kind gewünscht und als wir keines bekamen, wurde ich böser und böser. Nun weiß ich, was meinem Leben fehlte. Nichts für ungut Gitte.“ Zum ersten Male, seit ich ihn kannte, sah ich ihn lächeln und er reichte mir sogar die Hand. Ja, wenn wir manchmal in die Menschen herein sehen könnten, wie einfach wäre dann das miteinander. So lebten wir nun in einer friedlichen Ewigkeit nebeneinander.
©By Gitte
4
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
7 Kommentare
9.215
Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 06.05.2016 | 07:26  
2.405
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 06.05.2016 | 10:13  
18.911
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.05.2016 | 10:52  
2.405
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 06.05.2016 | 12:19  
4.987
Gitte Hedderich aus Herten | 06.05.2016 | 17:41  
12.694
Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 09.05.2016 | 05:52  
4.987
Gitte Hedderich aus Herten | 09.05.2016 | 06:15  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.